Dass Studierende für Hausarbeiten, Semesterarbeiten, Bachelorarbeiten KI verwenden, dürfte kaum überraschen. Wie ordnen Sie das ein: Ist es zulässig und falls ja, müsste man das wenigstens im Quellenverzeichnis angeben?
Doreen Klein: Ein Verbot ist eher nicht sinnvoll, da es an der zukünftigen Lebens- und Arbeitsrealität vorbeigeht. Zudem kann eine sinnvolle Nutzung von KI auch eine Chance darstellen. Ziel wäre, dass KI ein Hilfsmittel im Lern- und Schreibprozess darstellt und Studierende wissen, wie sie KI sinnvoll für sich und ihr Fachgebiet nutzen. Und der Einsatz von KI ist kennzeichnungspflichtig, das verlangt die akademische Integrität, damit die Eigenleistung deutlich wird. So steht es auch in der Satzung wissenschaftlicher Praxis.
Den Einsatz von KI zu verhindern ist nicht möglich. Leidet darunter unter Umständen die wissenschaftliche Ausbildung, beispielsweise Literaturrecherche in einer Bibliothek zu betreiben?
Agnes Berbée: Sicher wird sich das wissenschaftliche Arbeiten verändern – es kommt aber auch auf den Fachbereich an, welche Kompetenzen wichtig sein werden: In der Geschichte beispielsweise ist Quellenarbeit essenziell und es sollte mehr gefördert werden, in Archive zu gehen. KI kann aber bei der Literaturrecherche helfen und diese vereinfachen. Wichtig ist, dass Studierende weiterhin lernen, was gutes wissenschaftliches Arbeiten auszeichnet, da wir am Ende bewerten müssen, ob der Output der KI richtig und sinnvoll ist. Dafür ist Fachwissen und Reflexionsfähigkeit notwendig.
Was raten Sie Lehrkräften, wie sie mit diesen Entwicklungen umgehen sollten? Sollten sie den Einsatz von KI selbst in Lehrveranstaltungen thematisieren?
Doreen Klein: Lehrende und Studierende wünschen sich Rahmenbedingungen für KI-Nutzung. Deswegen ist es wichtig, Regeln für die Nutzung in der Lehrveranstaltung und der Prüfung festzulegen – am besten, indem Lehrende und Studierende gemeinsam über eine sinnvolle KI-Nutzung reflektieren. Und es gibt dazu auch Informationsmaterial seitens der Universität Leipzig. Lehrende sollten sich weniger auf das Problem der möglichen Täuschung fokussieren. Stattdessen sollten sie einen offenen und transparenten Umgang mit KI bei den Studierenden fördern und ins Gespräch gehen: Wofür wollen wir KI nutzen und was müssen wir selbst machen? Was sind Chancen und Risiken für Studium, Wissenschaft und Gesellschaft?