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Der Akademische Senat der Universität Leipzig hat sich bei seiner gestrigen Sitzung (10. September) mit großer Mehrheit gegen die Aufstellung der historischen Kanzel im Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli ausgesprochen. Klima-Messungen haben ergeben, dass das Raumklima deutlich zu trocken ist. Bei einer Aufstellung wäre mit massiven Schäden an der Kanzel zu rechnen.

Der Senat tagte gestern zunächst im Paulinum - Aula und Universitätskirche St. Pauli. Die Senatsmitglieder konnten dort das Kanzel-Modell in Augenschein nehmen.

Der Senat tagte gestern zunächst im Paulinum - Aula und Universitätskirche St. Pauli. Die Senatsmitglieder konnten dort das Kanzel-Modell in Augenschein nehmen. Foto: Swen Reichhold/Universität Leipzig

In den vergangenen drei Semestern hatte ein Klima-Monitoring im Paulinum stattgefunden, da eine Aufstellung der Kanzel nur im hinteren, nicht klimatisierten Bereich des im Dezember 2017 eröffneten Paulinums möglich wäre. Das Klima-Monitoring hat zu eindeutigen Ergebnissen geführt: So ist das Raumklima insgesamt deutlich zu trocken und unterliegt zudem teilweise großen Schwankungen. Der konservatorische Referenzwert wird nur selten erreicht, meistens wird er deutlich unterschritten.

„Massive Schäden am Holz und den Farbschichten der Kanzel wären bei diesen Bedingungen unausweichlich und nicht zu verantworten“, sagte Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen, Leiter der Kustodie der Universität, vor den Senatsmitgliedern.Über die nötige Klimatechnik verfügt nur der Altarbereich des Paulinums, in dem der Paulineraltar und ein großer Teil der 1968 ebenfalls vor der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli geretteten Epitaphien untergebracht sind. Hinzu kämen bei einer Kanzel-Anbringung nach Angaben der Universitätsverwaltung funktionale Beeinträchtigungen für Veranstaltungen im Paulinum, da ein Teil der fast 600 Sitzplätze nur noch eine eingeschränkte Sicht auf die Leinwand böte.

„Das Klima-Monitoring hat zu eindeutigen Ergebnissen geführt. Bei einer Anbringung der Kanzel im Aula-Bereich wären irreparable Schäden zu erwarten. Das kann niemand wollen“, sagte Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking im Anschluss an die Senatssitzung. Die Rektorin leitet die Senatssitzungen, hat aber selbst kein Stimmrecht. „Die Senatsentscheidung ist daher folgerichtig“, erklärte Schücking. „Es ist eine verantwortungsvolle Entscheidung für die Kanzel und für das seit der Eröffnung des Paulinums erfolgreich gelebte Miteinander der verschiedenen Nutzer.“

Der Senat habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. „Wir wissen um unsere Verantwortung für die wertvolle Kanzel. Sie wurde unter erheblichem Einsatz Leipziger Bürger gerettet. Sie braucht einen würdigen, gut zugänglichen Ort, der konservatorischen Belangen Rechnung trägt, an dem sie also nach ihrer vollständigen Restaurierung dauerhaft erhalten bleiben kann. Diesen Ort gilt es zu finden, und an diese Aufgabe werden wir uns nun machen, sicher gemeinsam mit Gesprächspartnern aus der Stadtgesellschaft. Wir werden darüber hinaus versuchen, weiter Geld für die Fertigstellung der Restaurierung einzuwerben“, so Schücking.

Der Entscheidung des Senats ging eine Begehung des Paulinums voraus, in dem für die Senatssitzung noch einmal das maßstabsgetreue Modell der Kanzel aufgestellt worden war. Die Senatsmitglieder ließen sich ausführlich informieren und tauschten sich insgesamt eineinhalb Stunden zum Thema aus. Elf Senatsmitglieder votierten dann für den entsprechenden Beschlussvorschlag, die Kanzel nicht im Paulinum aufzustellen. Es gab keine Gegenstimmen und eine Enthaltung.

Rektorin Beate Schücking betonte, sie stehe für die dreifache Nutzung als Universitätskirche, Aula und Konzertsaal. „Seit der Eröffnung wetteifern alle drei Nutzungsvarianten um das jeweilige Publikum, mit beachtlichem Erfolg: Wir haben sehr gut besuchte Gottesdienste, großartige Konzerte, und eine Fülle von akademischen Veranstaltungen erlebt, darüber hinaus auch speziell an eine breite Öffentlichkeit gerichtete Veranstaltungen wie das Format ‚Zur Sache, Leipzig!‘ mit der ‚Zeit‘-Stiftung. Jedes dieser Formate strebt nach weiterer Vervollkommnung, nach optimaler Nutzung der räumlichen Gegebenheiten.“ So werde die Tonanlage noch in diesem Jahr verbessert, und auch die Frage der perfekten Ausstattung für die kirchliche Nutzung werde weiter besprochen. 

 

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