Vor gut 15 Jahren hat Christian Bollert in Leipzig das Online-Radio „detektor.fm" gegründet. Eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte. Das Team ist auf rund 25 Mitarbeitende angewachsen und produziert zudem sehr erfolgreich Podcasts. Das Unternehmen gehört deutschlandweit zu den führenden Anbietern und setzt inhaltlich wie technologisch immer wieder Akzente. Nichts Geringeres als den digitalen Wandel des Journalismus und neue Formen von Arbeit möchte Geschäftsführer Bollert mitgestalten. Neue digitale Audioformate und Sprachassistenten faszinieren ihn. Naheliegend, dass ein Gespräch mit ihm für diesen Beitrag im digitalen Raum per Videoschalte stattfand. Es liegt aber auch daran, dass dieser Mann sehr umtriebig und gefragt ist. Als Unternehmer und Sponsorensucher, als Journalist, Sprecher und Moderator, als Redner oder Diskussionsteilnehmer auf Fachveranstaltungen oder als Dozent an Aus- und Fortbildungseinrichtungen.
Sendungsbewusstsein, nicht nur im Online-Radio
Bei all dem erstaunt es nicht, ist aber trotzdem bemerkenswert, dass detektor.fm vor rund zwei Jahren deutschlandweit das erste Podcast-Volontariat für Nachwuchsjournalist:innen ausgeschrieben hat. Die erste Volontärin schließt in diesem Sommer ihre praxisnahe Ausbildung ab. Mit der Berliner Firma „Der Apparat“, die Formate für Podcasts und Hörspiele entwickelt, besteht bereits eine Kooperation. 2026 soll idealerweise eine weitere Produktionsfirma mit ins Boot kommen. „Das ist für uns ein echter Ausbildungsmeilenstein“, ordnet Bollert das Ganze ein. „Wir haben in unseren Branchenkreisen relativ viel Aufmerksamkeit dafür bekommen, weil die Medienform Podcast sich in den letzten zehn Jahren nun mal stark etabliert hat und eine adäquate Ausbildung dafür spannend geworden ist. Wir wollen das ausbauen, denn die Nachfrage ist mit über 90 Bewerbungen riesengroß.“
Man braucht Leute, die einen Weg aufzeigen, den andere gerade nicht gehen
Wer sich über Bollerts Werdegang informiert, kann schnell erahnen, wie viel begeisterungsgetriebene Energie er in seine zahlreichen Aktivitäten setzt. Für die unternehmerische Perspektive, in der Kreativwirtschaft ausreichend Umsatz machen zu müssen, brauchte er allerdings etwas Erkenntnis- und Entwicklungszeit, erzählt er. Aufgrund seiner ostdeutschen Sozialisation war Geld verdienen zunächst negativ behaftet.
Schöpft er solche Selbsterkenntnisse und Energie ausschließlich aus sich heraus oder braucht es hin und wieder Menschen, die zur rechten Zeit eine Brücke bauen oder durch eine Durststrecke hindurch helfen? Klare Antwort: „Ich kenne niemanden, der sich nur aus sich selbst entwickelt. Auch bei mir hat es immer Menschen gegeben, die als Begleiter oder Ratgeber da waren, vielleicht Tipps gegeben oder Dinge reflektiert haben.“ Fragt sich nur, wie solche Menschen zu finden sind. - Zufall, Gelegenheit und eigenes Bemühen, so die kurz gefasste Antwort.