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Pressemitteilung 147/2011 vom 26.05.2011

Bereich: Statements, Uni allgemein
Sachgebiet: Geschichte, Kunst / Kultur / Kulturwissenschaften

Klage der Universität Leipzig in Verfahren um Steindorff-Sammlung abgewiesen

 

Im Verfahren um die Rückgabe der Steindorff-Sammlung des Ägyptischen Museums hat das Verwaltungsgericht Berlin am heutigen Donnerstag eine Klage der Universität Leipzig abgewiesen.


Die Alma mater müsste nach diesem Urteil nun die etwa 150 Objekte aus der einstigen Privatsammlung des Ägyptologen Georg Steindorff (1861-1951) an die Jewish Claim Conference (JCC) übergeben, deren Restitutionsantrag 2009 vom Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen positiv beschieden wurde. Dagegen hatte die Universität Leipzig geklagt.

Trotz dieses Urteils ist über die Zukunft der Steindorff-Sammlung noch nicht endgültig entschieden. Die Universität Leipzig behält sich weitere Schritte gegen diese Entscheidung vor, da die Gefahr besteht, dass diese für die Studierenden so wichtige Lehrsammlung zerschlagen wird. Zuvor hatte der aus den USA angereiste Enkel Steindorffs, Thomas Hemer, als Zeuge vor Gericht ausgesagt, dass sein Großvater die Sammlung 1936 der Universität Leipzig zum Verkauf angeboten hatte, weil er Geld für den Kauf einer Firma für seinen Schwiegersohn brauchte. "In seiner Anschauung hat er die Sammlung an die Universität verschenkt", sagte der 88-jährige Hemer.

Prof. Dr. Georg Steindorff war ab 1904 Inhaber des Ägyptologischen Lehrstuhls an der Universität Leipzig. Zwischen 1903 und 1931 unternahm er eigenverantwortlich und im Auftrag der Universität Leipzig Grabungen in Ägypten. Dabei erwarb er darüber hinaus aus privaten Mitteln antike Objekte, um damit die Sammlung der Leipziger Universität für seine Lehrtätigkeit zu ergänzen. Die meisten seiner Objekte wurden von Anfang an in die öffentliche Sammlung integriert.

Georg Steindorff erreichte 1930 sein Emeritierungsalter, blieb aber weiterhin im Amt und wurde nochmals im Mai 1933 von der Universität gebeten, nicht in den Ruhestand zu gehen, da die Nachfolge noch nicht geklärt war. Nach seiner offiziellen Emeritierung wurde ihm 1934 wegen seiner jüdischen Herkunft jede weitere Vorlesungstätigkeit untersagt und ein Nachfolger, Prof. Walther Wolf, berufen. In einem Schreiben vom 05.08.1936 bot Steindorff seine "Sammlung ägyptischer Altertümer, die zum Teil im ägyptischen Museum der Universität als Leihgabe ausgestellt sind, zum Teil sich in meiner Wohnung befinden, dem ägyptischen Museum zum Kauf an".

Er bezifferte den von ihm gewünschten Kaufpreis mit dem von ihm ursprünglich verauslagten Ankaufspreis von 8.000,00 Reichsmark (RM), wobei er selbst von einem aktuellen Verkehrswert in Höhe von 10.260,00 RM ausging. Ihm lag zu diesem Zeitpunkt ein Alternativangebot des Kestner Museums Hannover vor, dass er aber nicht mehr weiter verfolgen wollte, als sich das Leipziger Interesse konkretisierte.

Die Vertreter der Universität Leipzig hatten vor Gericht argumentiert, dass es das Geschäft auch ohne den Nationalsozialismus gegeben hätte und Steindorff seine Sammlung nicht unter Zwang verkauft habe, wie dies von der JCC eingeschätzt wird. Der Vorsitzende Richter am Berliner Verwaltungsgerichts, Matthias Schubert, sagte dagegen in der Urteilsbegründung, dass es keinen Beleg für die Zahlung eines angemessenen Kaufpreises gebe und die Vermutung einer verfolgungsbedingten Übereignung der Sammlung von der Universität nicht widerlegt worden sei. Der Kustos des Ägyptischen Museums, Dr. Dietrich Raue, sagte nach der Urteilsverkündung: "Ich bin sehr enttäuscht. Das Gericht hat nicht anerkannt, dass wir ein Szenario rekonstruiert haben, bei dem verfolgungsbedingter Zwang keine Rolle spielte."


A C H T U N G - kurzfristiger Pressetermin!

Der Kustos des Ägyptischen Museums, Dr. Dietrich Raue, steht Ihnen am (morgigen) Freitag, 27.5.2011, um 11:00 Uhr im Rahmen eines Pressegesprächs für Fragen zur Verfügung.

Wir laden Sie dazu herzlich in die Räume des Ägyptischen Museums, Goethestraße 2, 04109 Leipzig ein.

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letzte Änderung: 21.11.2018 

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Ägyptisches Museum / Ägyptologisches Institut - Georg Steindorff -
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