Kurzbeschreibung: Das Projekt TraVI erforscht lokale Kultur vor dem Hintergrund ihrer generationenübergreifenden Weitergabe und ortseigenen Identitäten in sehr peripheren Räumen.
Leitung: Prof. Dr. Marc Redepenning, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Fachrichtung: Geographie, Erziehungswissenschaften, Europäische Ethnologie
Laufzeit: Dezember 2019 – Dezember 2022

Man sieht drei Personen aus verschiedenen Generationen in einer Tischlerwerkstatt. Ein älterer Herr bringt einer jungen Frau und einem jungen Mann bei, mit einer Holzverarbeitungsmaschine zu arbeiten.
Foto: Colourbox

Kultur und kulturelle Bildung im ländlichen Oberfranken

Der demographische Wandel führt zu Veränderungen in ländlichen Regionen. Dabei wird oftmals von Defiziten und einer Kulturarmut ausgegangen. Durch „Schrumpfung“ und „Alterung“ würden immer weniger kulturelle Angebote stattfinden. Doch stimmt das überhaupt? Lokaltraditionen und handwerkliches Erbe sind als Formen kultureller Bildung für die lokale Kultur von großem und nicht zu unterschätzendem Wert. Das Projekt TraVI untersucht mit zwei spezifischen Teilprojekten genau diese Facetten lokaler Kultur in ihrer Wirkung auf die ortseigene Identität und die intergenerationelle Tradierung in zwei ländlichen Gemeinden in Oberfranken.

Kultur und lokale Identifikation

Das Projekt gliedert sich in zwei Schritte:

  1. Zunächst erfasst TraVI die Strukturen von kultureller Bildung vor Ort. Auch deren Entstehungen wird nachvollzogen.
  2. Daraufhin nutzt das Projekt die Erkenntnisse, um die lokalen Werte, Wissensbestände und Praktiken zu stärken. Die Wirkung von sowohl generationenübergreifendem Austausch wie auch lokalen Besonderheiten auf kulturelle Bildung ist ein zentraler Untersuchungspunkt.

Kurz und Knapp

Alles auf einen Blick: Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu uns und unserem Projekt.

Unser Team besteht aus sechs Personen, die sich auf zwei Teilprojekte aufteilen. Beide Teilprojekte sind an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg angesiedelt. Das erste gehört zum Fachbereich Kulturgeographie beziehungsweise Europäische Ethnologie und das zweite zu den Erziehungs- und Bildungswissenschaften (Allgemeine Pädagogik beziehungsweise Erwachsenenbildung und Weiterbildung). Die Projektleitung hat Professor Dr. Marc Redepenning inne.

Unser Projekt möchte eine Vielzahl an Fragen beantworten: Welche Formen und Inhalte kultureller Bildungs- und Weitergabepraxen prägen die ländlichen Kommunen? Inwiefern wird durch diese Praxen die lokale Identität ausgedrückt beziehungsweise entwickelt? Welche Rolle spielen dabei verschiedene lokale Gruppierungen und lokale räumliche Besonderheiten? Welcher Wert kommt generationenübergreifenden Kontakten und Treffpunkten zu? Wir erhoffen uns, mehr über die oft „vergessenen“ oder „stillen“ Potenziale von abgelegenen ländlichen Orten zu erfahren, die das informelle Bilden und Ausleben von Kultur ermöglichen.

Man sieht einen älteren Herren, der gemeinsam mit einem jungen Mädchen in einer Töpferwerkstatt arbeitet.
Foto: Colourbox

Die Forschung wird hauptsächlich mithilfe von qualitativen Methoden durchgeführt, allerdings kommen im ersten Schritt auch vorbereitende quantitative Untersuchungen zum Einsatz. Dazu erstellen wir zunächst Profile (einfache Sozialraumanalysen) der beiden Gemeinden. Dabei werden Auffälligkeiten sichtbar, die wir dann gemeinsam mit der übergreifenden Fragestellung untersuchen und zur Strukturierung des qualitativen Samples nutzen können. Die durch Interviews und Gruppendiskussionen generierten qualitativen Daten werden inhaltsanalytisch und mithilfe rekonstruktiver Auswertungsverfahren ausgewertet. Die empirischen Ergebnisse sollen in Konferenzen mit den Gemeindemitgliedern vor Ort besprochen werden, um aus ihnen Anhaltspunkte für zukünftige Entwicklungen zu gewinnen.

Zu sehen ist eine Gruppe junger Menschen, die in eine Diskussion vertieft sind.
Foto: Colourbox.de

Eine Besonderheit dieses Projekts ist die fachliche Vielfalt. So beinhaltet das Projekt eine bildungswissenschaftliche sowie eine kulturgeographische und ethnologische Perspektive. Dieses Zusammenspiel ermöglicht eine kreative Verknüpfung verschiedenster theoretischer Bausteine und soll aus verschiedenen Perspektiven Einblicke in die Vielschichtigkeit und Vielfalt ländlicher Orte geben. In diesem Projekt treffen also die Theorie und traditionelle Überlieferung der kulturellen Bildung auf eine Betrachtung räumlicher Besonderheiten des Ländlichen. Hier spielen auch die aus diesen Besonderheiten resultierenden ortsbezogenen Identitäten und Entwicklungspotenziale eine Rolle. Dementsprechend konzentriert sich das Projekt nicht nur auf die Wissenschaft, sondern schafft konkrete Entwicklungsmöglichkeiten für periphere ländliche Gemeinden.