PD Dr. Udo Grashoff

PD Dr. Udo Grashoff

Wiss. Mitarbeiter

Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts
Geisteswissenschaftliches Zentrum
Beethovenstraße 15, Raum H3 2.01
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-37111
Telefax: +49 341 97-37059

Kurzprofil

PD Dr. Udo Grashoff lehrt Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Von 2014 bis 2020 war er als DAAD-Fachlektor am University College London tätig. Wichtige Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der DDR und des „Dritten Reiches“.


Wichtigste Buchpublikationen:

- Gefahr von innen. Verrat in der illegalen KPD 1933-1945, Wallstein, Göttingen 2021 (im Druck)

- Comparative Approaches To Informal Housing Around The Globe, UCL Press London 2020 (hg.)

- Studenten im Aufbruch. Unabhängige studentische Interessenvertretung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 1987-1992, Halle 2019

- Schwarzwohnen. Die Unterwanderung der staatlichen Wohnraumlenkung der DDR, vr unipress, Göttingen 2011

- "In einem Anfall von Depression... " Selbsttötungen in der DDR, Christoph Links, Berlin 2006





Berufliche Laufbahn

  • 05/2008 - 08/2014
    wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Leipzig
  • 09/2014 - 08/2020
    DAAD-Fachlektor für Geschichte, School of Slavonic and East European Studies, University College London
  • seit 09/2020
    wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Leipzig

Ein Schwerpunkt meiner Forschung liegt auf der sozial- und alltagsgeschichtlichen Erforschung der nationalsozialistischen sowie der SED-Diktatur. Zugleich ist es mir ein wichtiges Anliegen, diese Forschung international anschlussfähig zu machen.

Mit meinen Forschungen zum Umgang mit Selbsttötungen, zu Abschiedsbriefen sowie zu den Ursachen der hohen Selbsttötungsrate der DDR bearbeite ich seit vielen Jahren ein wichtiges Tabuthema der westeuropäischen Moderne. Ebenfalls in den Bereich der modernen Kulturgeschichte fällt mein Forschungsschwerpunkt zu „Informal Housing“. Ausgehend von dem Phänomen des Schwarzwohnens in der DDR habe ich eine global vergleichende Perspektive auf das Thema entwickelt.

In zahlreichen Publikationen befasse ich mich mit der Geschichte von Ordnungsstrukturen in Gesellschaft und Politik. Hierbei lege ich den Schwerpunkt auf Opposition und Widerstand gegen ideokratische Herrschaftssysteme wie die NS-Diktatur und die SED-Diktatur. Wichtig ist mir, Geschichte so konkret wie möglich zu fassen, weshalb die Erfahrungen historischer Akteure oft eine zentrale Rolle spielen, so in meiner Habilitationsschrift, die Verrat im kommunistischen Widerstand gegen das NS-Regime untersucht. Neben der Herausarbeitung der Formen und Motive widerständigen Verhaltens interessieren mich die Grauzonen zwischen Loyalität und Widerstand, denen ich mich in Zukunft mit einem in Planung befindlichen Forschungsprojekt zum Thema „Kollaboration“ erneut widmen werde.

Lehre und Forschung sind in meinen Lehrveranstaltungen generell eng miteinander verbunden. Um Studierenden zu verdeutlichen, dass historische Darstellungen und Analysen Resultate menschlicher Tätigkeit sind, stelle ich permanent Bezüge zu aktuellen Forschungstrends sowie zu eigenen wissenschaftlichen Projekten her.

  • Seminar WS 2020/21: Alltags- und Sozialgeschichte der DDR in der Ära Honecker

    „Wenn man von der festen Position des Sozialismus ausgeht, kann es meines Erachtens auf dem Gebiet von Kunst und Literatur keine Tabus geben”, erklärte Erich Honecker 1971. Das Zitat kann, über seine unmittelbare kulturpolitische Bedeutung hinaus, als Chiffre für die paradoxe Realität der DDR zwischen emanzipatorischem Anspruch, bornierter Weltsicht und repressiver Politik gelesen werden. Das Seminar behandelt die Themen Gender, Religion, Kultur, Sozialpolitik und politische Repression.

  • Seminar WS 2020/21: Geschichte der deutschen Chemie im 19. Jahrhundert

    Um 1800 wird chemisches Wissen an theologischen Fakultäten gelehrt. Chemikalien werden in Apotheken hergestellt. Hundert Jahre später ist die Chemie eine eigenständige Disziplin an Universitäten. Die deutsche Farbstoffindustrie beherrscht 80 Prozent des Weltmarktes. Das Seminar behandelt die atemberaubende Entwicklung der akademischen und der industriellen Chemie im Kontext von Bildungspolitik und industrieller Revolution und fragt danach, wie sich beide Prozesse gegenseitig beeinflussten.