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Nachricht 276/2017 vom 03.11.2017

Bereich: Forschung
Sachgebiet: Medizin / Gesundheitswissenschaften

Gemeinsame Forschung für die Gesundheit von Kindern

UFZ, Universität Leipzig und Universitätsklinikum Leipzig haben ein Memorandum of Understanding für ein "Kompetenzzentrum für Kinder-Umwelt-Gesundheit" unterzeichnet

 

v.l.n.r.: Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig (Vorstand UKL), Prof. Dr. Michael Schaefer (Med. Fakultät), Prof. Dr. Wieland Kiess (UKL/ Leiter LIFE Child), Dr. Eva Maria Stange (Wissenschaftsministerin Sachsen), Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking, Prof. Dr. Georg Teutsch (Wiss. Geschäftsführer UFZ), Prof. Dr. Martin von Bergen (UFZ)
v.l.n.r.: Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig (Vorstand UKL), Prof. Dr. Michael Schaefer (Med. Fakultät), Prof. Dr. Wieland Kiess (UKL/ Leiter LIFE Child), Dr. Eva Maria Stange (Wissenschaftsministerin Sachsen), Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking, Prof. Dr. Georg Teutsch (Wiss. Geschäftsführer UFZ), Prof. Dr. Martin von Bergen (UFZ)

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Leipzig mit seiner Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin beabsichtigen, in gemeinsamer Verantwortung ein "Kompetenzzentrum für Kinder-Umwelt-Gesundheit" zu gründen. Am 2. November 2017 haben deshalb Vertreterinnen und Vertreter der drei Institutionen im Beisein der Sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva-Maria Stange ein Memorandum of Understanding unterzeichnet.


Die Errungenschaften unserer Zivilisation in punkto Hygiene, Krankheitsprävention und -therapie sowie eine gesicherte Nahrungsversorgung haben in der westlichen Welt dazu geführt, dass viele Krankheiten deutlich seltener auftreten und vor allem seltener zum Tode führen. Gleichzeitig beschäftigen uns seit einigen Jahren zunehmend Krankheitsbilder, die man in dieser Dimension noch vor wenigen Jahrzenten nicht kannte. Übergewicht, Diabetes, Allergien, aber auch neuropsychiatrische Störungen wie Demenz und Depression - Zivilisationskrankheiten wie diese sind massiv auf dem Vormarsch - auch bei Kindern und Jugendlichen. Sie beeinträchtigen nicht nur Lebensqualität und Lebenserwartung, sondern verursachen auch hohe volkswirtschaftliche Kosten.

Als entscheidende Ursachen gelten etwa Stress, mangelnde Bewegung, Umweltverschmutzung oder Fehlernährung. Doch was sind die entscheidenden Auslöser für den Ausbruch dieser Krankheiten? Welches sind die relevanten Prozesse im menschlichen Körper? Welche Zeitfenster in der Entwicklung eines Menschen sind besonders sensibel im Hinblick auf die Ausprägung einer Krankheit?

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Leipzig und des UFZ sind sich einig - mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Grundlagen vieler Zivilisationserkrankungen in der Kindheit gelegt. Deshalb beabsichtigen sie, ihre Forschungsaktivitäten im Bereich der Kindergesundheit zu bündeln, zu intensivieren und in einer gemeinsamen Struktur zu verankern.

Die Unterzeichnenden des Memorandum of Understanding erklären ihre Absicht, in gemeinsamer Verantwortung ein "Kompetenzzentrum für Kinder-Umwelt-Gesundheit" zu gründen. Ziel des Kompetenzzentrums ist die interdisziplinäre Bündelung von Expertisen und damit die Unterstützung und Vernetzung der exzellenten Forschungstätigkeiten in und zwischen den beteiligten Institutionen sowie fachlich einschlägigen weiteren außeruniversitären und klinischen Einrichtungen im Raum Leipzig. Angestrebt wird damit auch die Beteiligung an einem möglichen von der Helmholtz-Gemeinschaft getragenen Nationalen Kindergesundheitsforschungszentrum. Der Zusammenschluss soll den Namen "Kompetenzzentrum für Kinder-Umwelt-Gesundheit" tragen und zunächst für drei Jahre von den Partnern betrieben und finanziert werden. Dazu gehört auch die Etablierung einer gemeinsamen W3-Professur für umweltbedingte Erkrankungen bei Kindern ("Pädiatrische Epidemiologie").

"Mit der Unterzeichnung des "Memorandum of Understanding" rückt die effektive Bündelung der herausragenden Expertise der Wissenschaftler und Mediziner der Universitätsmedizin Leipzig und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in greifbare Nähe", betont Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva Maria Stange. "Damit wird auch die Forschungsarbeit der Universitätsmedizin Leipzig, die gerade vom Wissenschaftsrat eine ausgezeichnete Beurteilung erhalten hat, weiter gestärkt. Eine intensive Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachgebiete ist dringend geboten, um die komplexen Einflussfaktoren auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern erforschen zu können. Wir nehmen anhand der Zunahme bestimmter Erkrankungen bei Kindern wie Adipositas, Allergien und Verhaltensänderungen wahr, wie sich Umwelt, soziale Faktoren und Lebensgewohnheiten negativ auf die Kindergesundheit auswirken können. Das ist kein spezifisch sächsisches Problem. Die künftige Zusammenarbeit zwischen der Leipziger Universitätsmedizin und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ist Teil einer bundesweiten Strategie der Kindergesundheitsforschung", so Stange weiter.

"Durch unsere langjährige Erfahrung im Bereich der pädiatrisch-klinischen Forschung und der Expertise der schon etablierten Kinderkohorte der LIFE-Child-Studie haben wir in Leipzig einen umfangreichen wissenschaftlichen Fundus erworben. Dieser Fundus ist ein einzigartiger Schatz, der für die Forschung der Kindergesundheit und damit für die Zukunft unserer Gesellschaft gehoben werden kann. Vor dem Hintergrund der aktuellen dramatischen Entwicklung der Lebensstilerkrankungen ist es auch an der Zeit, diesen wertvollen Schatz gemeinsam zu heben. Ich werbe daher für ein bundesweites Netzwerk von Instituten für Kindergesundheitsforschung und daran geknüpft den Aufbau von Kinderkohorten", so Prof. Dr. Wieland Kiess, Leiter von LIFE Child und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Leipzig.

"Die Kindermedizin ist seit 125 Jahren ein fester und wichtiger Bestandteil der universitären Medizin in Leipzig mit einer konstant großen Bedeutung für die Versorgung der Stadt und der weiteren Region", ergänzt Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des UKL. "Mit der Prävention und ggf. frühen Behandlung im Kindesalter legen wir den Grundstein für die gesundheitliche Entwicklung im späteren Leben. Daher ist eine frühe Weichenstellung zur Verhinderung von Zivilisationserkrankungen, wie sie im neuen Zentrum erfolgen soll, für uns als Universitätsklinikum ein zentrales Anliegen. Jeder Euro, der in diesem Bereich investiert wird, ist für die Gesundheit der Gesellschaft und damit auch für die Vermeidung späterer volkswirtschaftlicher Kosten um ein Vielfaches wirksamer als Investitionen in die zweifellos notwendige Forschung an den konkreten Entstehungsmechanismen und der Behandlung der bereits aufgetretenen Erkrankungen im Erwachsenenalter."

Prof. Dr. Georg Teutsch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des UFZ erklärt: "Das UFZ hat in den letzten Jahren eine große Kompetenz in der Erforschung der Ursachen umweltbedingter Erkrankungen aufgebaut. Unsere Forschung reicht von der individuellen komplexen Exposition gegenüber Umweltbelastungen, deren Einfluss auf molekulare Signalwege bis hin zu den Effekten im Gesamtorganismus.
So bringen wir nicht nur eine exzellente chemische und biochemische Analytik in die angestrebte Partnerschaft ein, sondern auch die seit 2006 laufende Mutter-Kind-Studie LINA, in die mehr als 1.200 Mütter und Kinder integriert sind. Ein Zentrum für Kindergesundheit, in dem verschiedene Partner ihre Stärken bündeln, wäre eine einmalige Chance, an den Ursachen zu forschen und Vermeidungsstrategien zu entwickeln."

Die Rektorin der Universität Leipzig Prof. Dr. Beate Schücking freut sich, dass die Kooperation mit dem UFZ weiter intensiviert wird. "Gerade bei diesem Thema wird deutlich, welche einzigartige Expertise wir hier in Leipzig verbinden können. Die Forschungsergebnisse werden nicht nur die Zukunft der Kinder, sondern auch der Gesellschaft insgesamt beeinflussen können. Ein weiterer Grund, dem Vorhaben besonderen Erfolg zu wünschen."

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letzte Änderung: 19.11.2017 

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