Nachricht vom

Nicht jede Promotion führt in die Wissenschaft, viele führen in die Wirtschaft. Doch wie können Hochschulen Promovierende bei ihrem Übergang ins Arbeitsleben bestmöglich unterstützen? Claudia Flach, Mitarbeiterin im Career Service unserer Universität, war vom 30. Juni bis 4. Juli 2025 in Italien, um an der Università degli Studi di Padova (Padua) an der fünften Ausgabe der Arqus PhD Week for Careers Outside Academia teilzunehmen. Im Mittelpunkt stand nicht La Dolce Vita, das gab es dazu, sondern der Austausch mit Kolleg:innen aus der ganzen Welt, berichtet Claudia Flach in ihrem Blog.

Es gibt ja Menschen, die fahren im Sommerurlaub absichtlich in heiße Länder. Zu denen zähle ich nicht. Aber dienstlich nach Italien zu fahren, klingt trotzdem nicht schlecht, und heiß war es in der besagten Woche überall in Europa – das Thermometer kletterte allerorten über die 30 Grad-Marke, in Padua sogar auf bis zu 36 Grad. Passend dazu wurden wir also bei der feierlichen Eröffnung der Arqus-Woche (die im beeindruckenden Palazzo Bo bzw. dem Archivio Antico stattfand) mit einem Schmunzeln von der Uni-Leitung gefragt, wieso wir uns ausgerechnet die heißteste Woche des Jahres ausgesucht hätten. Selbst die Italiener:innen stöhnten über die Temperaturen. Tja, not my choice, but here I am – so let’s go! 

35 PhD-Studierende bzw. Post Docs aus den neun europäischen Arqus-Hochschulstandorten kamen zusammen, um mit- und voneinander zu lernen, was man braucht für den außerakademischen Arbeitsmarkt und um zu reflektieren, wie viele Fähigkeiten man als Promovend:in eigentlich hat – kleiner Spoiler, ganz schön viele!

Aktuelle Themen vor historischer Kulisse

Bevor es am Dienstag mit den „harten Fakten“ losging, bekamen wir am Montagabend noch eine Führung durch den Palazzo Bo und durften unter anderem das Pult besichtigen, von dem Galileo Galilei 18 Jahre lang an der Uni Padua unterrichtet hat. Seiner eigenen Aussage nach war das die glücklichste Zeit seines Lebens, denn die Wissenschaftsfreiheit wurde an dieser Uni damals höher gehalten als anderswo. Auch ein originales „Anatomie-Amphitheater“ konnten wir besichtigen, in dem früher Leichen seziert wurden: Geradezu revolutionär (und problematisch) für damalige Verhältnisse, aber umso wichtiger, denn die anatomischen Zeichnungen in Lehrbüchern waren zu dieser Zeit, sagen wir mal – mitunter abenteuerlich weit von der Realität entfernt. Sonderlich bequem war der Unterricht sicherlich nicht: Damit möglichst viele Studenten (ja, es waren nur Männer) etwas sehen konnten, war jede Zuschauerreihe nur 40 Zentimeter breit. Sitzplätze Fehlanzeige, Studium im Stehen. 

Was mich gleich zu einem anderen spannenden Punkt bringt, oder besser gesagt, zu einer spannenden Person: Elena Lucrezia Cornaro Piscopia war die erste Frau auf dieser Welt, die einen Universitätsabschluss erlangte, und zwar im Jahr 1678. (Und auch nicht irgendeinen, sondern einen Doktorgrad in Philosophie). Wer jetzt denkt, dass sie zusammen mit den männlichen Studenten unterrichtet wurde und sich austauschen durfte – weit gefehlt, als Frau war ihr ausschließlich gestattet, zu Hause zu lernen und zu diskutieren, mithilfe von Privattutoren.

Start-up-Ideen und die Kunst des Scheiterns

Sehr viel gemischter ging es dann bei unseren heutigen Promovierenden und Post Docs zu. Auch thematisch war alles im Angebot, was mit dem Thema Arbeiten & Job zu tun hat: Von Lebenslauf und Anschreiben zu effektiver Kommunikation, gewaltfreier Kommunikation, von Patentanmeldung bis zum Lebenszyklus eines Start-Ups, von Micro Credentials bis hin zum Fiasco Fest, in dem man auch mal das Scheitern zelebrieren darf – das und vieles mehr stand auf der Agenda. Aber neben all dem Input geht es natürlich ganz wesentlich um den Austausch untereinander – man hat ja nicht jeden Tag Gesprächspartner:innen aus Australien oder Ägypten beim Mittagessen! Insofern ist die Teilnahme an einer Arqus-Woche eine tolle Gelegenheit für die Studierenden und auch für uns Trainer:innen – diesmal kamen Kolleg:innen aus Deutschland, Italien, Polen, Frankreich und Österreich zusammen, plus die zwei Kolleginnen aus Irland, die die nächste Arqus PhD Week for Careers Outside Academia organisieren werden. Meine Kollegin steht schon ganz vorfreudig in den Startlöchern, um die Uni Leipzig 2026 in Maynooth zu repräsentieren. Auch wenn hoffentlich (und wahrscheinlich) in Irland keine 36 Grad sein werden.

Vielen Dank an Arqus, aber auch an Sara Raponi und ihr Team von der Universität Padua, die diese Woche organisiert haben!

Die Europäische Hochschulallianz Arqus macht Mobilitätsangebote für alle Mitglieder ihrer Partnernuniversitäten: Studierende, Promovierende, akademische und auch nicht-akademische Mitarbeiter:innen sowie Forschende. Die Angebote reichen von Workshops über Summer Schools, Auslandssemester, Forschungsaufenthalte bis hin zu Staff Weeks. Aktuelle Ausschreibungen und Veranstaltungen finden Sie auf der Arqus Website.