Pressemitteilung 2019/083 vom

Mit einem Festakt im Alten Rathaus zu Leipzig ist heute der diesjährige, mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Leipziger Wissenschaftspreis verliehen worden. Die doppelte Auszeichnung ging an zwei Preisträger: Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins, Professorin für Anorganische Chemie an der Universität Leipzig, und Prof. Dr. Frank-Dieter Kopinke, Leiter des Departments Technische Umweltchemie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins

Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins Foto: John Popp

Der Preis, der regelmäßig von der Stadt Leipzig, der Universität Leipzig und von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig verliehen wird, prämiert jeweils Arbeiten, die höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und Leipzigs Ruf als Stadt der Wissenschaften mit einer national und international gewichtigen Forschungs- und Bildungslandschaft festigen. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung dazu: "Leipzig ist eine Stadt der Wissenschaften und der Leipziger Wissenschaftspreis ihr Gütesiegel. Die diesjährige Verleihung ehrt zwei renommierte Wissenschaftler aus dem Bereich der Chemie und der Umweltforschung. Im Namen unserer Stadt gratuliere ich den Preisträgern des Jahres 2019 ganz herzlich, Professorin Evamarie Hey-Hawkins von der Universität Leipzig und Professor Frank-Dieter Kopinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig/Halle. Mit ihren Forschungsarbeiten haben sie Leipzigs Bild in der weltweiten Wissenschaftsfamilie deutlich aufgewertet."

"Die Jury des Leipziger Wissenschaftspreises 2019 hatte wie immer eine besonders schöne und zugleich schwierige Aufgabe, galt es doch unter vorgeschlagenen Wissenschaftlern mit jeweils hoher nationaler und internationaler Reputation auszuwählen. Diese Aufgabe konnte dieses Mal nur dadurch zufriedenstellend gelöst werden, dass die Jury schließlich entschieden hat, den Preis in diesem Jahr an zwei herausragende Persönlichkeiten zu vergeben", so der Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Prof. Dr. Hans Wiesmeth, über die zweifache Preisvergabe.

"Ich freue mich außerordentlich, dass in diesem Jahr erneut zwei Wissenschaftspreise verliehen werden können. Mit Frau Professor Hey-Hawkins wird eine Wissenschaftlerin der Universität Leipzig ausgezeichnet, die in der Vergangenheit bereits zahlreiche Ehrungen bekommen hat. Auch Herr Professor Kopinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ist ein sehr verdienstvoller Wissenschaftler, der der Universität Leipzig seit 1998 als Honorarprofessor verbunden ist", betonte Prof. Dr. Erich Schröger, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Leipzig, der stellvertretend für die Rektorin der Universität an der Preisverleihung teilnahm.

 

Honorarfreie Pressebilder ab ca. 14:00 Uhr unter:
www.saw-leipzig.de/bildmaterial/wissenschaftspreis-2019

 

Hintergrundinformationen zum Leipziger Wissenschaftspreis

Leipzig ist eine Stadt der Wissenschaften und der Kultur mit einer reichen Forschungs-, Bildungs- und Wissenschaftslandschaft, die in der nationalen und internationalen Wissenschaft eine gewichtige Stimme hat. Der Leipziger Wissenschaftspreis soll dies öffentlich dokumentieren, indem er Arbeiten prämiert, die höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und Leipzigs Ruf als Stadt der Wissenschaften festigen.
Der Leipziger Wissenschaftspreis wird von der Stadt Leipzig, der Universität Leipzig und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig verliehen. Er ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden, das zu gleichen Teilen unter den Preisträgern aufgeteilt wird.


Über die Verleihung des Preises entscheidet eine Jury von neun Wissenschaftlern. Die Jury arbeitet ehrenamtlich und hat eine Amtszeit von vier Jahren.

Die Jury für den Leipziger Wissenschaftspreis 2019 bestand aus folgenden Mitgliedern:

-          Prof. Dr. Beate A. Schücking, Rektorin der Universität Leipzig

-          Prof. Martin Kürschner, Rektor der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig

-          Prof. Dr. Svante Pääbo, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

-          Prof. Dr. Georg Teutsch, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ

-          Prof. Dr. Hans Wiesmeth, Präsident der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

-          Prof. Dr. Jörg Kärger, Universität Leipzig

-          Prof. Dr. Wolfgang Huschner, Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

-          Prof. Dr. Ulrich Brieler, Stadt Leipzig

-          Dr. Michael Schimansky, Stadt Leipzig

 

Bisherige Preisträger des Leipziger Wissenschaftspreises:

2001: Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland des Instituts für Länderkunde Leipzig, heute: Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig

2003: Prof. Dr. Svante Pääbo, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

2006: Prof. Dr. Jürgen Haase, Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden,

          heute: Dekan der Fakultät für Physik und Geowissenschaften an der Universität Leipzig

2009: Prof. Dr. Frank Zöllner, Universität Leipzig, Institut für Kunstgeschichte

2011: Prof. Dr. Marius Grundmann, Universität Leipzig, Institut für Experimentelle Physik II

2013: Prof. Dr. Dan Diner, Hebräische Universität Jerusalem, ehem. Simon-Dubnow-Institut für
          jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig, heute: Leibniz-Institut für jüdische
          Geschichte und Kultur – Simon Dubnow
2016: Prof. Dr. Annette G. Beck-Sickinger, Professorin für Bioorganische Chemie/Biochemie
          an der Universität Leipzig und Prof. Dr. Manfred Rudersdorf, Professor für Geschichte der
          Frühen Neuzeit an der Universität Leipzig

 

 

Preisträger 2019

 

Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins

Vita

Evamarie Hey-Hawkins, geb. 1957 in Scherfede/Westfalen, studierte ab 1976 an der Philipps-Universität Marburg Chemie und schloss ihre Promotion im Oktober 1983 mit summa cum laude ab. Nach Aufenthalten an der University of Sussex, Großbritannien, der University of Western Australia und der ANU, Canberra, Australien (1984–1987, mit Stipendien des VCI und der DFG) habilitierte sie sich 1988 in Marburg. Von 1988 bis 1990 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart. Nach Aufenthalten an der Universität Hohenheim, der Universität Heidelberg und der TU Karlsruhe (heute KIT) mit einem Heisenberg-Stipendium der DFG (1990–94) wurde sie zum 1.4.1993 als ordentliche Professorin für Anorganische Chemie an die Universität Leipzig berufen.

Im Fokus der wissenschaftlichen Arbeiten von Evamarie Hey-Hawkins steht die Entwicklung von anorganischen und elementorganischen Verbindungen für den potenziellen Einsatz in der Katalyse, den Materialwissenschaften und der Medizin. Ihre Forschungsprojekte zeichnen sich nicht nur durch zahlreiche nationale und internationale Kooperationen, sondern insbesondere auch durch eine hohe Interdisziplinarität aus und sind durch mehr als 475 Publikationen in renommierten Journalen dokumentiert.

Evamarie Hey-Hawkins ist in zahlreichen internationalen Netzwerken involviert. Von 2008 bis 2018 war sie Vorsitzende von zwei EU COST-Netzwerken, die sich mit allen Facetten der Phosphorchemie beziehungsweise Anorganischen Polymeren beschäftigten, mit jeweils weit über 20 beteiligten EU Ländern, und Gastprofessorin an Universitäten in der Türkei, Frankreich, Neuseeland, Australien, Japan und China.

Sie wurde vielfach für ihre wissenschaftlichen Verdienste geehrt. Hierzu gehören die Auszeichnung als "Distinguished Woman in Chemistry or Chemical Engineering" durch die International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC, 2013), zwei Ehrendoktorwürden (Dr. h.c.) und der Verdienstorden des Freistaats Sachsen (2017). 2018 wurde sie als Mitglied in die European Academy of Sciences aufgenommen, und am Dies Academicus 2018 wurde ihr die Universitätsmedaille der Universität Leipzig verliehen.

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses liegt Evamarie Hey-Hawkins besonders am Herzen. So war sie von 2007–2017 Sprecherin der Graduiertenschule "Bauen mit Molekülen und Nano-Objekten" (BuildMoNa) und ist gegenwärtig Vice-Sprecherin. Seit 2002 ist sie Vertrauensdozentin der Studienstiftung und seit 2009 Mitglied im Kuratorium der Studienstiftung. Die Zahl der GastwissenschaftlerInnen und internationalen Studierenden, die im Rahmen von Kooperationen in ihrem Arbeitskreis geforscht haben, ist im höheren dreistelligen Bereich. Sie leitet derzeit eine Gruppe von 30 bis 35 DoktorandInnen, Postdocs, BSc und MSc Studierenden. 76 Doktoranden haben bisher bei ihr promoviert; zehn von ihnen leiten heute eigene Forschungsgruppen, die anderen haben Stellen in Industrie, Forschungseinrichtungen und in verwandten Bereichen in der ganzen Welt gefunden.

 

 

Prof. Dr. Frank-Dieter Kopinke

Vita

Frank-Dieter Kopinke, geb. 1951 in Leipzig, studierte ab 1970 an der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg Ver­fah­­rens­che­mie. Bereits sechs Jahre später, 1976, schloss er sein Studium mit der Promotion ab und begann seine berufliche Laufbahn an der Akademie der Wissenschaften der DDR in Leipzig. Dort forschte er bis 1989 über thermische Prozesse der Erdölverarbeitung.

Nach einem einjährigen Gastaufenthalt 1991/92 am Institut für Petrochemische Synthese der Reichsuniversität Gent (Belgien) sowie einer Vertretungsprofessur für Technische Chemie an der TU Berlin gehörte Frank-Dieter Kopinke 1992 zu den ersten Wissenschaftlern am neu gegründeten Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Zunächst war er als Abteilungsleiter im Bereich Sanierungsforschung tätig, seit 2003 leitet er das Department für Technische Umweltchemie und seit 1998 ist er Honorarprofessor an der Universität Leipzig.

Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit am UFZ stand und steht die Entwicklung von Umwelttechnologien, die kontaminierte Böden und Wässer reinigen. Der Gruppe um Prof. Frank-Dieter Kopinke ist es unter anderem gelungen, neue Materialien – sogenannte Mikroreaktoren – zu entwickeln, die in den verunreinigten Grundwasserleiter eingebracht werden und dort die Schadstoffe einsammeln und chemisch abbauen können. Mikroreaktoren sind dabei keine miniaturisierten technischen Reaktoren, sondern poröse Adsorbenzien wie Aktivkohle und Zeolithe, in deren Porenraum durch geeignete Reagenzien oder Katalysatoren chemische Reaktivität eingebaut ist. Der geschützte Porenraum wird so zum Reaktionsraum.

Neben diesem neuen wissenschaftlichen Ansatz besteht das große Verdienst von Frank-Dieter Kopinke in einer beispielhaften Verknüpfung von Wissenschaft und deren Anwendung. Er ist nicht nur Hochschullehrer und weltweit anerkannter Wissenschaftler mit einer exzellenten Publikationsliste, er ist auch an mehr als 50 Patenten beteiligt (davon 37 Patente seit 1992) und ein gesuchter Kooperationspartner in Industrie und Praxis. Das zeigen zahlreiche Kooperationen und gemeinsame Projekte mit der Chemie- und Umwelttechnik-Industrie.

 

Susann Huster

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