Kurzbeschreibung: Das Anliegen von OKaPi ist es, eine forschungsbasierte langfristige Teilhabe an ästhetisch-kultureller Bildung für junge Menschen im ländlichen Lebens- und Entwicklungsraum zu aktivieren.
Leitung: Prof. Dr. Ines Seumel, Universität Leipzig
Fachrichtung: Kunstpädagogik
Laufzeit: Dezember 2019 – November 2022

Zu sehen sind bunte Farben auf einer Landwand mit einem Pinsel, Foto: colourbox.de
Foto: Colourbox

Vorlage

Rahmenbedingungen des Forschungsprojektes

„Offene Kunst aktiviert Partizipation in ländlichen Räumen“ ist ein Forschungsprojekt der Universität Leipzig. Das dreijährige Forschungsvorhaben wird von der Abteilung Theorie und Didaktik der bildenden Kunst des Institutes für Kunstpädagogik geleitet, koordiniert und durchgeführt. Das Forschungsteam besteht aus der Projektleiterin Prof. Dr. Ines Seumel, zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Mandy Putz und Lisa-Marie Pfefferkorn sowie aus zwei wissenschaftlichen Hilfskräften. Die Forschung reagiert auf die besondere sozio-kulturelle Ausgangslage in ländlichen Lebensräumen und wird in den Regionen Nordsachsen und im Landkreis Leipzig durchgeführt.

Theoretischer Hintergrund des Forschungsvorhabens

Eine Praxis OFFENER KUNST basiert auf Umberto Ecos 1956 entwickelter Theorie des „Offenen Kunstwerkes“. Er beschrieb mit diesem Konzept eine tendenzielle Veränderung der Bildenden Kunst hin zur direkten Teilhabe vieler Personen am künstlerischen Geschehen. Prinzipien der OFFENEN KUNST prägen bis heute die vielgestaltigen Tendenzen der Gegenwartskunst.

Was meint OFFENE KUNST? Offene Gestaltungsprozesse bringen nicht in erster Linie ein fertiges und materiell festgeschriebenes Kunst-Werk hervor, das beispielsweise aus Farbe, Leinwand, Gips oder Ton besteht und ausgestellt werden kann. Vielmehr geht es um die (gemeinsame) Gestaltung von Handlungen, Situationen und vorgefundenen Bedingungen. Solche Gestaltungsprozesse sind zeitlich, räumlich, materiell und personell offen, denn sie entstehen erst durch freiwilliges Beteiligen, aktives Handeln, flexibles soziales Gruppieren und Interagieren. Somit können sich die oftmals symbolischen Gestaltungsakte auch auf reale Beziehungen, Situationen und Bedingungen innerhalb sozialer Gruppen auswirken. Derartige Gestaltungsprozesse werden vor allem mit visuellen Mittel wie Karten, Skizzen und Fotos über einen längeren Zeitraum dokumentiert. Das Forschungsprojekt OKaPi wird - seinem Projekttitel verpflichtet - Kinder und Jugendliche direkt in solche Veränderungsprozesse einbeziehen: Offene Kunst aktiviert Partizipation in ländlichen Räumen. Partizipation oder auch Teilhabe meint nicht für, sondern mit Kindern und Jugendlichen Gestaltungsprozesse zu entwickeln. Sie bekommen dadurch die Gelegenheit, auf künstlerisch-forschende und gestaltende Weise auf ihr regionales, speziell ländliches Umfeld – und somit auf ihren eigenen Lebens- und Entwicklungsraum – aktiv-kreativ einzuwirken.

Kurz und Knapp

Alles auf einen Blick: Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu uns und unserem Projekt.

„Offene Kunst aktiviert Partizipation in ländlichen Räumen“ ist ein Forschungsprojekt der Universität Leipzig. Das dreijährige Forschungsvorhaben wird von der Abteilung Theorie und Didaktik der bildenden Kunst des Institutes für Kunstpädagogik geleitet, koordiniert und durchgeführt. Das Forschungsteam besteht aus der Projektleiterin Prof. Dr. Ines Seumel, zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Mandy Putz und Lisa-Marie Pfefferkorn sowie aus zwei wissenschaftlichen Hilfskräften.

Das Forschungsteam untersucht die Bedingungen, Verläufe, Erfolge und Herausforderungen gestalterischer Prozesse mit offenem Kunstcharakter in ländlichen Räumen. Betrachtet werden dabei künstlerische Formate, die sich durch aktive Beteiligung vor allem junger Menschen aus der jeweiligen Region auszeichnen. Von besonderem Interesse sind Fragen nach Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen: Unter welchen konkreten Voraussetzungen der ländlichen Lebensräume können sich nachhaltig erfolgreiche Gestaltungsprozesse entwickeln, die junge Menschen an ästhetisch-kultureller Bildung teilhaben lassen? Welche Ursachen führen zur Begrenzung oder gar Verhinderung offener künstlerischer Strategien, die zu Teilnahme auffordern und Teilhabe bewirken? Wie kann sich die Beteiligung an offenen künstlerischen Praktiken auch perspektivisch auf individuelle und gemeinschaftliche Denk- und Handlungsprozesse und Gestaltungsabsichten der regional ansässigen Jugendlichen auswirken? Um all diese Fragestellungen begrifflich so abzubilden, dass ein prozesshafter Charakter deutlich wird, ist die innovative Bezeichnung OFFENE KUNST-Praxis eingeführt worden.

Zu sehen sind zwei Kinder, die mit Ölfarben malen.
Foto: Colourbox

In den Regionen Nordsachsen und Landkreis Leipzig wird durch breite Internetrecherche eine Bestandsaufnahme kultureller (Bildungs-) Initiativen erstellt. Dabei sind bereits bestehende Formen der OFFENEN KUNST-Praxis im künstlerisch-kulturellen Bildungsbereich von besonderem Interesse. Die Erkenntnisse der Internet-Recherche werde in einem Mapping visuell sichtbar gemacht und durch Telefoninterviews vertieft, um eine regionale und inhaltliche Eingrenzung des Forschungsfeldes vornehmen zu können. Vor Ort werden Bedingungen, (Aus-)Wirkungen, Methoden und Inhalte von Kunstangeboten mit künstlerisch-teilhabendem Charakter erforscht. Dies geschieht durch Methoden der teilnehmenden Beobachtung, des Experteninterviews oder der schriftlichen Befragung sowie der Dokumentenanalyse. Die dabei erfassten Daten sind auszuwerten und nach ihrem jeweiligen Entwicklungspotenzial für eine nachhaltige und längerfristige OFFENE KUNST-Praxis zu hinterfragen. Auf dieser Grundlage sind Kooperationen mit ausgewählten Akteuren der Kunst- und Kreativszene in den ländlichen Räumen geplant. In Form eines Forschungsexperimentes werden gezielt Möglichkeiten OFFENER KUNST-Praxis gemeinsam entwickelt, initiiert und während ihrer Laufzeit forschend begleitet.

Zu sehen ist ein junger Mann mit Bart, der an einem Tisch sitzt und mit Wasserfarben auf Papier malt.
Foto: Colourbox

Kunstpädagogik beschäftigt sich theoretisch und praktisch mit sichtbarer Kunst, mit Bildern aller Art und mit der Fragestellung, wie Bilder zu gestalten sind und wie man ihnen begegnen kann. Dieses kunstpädagogische Prinzip des Sichtbarmachens soll im Forschungsprojekt OKaPi umgesetzt werden. Das Kartieren und das Mappen sind einerseits als naturwissenschaftliche Verfahren bekannt, andererseits werden sie auch als eine bildkünstlerisch-kreative Strategie angewendet, um nicht-lineare, vernetzte und prozesshafte Zusammenhänge abzubilden. Das Forschungsteam wird vor der Herausforderung stehen, ein solches (digitales) Kartensystem zu entwickeln: Es soll einerseits als wissenschaftliches Instrument zur Darstellung von Daten funktionieren, andererseits stellt es die erforschten kunst- und kulturpädagogischen Situationen und Prozesse in ihrer Vielfalt und Komplexität dar. Perspektivisch dienen die bildhaften und flexibel veränderlichen Übersichten der weiteren Erforschung verschiedener Faktoren OFFENER KUNST-Praxis. Auch nach Beendigung des Forschungsprojektes sollen sie weiter aktiv nutzbar sein und als transparente Kommunikationskanäle zwischen Einrichtungen mit kulturell-künstlerischen Bildungsangeboten und nicht-institutionellen Akteuren OFFENE KUNST-Praxis ermöglichen und unterstützen.

Die Erkenntnisse des Forschungsprojektes werden zu gegebener Zeit in Handreichungen veranschaulicht und veröffentlicht. Dabei ist die Weitergabe von künstlerisch-praktischen Impulsen in bildhafter Form als unterstützender und aktivierender Input für Akteure der Kunst- und Kreativszene in ländlichen Regionen angedacht.