Kurzbeschreibung: Das Verbundprojekt ThOff erforscht amateurbasierte und professionelle Theaterangebote in Südniedersachsen als Basis für Strategien des Audience Development in peripheren Räumen.
Leitung: Prof. Dr. Kilian Bizer (Georg-August-Universität Göttingen) und Prof. Dr. Birgit Mandel (Universität Hildesheim)
Fachrichtung: Wirtschaftspolitik und Kulturpolitik/Kulturvermittlung
Laufzeit: Januar 2020 – Dezember 2022

Zu sehen ist eine Grafik mit klassischen Theatermasken, Foto: colourbox.de
Foto: Colourbox

Theater im ländlichen Raum

Professionelle, öffentlich geförderte und privatwirtschaftliche Theater befinden sich vor allem in Städten. Die Bevölkerung ländlicher Räume hat dagegen weniger Zugang zu diesen Angeboten. Zugleich scheint das Interesse am Theater in der ländlichen Bevölkerung vorhanden zu sein, denn allein in Niedersachsen lassen sich rund 1.000 Amateurtheater finden. Diese leisten dort vielfältige Beiträge zur kulturellen Bildung.

Das Projekt ThOff

ThOff identifiziert und analysiert Interessen und Motivationen der Nachfrage von amateurbasierten und professionellen Theaterangeboten in Südniedersachsen. Darüber hinaus untersucht es, welche Strategien genutzt werden und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um Publikum zu generieren und zu binden. Eine zentrale Frage ist, ob und wie aus Kooperationen neue Ansätze zur Publikumsgewinnung und -bindung entwickelt werden können.

Methoden

Das Forschungsvorhaben kombiniert qualitative und quantitative Methoden aus der Wirtschafts- und Kulturpolitik sowie der Kulturvermittlung. Ein wesentliches Forschungsmerkmal besteht darin, lokale Akteure einzubinden.

Neben qualitativen und quantitativen Besucherbefragungen werden Expertiseinterviews und Netzwerkanalysen eingesetzt.

Fragestellungen

Das Projekt fragt danach, mit welchen Ansätzen es den Amateurbühnen gelingt, Interesse und Akzeptanz in der ländlichen Bevölkerung zu schaffen und auf welche Weise es zu kulturellen Bildungsprozessen beiträgt. Auf welche Weise versuchen die professionellen Theater das Publikum ländlicher Räume zu erreichen? Wie werden diese Angebote vom Publikum wahrgenommen und wie mobil ist die ländliche Bevölkerung hinsichtlich des städtischen Theaterangebots? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich im Hinblick auf sozioökonomische Faktoren und Motivationen des Publikums der professionellen Theater einerseits und der amateurbasierten Theater andererseits identifizieren? Inwiefern können Erkenntnisse zur Arbeitsweise der amateurbasierten Theater auch die Arbeit der professionellen Bühnen bereichern? Und welche Ansätze der Kooperation lassen sich daraus entwickeln?

ThOff ist ein Verbundprojekt und besteht aus zwei Teilprojekten in Göttingen und Hildesheim.

Unsere nächsten Schritte

04/2020  – Zunächst beginnen wir mit der Erstellung eines Arbeitspapiers zum theoretischen Ansatz und zu den Hypothesen für die empirische Phase. Außerdem werden wir eine Sekundäranalyse bestehender Bevölkerungsbefragungen und Besucherstudien in Südniedersachsen durchführen. Wir recherchieren die Amateur- und professionellen Theater in Südniedersachsen und identifizieren geeignete Partner.

Kurz und Knapp

Alles auf einen Blick: Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu uns und unserem Projekt

Unser Team besteht aus Professor Dr. Kilian Bizer und Dario Gödecke vom volkswirtschaftlichen Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung der Georg-August-Universität Göttingen sowie Professorin Dr. Birgit Mandel und Ann-Kathrin Schmidt vom Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Als Experte der Bildungswissenschaften wird das Projekt durch Privatdozent Dr. Leopold Klepacki vom Institut für Pädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg begleitet.

Wir entwickeln Strategien zur Publikumsgewinnung und -bindung, um kulturelle Bildung durch Amateur- und Profitheater in der ländlichen Region Südniedersachsen zu stärken.

Dafür erforschen wir:

  • Bedürfnisse, Interessen und Barrieren der Bevölkerung ländlicher Räume in Hinblick auf Theater
  • Ziele, Potenziale und Herausforderungen von Profi- und Amateurtheatern in ländlichen Räumen
  • Faktoren der Übertragbarkeit von Strategien der Amateurbühnen auf die professionellen Theater
  • Bedingungen für erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Profi- und Amateurtheatern, um kulturelle Bildung in ländlichen Räumen zu ermöglichen
Das Bild zeigt eine Frau, die Regieanweisungen bei einer Theaterprobe gibt. Im Hintergrund sieht man Schauspieler, die einen Schwertkampf proben.
Foto: Colourbox

Um Theaterangebote in ländlichen Räumen zu identifizieren und Ziele, Potenziale und Herausforderungen von Beteiligten zu erforschen, führen wir qualitative Interviews mit Fachkundigen ausgewählter Amateur- und Profitheater durch. Quantitative Besucherbefragungen werden Ergebnisse über kulturelle Mobilität, Motivation, sozioökonomische Merkmale und Art der Nutzenden aufdecken. Qualitative Befragungen von Gästen und Nichtbesuchenden von Amateur- und professionellen Theatern sollen vertiefte Einblicke in Barrieren der Nutzung kultureller Angebote, in Images von Theatern und in Kenntnisse über sonstige kulturelle Interessen der Bevölkerung in ländlichen Räumen ermöglichen. Eine Netzwerkanalyse untersucht die Rolle der Beziehungen und Verflechtungen von Akteuren als eine Grundlage für gelingende Kooperationen.

zu sehen ist eine Hand, welche mit einem Stift einen Fragebogen ausfüllt.
Foto: Colourbox

Unser Projekt erforscht erstmalig umfassend, ob und wie sich Strategien zur Publikumsgewinnung und -bindung im Hinblick auf kulturelle Bildung für ländliche Räume anwenden lassen. Wir ermitteln zudem, ob und wie sich die Erfahrungen der Amateurbühnen auf professionelle Theater anwenden lassen. Wir untersuchen das Potenzial von Partnerschaften zwischen Amateur- und Profitheatern in abgelegenen ländlichen Räumen. Neuartig ist zudem die interdisziplinäre Zusammensetzung des Teams aus Kulturpolitik und -vermittlung, Kulturökonomie und Bildungswissenschaft.