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PD Dr. Leonhard Herrmann

Wiss. Mitarbeiter

Neuere deutsche Literatur (19. bis 21. Jahrhundert)
Geisteswissenschaftliches Zentrum
Beethovenstraße 15, Raum 1414
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-37397

Kurzprofil

Leonhard Herrmann arbeitet im Bereich der neueren deutschen Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt 19.-21. Jahrhundert. Seine besonderen Forschungsinteressen liegen in der Gegenwartsliteraturforschung sowie in der Literatur des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts. Systematische Forschungsinteressen betreffen das Verhältnis von Literatur und Erkenntnis, Kanontheorie sowie Literatur und Geschichtsschreibung. 2014-15 war er Gastwissenschaftler an der University of Chicago, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 2019-20 Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der University of California, Berkeley. Sein aktuelles Forschungsprojekt trägt den Titel Skeptischer Realismus. Erleben, Erkennen und Erzählen bei Stifter, Keller und Storm.

Warum lesen wir eigentlich immer noch ,literarische' Texte - Texte also, von denen wir annehmen, dass sie sich nicht unmittelbar auf jene Wirklichkeit beziehen, die wir aus unserer Erfahrung heraus als vorhanden annehmen? Wir lesen aus Zeitvertreib, aus dem Interesse am ,Schönen' oder als Flucht aus dem Alltag - aber sehr häufig auch aus einem intellektuellen Streben heraus. Doch welchen Erkenntnisgewinn verbinden wir mit dem Lesen vom Romanen, Gedichten und Dramen - und mit welchem Erkenntnisgewinn sind diese Texte im Laufe ihrer Geschichte verbunden gewesen? Was genau ist der Gegenstand einer ,literarischen Kommunikation', die eine Sprache verwendet, die der unseres Alltags nicht entspricht, und die uns von Ereignissen berichet, die so, wie sie berichtet werden, kaum stattgefunden haben?

Diese Fragen richte ich an literarische Texte der Gegenwart und des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts - einerseits mit dem Ziel einer historischen Epistemologie literarischen Schreibens in einer langen Moderne, andererseits mit dem Interesse einer systematischen Verortung einer spezfisch literarischen Kommunikation innerhalb eines Konzerts digitaler Medien. Meine Hypothese (und meine Hoffnung) ist, dass literarisches Schreiben mit anderen sozialen Formen interagiert, ohne aber die eigene Unterscheidbarkeit ganz aufzugeben.

  • Aspekte der Diktion in vergleichender Perspektive: Deutsch/Portugiesisch (BR)
    Reichmann, Tinka
    Laufzeit: 01.2019 - laufend
    Mittelgeber: DAAD Deutscher Akademischer Austauschdienst; Andere ausländische öffentliche Forschungsförderer
    Beteiligte Organisationseinheiten der UL: Neuere deutsche Literatur-Literaturtheorie
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  • Doing/Undoing Nation. Konflikte nach 1989/90 in gegenwärtigen europäischen Literaturen und Medien
    Herrmann, Leonhard
    Laufzeit: 09.2016 - 08.2020
    Beteiligte Organisationseinheiten der UL: Neuere deutsche Literatur (19. bis 21. Jahrhundert)
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  • Einführung in die Literatur der Gegenwart 1990-2015
    Herrmann, Leonhard
    Laufzeit: 01.2015 - 04.2016
    Beteiligte Organisationseinheiten der UL: Neuere deutsche Literatur (19. bis 21. Jahrhundert); Neuere deutsche Literatur-Literaturtheorie
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weitere Forschungsprojekte

  • Herrmann, L.
    2. „,… und sie wird die letzte nicht sein‘“. Fontanes realistisches Erzählen und Lessings bürgerli-ches Trauerspiel.
    In: Grüne, M.; Kittelmann, J. (Hrsg.)
    Theodor Fontane und das Erbe der Aufklärung. Berlin: de Gruyter. 2021. S. 105-122
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  • Herrmann, L.
    Framing the Presence: Judith Hermann's "Lettipark"
    In: Marven, L.; Plowman, A.; Roy, K. (Hrsg.)
    The Short Story in German in the Twenty-First Century. Rochester NY: Camden House. 2020. S. 137-155
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  • Herrmann, L.
    Wann ist Erzählen eigentlich zuverlässig? Mimetisch unzuverlässiges Erzählen als graduelles Phänomen und seine Funktion in Romanen der Gegenwart
    Zeitschrift für Germanistik. 2020. NF 31 (1). S. 19-35
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  • Herrmann, L.
    Beerholms Vorstellung und ihre Folgen. Daniel Kehlmanns Dialoge mit der Philosophie
    In: Lampart, F.; Navratil, M.; Iuditha, B.; Moser, N.; Anna-Marie , H. (Hrsg.)
    Daniel Kehlmann und die Gegenwartsliteratur Dialogische Poetik, Werkpolitik und Populäres Schreiben. Berlin: de Gruyter. 2020. S. 51-73
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  • von Ammon, F.; Herrmann, L. (Hrsg.)
    Gegenwartsliteraturforschung. Probleme, Positionen, Perspektiven
    Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbands. 2020. 67 (3)
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weitere Publikationen

Wesentliches Ziel meiner Lehre ist, dass sich Studierende selbstständig mit literarischen Texten auseinandersetzen können. Dazu erarbeiten sich die Teilnehmenden meiner Lehrveranstaltungen verschiedene wissenschaftliche Methoden. Diese versetzen sie in die Lage, die Ergebnisse ihrer eigenen Arbeit auch dann für andere nachvollziehbar zu machen, wenn deren Ergebnisse abweichen. Auf diese Weise kommt ein Diskurs in Gang, der die Eigenschaft literarischer Texte, fiktional, poetisch und polyvalent zu sein ernst nimmt und sie als Gegenstände begreift, die Pluralität als produktiv erlebbar werden lassen.

Inhaltlich stehen meine Lehrveranstaltungen in enger Verbindung zu meinen Forschungsinteressen, wobei ich unter gattungspoetischen, systematischen und historischen Aspekten literarische Texte unter gemeinsamen Fragestellungen zusammenführe, die die Vielfalt literarischen Schreibens in deutscher Sprache vor Augen führen.

  • Vorlesung: Einführung in die germanistische Literaturwissenschaft

    Die Vorlesung führt in das Studium der Neueren deutschen Literaturwissenschaft ein und erläutert die wichtigsten Begriffe, Theorien, Methoden und Arbeitsbereiche des Fachs

  • Einführung in die Literaturwissenschaft: Lyrik und Erzählliteratur der Romantik

    Anhand von Beispieltexten der Zeit um 1900 führt das Seminar in die wissenschaftliche

    Auseinandersetzung mit lyrischen und erzählenden Texten ein. Dabei werden zunächst Grundbegriffe und grundlegende Arbeitstechniken der Literaturwissenschaft vorgestellt; aufbauend darauf werden spezifische Formen erzählender und lyrischer Texte beschrieben.

  • Literatur- und/als Kommunikationstheorie

    Literaturtheorien greifen immer wieder auf Kommunikationsmodelle zurück, um Prozesse der literarischen Bedeutungs- und Sinnkonstitution zu beschreiben. Das Seminar setzt sich mit diesen Theorien vor dem Hintergrund des praktischen Umgangs mit literarischen Texten auseinander: Inwiefern kann es gelingen, anhand der Lektüre literarischer Texten Kommunikationsprozesse zu initiieren, zu moderieren und fruchtbar zu machen?

  • Realismustheorien

    Der Begriff Realismus beschreibt literarische Texte sowohl in systematischer als auch in historischer Hinsicht. In intensiver Lektüre literarischer Texte, historischer Bild- und Erzählpoetiken sowie historischer und gegenwärtiger Literatur- und Erzähltheorien möchte das Seminar einen Beitrag zur Differenzierung und Präzisierung dieser Kategorie im Verständnis der Teilnehmenden leisten.

  • Naturbeschreibungen im 19. Jahrhundert

    Erzähltexte des 19. Jahrhunderts bieten eine detailgenaue Beschreibung natürlicher Phänomene und Gegebenheiten. In exemplarischer Lektüre fragt das Seminar nach den poetischen Verfahren, die dabei zum Einsatz kommen, und den ideengeschichtlichen Kontexten der Epoche, die sich dabei artikulieren: In welches Verhältnis rücken literarische Texte des 19. Jahrhunderts Natur, Kultur und den Menschen?