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Pressemitteilung 007/2018 vom 08.01.2018

Bereich: Forschung, Publikationen, Statements
Sachgebiet: Geowissenschaften, Geschichte

Neue geoarchäologische Studie belegt: Karlsgraben blieb unvollendet

 

Mitarbeiter und Geographiestudenten der Universität Leipzig bei der Durchführung der geoarchäologischen Rammkernsondierungen am Karlsgraben<br />Foto: André Kirchner/Arbeitsgruppe Physische Geographie, Universität Leipzig
Mitarbeiter und Geographiestudenten der Universität Leipzig bei der Durchführung der geoarchäologischen Rammkernsondierungen am Karlsgraben
Foto: André Kirchner/Arbeitsgruppe Physische Geographie, Universität Leipzig

Vor über 1.000 Jahren wollte Kaiser Karl der Große einen durchgehenden Schifffahrtsweg vom Rhein zur Donau schaffen. 792/793 n. Chr. wurde das Verkehrsprojekt, das als eines der bedeutsamsten des Frühmittelalters in Zentraleuropa gilt, in Angriff genommen. Der sogenannte Karlsgraben liegt am Fuß der Südlichen Frankenalb in Mittelfranken. Das ambitionierte Projekt ist in seinen Dimensionen mit modernen Großprojekten wie dem Panama-Kanal oder dem Berliner Flughafen vergleichbar. Und wie bei diesen Projekten gab es auch damals Verzögerungen und technische Probleme. Aktuelle Forschungen eines Teams aus Leipzig, Hildesheim, Jena, Kiel, Berlin und München belegen nun, dass das Vorhaben Karls des Großen gescheitert ist und verschiedene Teile des Kanals nicht vollendet wurden.


Seit Jahrzehnten wurde die Frage kontrovers diskutiert, ob der südliche Anschluss des Karlsgrabens an die Altmühl und damit an das Donaueinzugsgebiet fertiggestellt war. Nur mit diesem Anschluss wäre eine Befahrung des Kanals möglich gewesen. Durch modernste geophysikalische, archäologische und physisch-geographische Untersuchungen ist es dem Forscherteam gelungen, mit neuen Erkenntnissen diese und weitere Fragen zu beantworten. Die im renommierten Fachmagazin "Quaternary International" publizierten Forschungen belegen, dass sich der Flussverlauf der Altmühl seit der Karolingerzeit nur geringfügig verändert hat. Auf einer Strecke von mindestens 700 Metern zwischen den nachweisbaren Resten des Kanals im Ort Graben und der Altmühl gibt es jedoch keinerlei Spuren eines schiffbaren Kanals. Das Autorenteam um Prof. Dr. André Kirchner (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Christoph Zielhofer (Universität Leipzig) und Dr. Lukas Werther (Friedrich-Schiller-Universität Jena) kommt daher zu dem Ergebnis, dass der Bau in diesem Bereich unvollendet blieb.

Nichtsdestotrotz ist der Karlsgraben eine der bemerkenswertesten Ingenieursleistungen des Frühmittelalters. Die seit 2012 laufenden Forschungen im Rahmen eines Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) haben gezeigt, dass Teile des Bauwerks weitgehend fertiggestellt und vermutlich funktionsfähig waren. Andere Abschnitte, wie der Kanalanschluss an die Altmühl, wurden dagegen nicht zu Ende gebaut, sodass der Kanal nie als Ganzes befahrbar war. Erst mehr als 1.000 Jahre später gelang es im 19. Jahrhundert mit dem Ludwig-Donau-Main-Kanal, die Idee Karls des Großen erfolgreich zu Ende zu bringen.

Die Forschungen am Karlsgraben werden auch 2018 fortgesetzt, um noch offene Fragen an das außergewöhnliche Bauwerk zu beantworten.

Fachveröffentlichung:
A multidisciplinary approach in wetland geoarchaeology: Survey of the missing southern canal connection of the Fossa Carolina (SW Germany), in Quaternary International
doi: 10.1016/j.quaint.2017.12.021

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Neue geoarchäologische Studie belegt: Karlsgraben blieb unvollendet

letzte Änderung: 18.07.2018 

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