Kurzbeschreibung: Das Projekt KuBiNetze untersucht den Einfluss, die Biographien sowie die Beziehungen von Handelnden in der kulturellen Bildung.
Leitung: Prof. Dr. Andreas Lehmann (Hochschule für Musik Würzburg, Projektkoordinator), Prof. Dr. Jürgen Rauh (Julius-Maximilians-Universität Würzburg), Dr. Johannes Hasselhorn (TU Dortmund)
Fachrichtung: Musikpädagogik und Sozialgeographie
Laufzeit: Dezember 2019 – November 2022

Zu sehen ist eine Gruppe junger Menschen, die in eine Diskussion vertieft sind.
Eine qualtitative Forschungsmethode - das Interview, Foto: Colourbox

Soziale Beziehungen beeinflussen die Wahrnehmung kultureller Bildung

Teilhabe an Kultur findet immer in dynamischen Systemen sozialer Beziehungen statt: Menschen schaffen und nutzen gemeinsam kulturelle Angebote. Die Beziehungen zwischen den Akteuren beeinflussen deren Handlungen. So tragen die Beziehungen dazu bei, dass kulturelle Bildung gelingt. Die im Kindes- bis Erwachsenenalter erlebten kulturellen Erfahrungen führen zu individuellen Lernbiographien und Einstellungen gegenüber kulturellen Aktivitäten.

KuBiNetze untersucht Akteure der Kultur

In unserem Projekt verwenden wir einen weiten Kulturbegriff, weil wir dadurch niederschwellige, weniger formalisierte Angebote einbeziehen können. Dazu gehören beispielsweise eine Dialektarbeitsgruppe, Garagenbands und Ferienprogramme. Im Zentrum unserer Untersuchung stehen die kulturellen Agierenden, ihre Verbindungen und Handlungsweisen. Handelnde sind beispielsweise Kulturschaffende, Kulturvermittelnde und Teilnehmende. Die engen sozialen Kontakte, die typisch für ländliche Räume sind, erwarten wir auch im kulturellen Bereich.

Das Ziel: kulturelle Bildungsangebote verbessern

Zuerst fragen wir nach der Entstehung, Struktur und Bedeutung von Akteursbiographien und -netzwerken. Diese Frage beantworten wir mit Hilfe einer zweistufigen empirischen Untersuchung in unterschiedlichen Regionen und einer anschließenden Netzwerkanalyse. Die gefundenen Ergebnisse lassen wir durch die Akteure bestätigen. Darauf aufbauend leiten wir Empfehlungen ab, wie sich kulturelle Bildungsangebote initiieren und optimieren lassen.

Unsere nächsten Schritte

01/2020  – Zunächst einmal müssen die idealen Untersuchungsgebiete für die gesamte Projektlaufzeit gefunden werden. Zur Vorbereitung der Auswahl dieser Gebiete wird zu allen Gemeinden in Deutschland, die im Raumtyp „peripher“ und „sehr peripher“ liegen, ein Katalog an Erkennungszeichen aus z. B. den Bereichen Demographie, (formale) Bildung und kommunale Finanzen zusammengestellt. Über diese Merkmale werden die Gemeinden katalogisiert und Cluster gebildet, welche eine Einteilung der Gemeinden in zwei bis drei Klassen ermöglichen.

Kurz und Knapp

Alles auf einen Blick: Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu uns und unserem Projekt.

Unser Team setzt sich aus Mitarbeitenden aus den Bereichen Musikpädagogik und Sozialgeographie zusammen. Die Projektleitung haben Professor Dr. Andreas Lehmann, Professor Dr. Jürgen Rauh und Dr. Johannes Hasselhorn inne. Die wissenschaftlichen Mitarbeitenden Maximilian Graßl an der Hochschule für Musik Würzburg und Jacqueline Arndt an der Universität Würzburg unterstützen sie.

Die sozialen Beziehungen zwischen Kulturschaffenden, Kulturvermittelnden und Teilhabenden beeinflussen Handlungen und tragen damit zum Erfolg kultureller Bildung bei. Dies führt zu individuellen Lernerfahrungen und emotionsgeleiteten Einstellungen gegenüber kulturellen Aktivitäten. Im Zentrum stehen die kulturell Tätigen, ihre Verbindungen und Handlungsweisen. Gerade die engen sozialen Kontakte, die typisch für ländliche Räume sind und die auch im kulturellen Bereich wirksam werden, sollen untersucht werden. Wir erforschen vorrangig die Entstehung, Struktur und Bedeutung der Lebensläufe der Beteiligten einerseits und der Netzwerke kultureller Bildung in ländlichen Räumen andererseits. Zweitens leiten wir aus den ermittelten Ergebnissen, nach deren Überprüfung durch die Beteiligten, Empfehlungen für die Entwicklung und Verbesserung von kulturellen Bildungsangeboten ab.

Auf dem Bild sieht man einen jungen Mann, der seinen Projektentwicklungsprozess dokumentiert.
Foto: Colourbox

Wir führen eine zweistufige Befragung an voraussichtlich vier unterschiedlichen Orten in Deutschland durch. Nach ersten Interviews wird das Angebot kultureller Bildung untersucht. Hierzu sichten wir lokale Archive oder Dorfzeitungen. Anschließend werden Agierende ausgemacht, die teilweise strukturiert interviewt und mit Fragebögen beforscht werden. Wir beziehen die Handelnden vor Ort also bewusst mit ein. Für die Auswertung werden unterschiedliche Methoden angewendet. Dabei analysieren wir soziale Netzwerke und verwenden traditionelle Auswertungsmethoden statistischer Daten. Am Schluss legen wir den Befragten die Ergebnisse noch einmal vor und diskutieren diese mit ihnen. Den Abschluss sollen Handlungsempfehlungen für regional Agierende und Politik bilden.

Zu sehen sind fünf Erwachsene, welche an einem Tisch sitzen und sich unterhalten, Foto: colourbox.de
Foto: Colourbox
Zu sehen ist eine Person, welche mit weißer Farbe auf braunem Karton zeichnet, Foto: colourbox.de
Auch kleine, lose Malgruppen zählen zur informellen Kulturellen Bildung und werden untersucht, Foto: Colourbox

Im Projekt soll explizit ein weiterer Kulturbegriff verwendet werden. Dieser erlaubt auch die Erforschung greifbarer, informeller Angebote. Das Besondere an unserem Projekt ist also, dass wir nicht nur typische institutionalisierte kulturelle Angebote erfassen, sondern auch solche, die leicht zugänglich oder gar unorganisiert sind oder nur unregelmäßig stattfinden. Dazu gehören beispielsweise Dialektarbeitsgruppen, Garagenbands und Ferienprogramme. Dabei wollen wir die Bedeutung dieser kulturellen Bildungsangebote für die vor Ort lebende Bevölkerung in den Blick nehmen.