Pressemitteilung 2020/076 vom

Die norwegische Regierung hat weitreichende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen. Danach müssen alle aus nicht-nordischen Ländern nach Norwegen Reisenden ohne Wohnsitz in Norwegen damit rechnen, umgehend zurückreisen zu müssen oder zu einer 14-tägigen Quarantäne verpflichtet zu werden. Aus diesem Grund und wegen der weiterhin sehr dynamischen Entwicklung der Corona-Pandemie hat sich die "MOSAiC"-Projektleitung am Freitag, 13. März 2020, dazu entschieden, die geplanten Messflug-Kampagnen im Frühjahr von der Basis der unter norwegischer Verwaltung stehenden Inselgruppe Spitzbergen vorerst auszusetzen. Die wissenschaftlichen Missionen mit den Forschungsflugzeugen Polar 5 und Polar 6 hätten unter der Regie von Prof. Dr. Manfred Wendisch, Meteorologe an der Universität Leipzig, stattfinden sollen.

Prof. Dr. Manfred Wendisch ist Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Arktische Klimaänderung (AC)³“.

Prof. Dr. Manfred Wendisch ist Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Arktische Klimaänderung (AC)³“. Foto: Universität Leipzig/Swen Reichhold

Die Messflüge zur Erforschung von Atmosphäre und Meereis waren in vier Teilkampagnen in einem Zeitraum von März bis September eingeteilt. Ursprünglich sollten die beiden Forschungsflugzeuge Polar 5 und Polar 6 Spitzbergen am 11. März erreichen. Nachdem ein Teilnehmer jedoch vergangene Woche positiv auf Corona getestet worden war, musste der Kampagnenstart verschoben werden. Die für das Frühjahr geplanten Teilkampagnen können nun in Anbetracht der aktuellen Lage nicht mehr durchgeführt werden.

„Die derzeitige außergewöhnliche Situation lässt uns leider keine andere Wahl. Wir danken allen, die an den monatelangen Vorbereitungen beteiligt waren und die bis zum letzten Moment alles versucht haben, um die Flugkampagnen zu gewährleisten“, sagt Dr. Andreas Herber, Koordinator der MOSAiC-Flugkampagnen, vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Man werde die Situation in den nächsten Wochen genau beobachten und Alternativlösungen prüfen, zum Beispiel eine Verlängerung der beiden für den Sommer geplanten Teilkampagnen.

„Wir sind natürlich sehr enttäuscht über die Absage, aber es wäre verantwortungslos, die Kampagne unter diesen dramatischen Umständen durchzuführen“, ergänzt Meteorologe Prof. Dr. Manfred Wendisch von der Universität Leipzig. „Wir nehmen damit auch unsere Verantwortung für die Gesundheit aller Beteiligten war. Außerdem gilt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Und wir bleiben optimistisch, dass unsere Sommermesskampagne planmäßig stattfinden kann.“

Die „MOSAiC“-Expedition mit dem Eisbrecher Polarstern geht derweil weiter.
Lesen Sie hier die komplette Pressemitteilung des Alfred-Wegener-Instituts.