Pressemitteilung 2019/167 vom

Die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert drei hochkarätige Projekte des Kompetenzzentrums für Handschriften an der Universitätsbibliothek (UB) Leipzig mit insgesamt knapp einer Million Euro. Die jetzt bewilligten Vorhaben umfassen die Digitalisierung und Tiefenerschließung der bedeutenden Erfurter Amploniana-Sammlung, die Aufarbeitung weitestgehend unerforschter mittelalterlicher Handschriften aus elf Institutionen Ostdeutschlands sowie die wissenschaftliche Bearbeitung von Handschriften aus dem Schwarzwaldkloster St. Georgen, die ebenfalls erstmalig digitalisiert werden sollen.

Altzeller Kapiteloffiziumsbuch Das verloren geglaubte Kapiteloffiziumsbuch des Zisterzienserklosters Altzelle aus der Zeit von 1174/75 enthält nicht nur wichtige Daten zur Klostergeschichte, sondern ist auch als wichtiges und frühes Zeugnis der Buchmalerei im mitteldeutschen Raum anzusehen.

Altzeller Kapiteloffiziumsbuch Das verloren geglaubte Kapiteloffiziumsbuch des Zisterzienserklosters Altzelle aus der Zeit von 1174/75 enthält nicht nur wichtige Daten zur Klostergeschichte, sondern ist auch als...

Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig, sagt: „Gleich drei bewilligte DFG-Projekte bedeuten die Fortsetzung unserer jahrelang konsequent fortgeführten Drittmitteleinwerbung und sind eine Bestätigung der Professionalität und Leistungsfähigkeit unseres Handschriftenzentrums. Besonders erfreut sind wir über die fruchtbaren und wichtigen Kooperationen mit Partnern aus mehreren deutschen Bundesländern.“

Das Projekt zur berühmten Amploniana-Sammlung mit dreijähriger Laufzeit führt die UB Leipzig mit der Erfurter Universitätsbibliothek und der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena zusammen. Die Amploniana gilt als die größte private Büchersammlung des europäischen Mittelalters mit ursprünglich rund 630 Handschriften, die heute 979 Manuskripte umfasst. Sie gibt einen einmaligen Einblick in die gelehrten Bildungswelten des 13. bis 15. Jahrhunderts. Die Digitalisierung der Handschriften wird in der Thüringer Landeshauptstadt vollzogen, die wissenschaftliche Bearbeitung erfolgt gemeinsam mit dem Handschriftenzentrum der UB Leipzig. Dessen Leiter Dr. Christoph Mackert betont: „Dieses Projekt, laut DFG modellhaft für die Verbindung von Digitalisierung und Tiefenerschließung, wird den Einstieg in die wissenschaftliche Aufarbeitung ermöglichen und weltweit erstmals die Sammlung digital verfügbar machen – nach den Anforderungen des 21. Jahrhunderts.“

Ebenso bewilligt wurde eine zweite Phase für das laufende Projekt „Erschließung von Kleinsammlungen mittelalterlicher Handschriften in Ostdeutschland“. Handschriftenbestände von insgesamt elf Institutionen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern werden hier bearbeitet. Das Projekt hat bereits zu zahlreichen bedeutenden Neufunden bislang unbekannter Texte und Textzeugen geführt, wie dem verschollenen Kapiteloffiziumsbuch aus dem Zisterzienserkloster Altzelle bei Nossen mit seinen bedeutenden Buchmalereien oder einer Handschrift der deutschen Tugendlehre „Spiegel des Herzens“.

Gemeinsames Projekt zweier Handschriftenzentren ist Novum

Das dritte von der DFG bewilligte Vorhaben führt in den deutschen Südwesten: Erschlossen und digitalisiert werden sollen die Handschriften aus dem Schwarzwaldkloster St. Georgen, die heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt werden. Die fachliche Expertise des Leipziger Handschriftenzentrums wird für die Bearbeitung der deutschsprachigen Handschriften genutzt, die etwas mehr als die Hälfte des Bestands ausmachen und zu denen mehrere namhafte Kostbarkeiten gehören. Die lateinischen Handschriften werden zeitgleich am Handschriftenzentrum der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart bearbeitet. Das gemeinsame Projekt zweier Handschriftenzentren ist ein Novum, sein innovatives Potenzial wurde von den DFG-Gutachten ausdrücklich gewürdigt.

Seit 2001 führt das Handschriftenzentrum der UB Leipzig als überregionales Kompetenz- und Servicezentrum drittmittelfinanzierte Projekte zur wissenschaftlichen Erschließung und Digitalisierung von Handschriftenbeständen durch, insbesondere für Institutionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die Handschriften besitzen. Deutschlandweit nachgefragt ist das Leipziger Zentrum darüber hinaus bei der Erforschung deutschsprachiger Handschriften des Mittelalters und für die Erschließung der meist unbekannten Kleinsammlungen.

 

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