Nachricht vom

Heute ist Tag zwei der in Sachsen angeordneten Ausgangsbeschränkungen. „Jetzt, in dieser Krise, rechne ich damit, dass viele Menschen mit psychischen Problemen weiterführende Probleme bekommen – und andere von ihnen bedroht sind“, sagt Dr. Nicole Koburger, Referentin für Akademische Personalentwicklung an der Universität Leipzig. Bevor Sie 2017 zu ihrer jetzigen Tätigkeit wechselte, hat sie sich in verschiedenen EU-geförderten Forschungsprojekten und zuletzt als stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe viele Jahre mit den Themen Depression und Suizidprävention beschäftigt und auch in diesem Fachbereich promoviert. Angelehnt an sieben Punkte, die die Stiftung Deutsche Depressionshilfe veröffentlicht hat, gibt sie allgemeine Hinweise für den (Alltags-)Umgang mit der Krise weiter. „Denn vieles, was die Stiftung empfiehlt, kann in weiten Teilen für uns alle relevant sein.“

Nicole Koburger.

Nicole Koburger. Foto: Swen Reichhold

Im Folgenden finden Sie die von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe herausgegebenen Hinweise für den Umgang mit der Corona-Krise, die Nicole Koburger so modifiziert hat, dass sie hilfreich für uns alle sein können.

  1. Struktur aufrecht erhalten/schaffen
    Strukturieren Sie Ihren Tag und Ihre Woche im Vorfeld. Besonders jetzt, wo gewohnte Routinen durcheinanderkommen und viele ausgleichende Aktivitäten in der Freizeit wegfallen, kann das Stabilität und Sicherheit geben.
    Von Arbeits- oder Lernzeiten, Mahlzeiten bis hin zu schönen Dingen, wie Lesen, Serien schauen, Balkon bepflanzen, Yoga, Entspannungsübungen: Planen Sie ganz bewusst auch die letzteren Dinge in Ihre Tage ein und freuen Sie sich, wenn Sie diese gemacht und sich Zeit für sich selbst oder andere wichtige Menschen oder Dinge genommen haben.
  2. Bleiben Sie aktiv!
    Eine Runde joggen oder mit dem Fahrrad fahren sind noch immer möglich. Bewegen Sie sich an der Luft. Oder beginnen Sie ein längst vorgenommenes, aber nie angegangenes Freizeitprojekt, wie an der Nähmaschine arbeiten, das Fotobuch vom letzten Urlaub erstellen oder mal wieder einen Brief an die beste Freundin zu schreiben.
  3. Kontakte virtuell pflegen
    Wenn Sie im Homeoffice sind oder gar in Quarantäne, verabreden Sie sich mit Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern zum Telefonieren. Auch Chats oder Onlineforen helfen gegen die Einsamkeit. Pausen und geliebte Routinen müssen auch im Heimarbeitsalltag nicht komplett ausfallen.
  4. Etwas Neues ausprobieren
    Machen Sie zum Beispiel mittels YouTube-Tutorien Yogaübungen zu Hause oder probieren Sie ein Online-Programm, wie das Glückstraining von Dr. Eckart von Hirschhausen. Letzteres ist ein evidenzbasiertes, kostenfreies Programm für alle, vor allem auch für gesunde Menschen, basierend auf den Prinzipien der positiven Psychologie.
  5. Sorgen und Ängste teilen
    Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden. Auch Hotlines, zum Beispiel die Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222, können Sie nutzen.
  6. In ernsteren Situationen einen Arzt oder Beratungsstellen anrufen/aufsuchen
    Für ernste Fällen stehen Ihnen Ihre Hausärzte, Fachärzte und psychiatrische Kliniken zur Seite. Scheuen Sie sich nicht, in Krisen nach Hilfe zu fragen. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie in einer (psychischen) Krise stecken, können Sie folgende Nummern nutzen: Info-Telefon Depression - 0800 / 33 44 533 (Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr und Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr). An den Wochenenden und Feiertagen steht in der Zeit von 08:00 - 18:00 Uhr das psychosoziale Beratungstelefon der Stadt Leipzig unter 0341/799 990 000 zur Verfügung.
  7. Seriöse Quellen zur Information nutzen
    Fakten mindern Ängste. Nutzen Sie seriöse Quellen, um sich zu informieren, beispielsweise diejenigen, die auf der Corona-News-Website unserer Universität zu finden sind.Lesen oder hören Sie die Nachrichten außerdem nur so oft, wie es Ihnen guttut.