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Wie digitale Lehre gelingen kann, zeigen wir Ihnen anhand von ausgewählten Praxisbeispielen an unserer Universität. Barbara Drinck und ihr Team haben einen Methoden- und Formatmix im Angebot und achten darauf, dass auch das soziale Miteinander nicht zu kurz kommt.

Bildschirmfoto der Software "Learning Snacks"

Das Tool "Learning Snacks" bietet strukturierte Lernpfade und vorstrukturierte Gespräche in Chat-Form an. Grafik: Karsten Nietzschmann

Das Lehrangebot:

  • Studiengang: Bildungswissenschaften, alle Schulformen, Lehrerinnen- und Lehrerbildung
  • Lehrveranstaltung/Modul: „Schule als Lern- und Lebensraum“, eine Vorlesung, mehrere Seminare
  • Größe der Gruppe: Vorlesung 450 Studierende, Seminare 30 Studierende
  • Formatmix: u.a. Webcast (für die Vorlesung), Webinare, Webkonferenzen, Videopodcasts
  • Verwendete Software, Technik, Hilfsmittel etc.: heimische Computer und Smartphones, Big Blue Button, Zoom, Open Broadcaster Software, Moodle, Wikis, Etherpad, Webanwendungen u.a. für strukturierte Lernpfade, „Learning Snacks“ (vorstrukturierte Gespräche, ähnlich wie Chats) und Action Bounds (kleine digitale Wissens-Schatzsuchen)
  • Vorerfahrungen/Vorbilder: Vorerfahrungen stammen aus Drittmittelforschungsprojekten zu Blended-Learning-Formaten (TranQEU und TransQEU-MINT); ein Vorbild aus dem Bereich der Erwachsenenbildung ist der „EBMooc plus 2020“, ein offener, begleiteter Online-Selbstlernkurs.
  • Vorteile: bessere Vereinbarkeit von Studium und Lehre für die Studierenden bei asynchronen Formaten, flexible und an den individuellen Lagen der Studierenden ausgerichtete Seminarplanung, Vermittlung von digitaler Kompetenz als Schwerpunktaufgabe, Spaß am gemeinsamen Erproben und reflektieren der Tools
  • Nachteile: „Alle erprobten Lehrveranstaltungen müssen komplett neu didaktisiert werden, das ist voraussetzungsvoll in Bezug auf die technische Ausstattung bei Lehrenden und Lernenden. Ein besonderer Fokus muss auf die soziale Präsenz in der Online-Lehre, den Datenschutz und die Barrierefreiheit gelegt werden. Zudem ist eine gewisse Entschiedenheit nötig – zwischendurch einen Witz einzustreuen, ist schwierig.“

Kurzinterview:

Was war Ihnen besonders wichtig für Ihr digitales Lehrangebot?

Barbara Drinck: Mir war es sehr wichtig, dass wir in der ersten Woche starten konnten und dass die Studierenden den Lernstoff auf eine Art vermittelt bekamen, dass er zu bewältigen ist. Der Workload sollte ungefähr so sein wie bisher, keinesfalls höher.

Christoph Bülau: Unser Anspruch war zudem nicht, jetzt einfach Texte auf Moodle zu stellen. Da wollten wir schon mehr leisten. Natürlich hätten wir eigentlich viel mehr Vorlaufzeit gebrauchen können. Aber dafür, dass es so kurzfristig war, haben wir es glaube ich gut hinbekommen. Wichtig ist zudem immer: Der Spaß darf nicht zu kurz kommen.

Stichwort „soziale Präsenz“. Sie erwähnen das Thema in unserem kleinen Fragebogen bei den Nachteilen. Was ist gemeint?

Drinck: Wir Lehrenden und die Studierenden haben das soziale Miteinander sehr vermisst. Ohne Präsenzveranstaltungen fehlt das einfach. Daher haben wir in die digitale Lehre auch synchrone Formate integriert, um das ein wenig zu kompensieren.

Bülau: Wir sind keine Fernuniversität. Wenn wir diesen Gedanken übertragen wollen, heißt das aber auch: Wir als Lehrende müssen so viel wie möglich kommunizieren mit den Studierenden. Das wollten die Studierenden auch. Dafür gibt es einen Mix aus proaktiver Kommunikation mit den Studierenden und auch Online-Veranstaltungen zum Austausch. Natürlich hängt das auch mit unseren Inhalten zusammen: Wir vermitteln nicht nur Zahlen-Daten-Fakten, sondern prozedurales und konditionales Wissen, das funktioniert online nicht auf rein asynchrone Weise.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, welches Feedback bekommen?

Drinck: Die Erfahrung, die ich gemacht habe, ist sehr positiv. Erstmal muss man eine informelle erste Phase zulassen. Es gab auch Fragen, die mir vorher geschickt worden sind, die es zu beantworten galt. Insgesamt wissen die Studierenden unsere didaktischen Methoden zu schätzen. Das ist gut und wichtig, denn in Zukunft könnten sie auch die Präsenzlehre ergänzen.

Bülau: Die Studierenden brauchten natürlich erstmal einen Kompass über alle Tools, die wir verwenden. Das war uns klar. Und es gab und gibt auch Einschränkungen, was die technische Ausstattung betrifft. Aber mit unseren Formaten der Online-Lehre haben wir positive Erfahrungen gemacht, das lässt sich sagen. Die Studierenden sind sehr dankbar dafür. Sie sind ja auch bestens vertraut mit Podcasts, YouTube, TikTok und Co., mit Apps im Allgemeinen.

Welche Tipps haben Sie für Lehrende, die etwas Ähnliches planen?

  1. Am Anfang kommt die Didaktik, dann erst das Tool.
  2. Sharing is caring – der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen ist ein wichtiger Erfolgsbaustein.
  3. Nutzen Sie Weiterbildungsmöglichkeiten. Es gibt hervorragende Weiterbildungen wie den oben erwähnten „EBMooc plus 2020“ oder Angebote unter oncampus.de.
Professorin Barbara Drinck sitzt an ihrem Schreibtisch in einem hellen Arbeitszimmer. Vor ihr steht ein aufgeklappter Laptop. Sie blickt in die Kamera.
Christoph Bülau sitzt an einem Tisch im Freien. Vor ihm steht ein aufgeklappter Laptop mit aufgesteckter Webcam. Im Hintergrund ist ein Garten zu erkennen.
Bildschirmfoto der Software "Learning Snacks"
Bildschirmfoto der Software "Action Bounds"