Buchmesse- Akademie  

Buchmesse-
Akademie

11. Leipziger Buchmesse-Akademie

18. bis 21. März 2010

Messegelände Leipzig
Halle 3, Stand G201/H200

Programm-Übersicht


Mittwoch, 17.03.2010

17:00 Uhr

Eröffnung: Gibt es noch Intellektuelle?

Alter Senatssaal, Rektoratsgebäude der Universität Leipzig, Ritterstraße 26, 04109 Leipzig

Gibt es noch Intellektuelle?
Georg Vobruba im Gespräch mit Claudia Globisch

Lässt sich Gesellschaft gestalten? Auf welche allgemein verbindlichen Werte kann man sich berufen? In den vergangenen einhundert Jahren haben sich aus der positiven Beantwortung dieser Fragen bemerkenswerte intellektuelle Standortbestimmungen und gesellschaftpolitische Interventionen ergeben. Von Bündnissen Intellektueller mit politischer Macht aber führte stets ein kurzer Weg in gesellschaftliche Katastrophen. Die Soziologen Georg Vobruba und Claudia Globisch diskutieren über aktuelle Zweifel am Selbstverständnis Intellektueller und prüfen letztlich die Frage: Wenn es Intellektuelle überhaupt noch gibt - welche Rolle können sie in der Gesellschaft heute spielen?

Beim anschließenden Empfang besteht die Möglichkeit, die aktuellen Publikationen aus der Universität zu entdecken und mit den Autoren ins Gespräch zu kommen. Florian Kästner begleitet am Jazz-Piano durch den Abend.

Donnerstag, 18. März 2010

10:30 Uhr

„Leipzig, Einstein, Diffusion“ – eine interdisziplinäre Plauderei

Jörg Kärger, Gerald Diesener und Tomas Binder

Der Physiker Jörg Kärger lädt das Publikum zu einem Spaziergang durch Leipzig ein und macht es gleichzeitig mit einer der grundlegenden Erscheinungen in der Natur bekannt: der Diffusion. Als Prozess der allgegenwärtigen Wärmebewegung der Atome und Moleküle sichert sie den Stoffaustausch in Zellen als Voraussetzung allen Lebens und ist zugleich Grundlage vielfältiger Technologien und Phänomene, angefangen mit der Ausbreitung von Krankheitserregern bis hin zur Entwicklung von Kapitalmärkten oder Sprachen. Die Plauderei mit Verlagsleiter Gerald Diesener und Physiker Tomas Binder führt entlang des Themas Diffusion über ein Stück aktueller Leipziger Forschung, Bezügen zu Leipzigs Geschichte und Kultur bis hin zu Leipzig als Stadt der Wissenschaften und des Verlagswesens.

12:00 Uhr

Krebsentstehung in Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf – die Rolle von äußeren Risikofaktoren und den Genen

Andreas Dietz

Äußere Einflüsse spielen erwiesenermaßen eine Rolle bei der Entstehung von Krebserkrankungen. Tabak- und Alkoholkonsum, die persönliche Lebensführung, Umweltgifte aber auch ein spezielles berufliches Umfeld können ein deutlich erhöhtes Risiko darstellen. Der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Krebsforscher Andreas Dietz erläutert anhand von aktuellen Forschungsergebnissen das Zusammenwirken der verschiedenen Einflussfaktoren. Sein Augenmerk legt er dabei besonders auch auf die Genetik. Denn diese bietet letztlich eine Erklärung dafür, warum manche Menschen unter gleichen Umweltbedingungen Krebs bekommen, andere hingegen nicht. So ist Krebsentstehung als Zusammenspiel von äußeren Risikofaktoren und den Genen zu verstehen was entscheidenden Einfluss auf die Vorsorge und Früherkennung von Krebserkrankungen hat.

13:00 Uhr

Geschichte der Universität Leipzig 1409–2009 – Buchpräsentation

Manfred Rudersdorf und Thomas Topfstedt

Die Alma mater Lipsiensis blickt auf 600 Jahre kontinuierliche Universitäts- und Wissenschaftsentwicklung zurück. Sie ist damit heute die zweitälteste Hochschule in Deutschland. Manfred Rudersdorf und Thomas Topfstedt laden als Mitherausgeber und Autoren dazu ein, Aspekte der Universitätsgeschichte im Spiegel der neuesten Forschungen zu erleben. Vorgestellt werden der erste Band zur Geschichte der vorklassischen Universität vom späten Mittelalter bis zur frühen Neuzeit sowie der fünfte Band zur Geschichte der Leipziger Universitätsbauten im urbanen Kontext.

14:00 Uhr

Evolution von Netzwerken

Ulrich Behn

Der Begriff Netzwerk ist heute in aller Munde und wird in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht. Ulrich Behn vom Institut für Theoretische Physik der Universität Leipzig stellt wichtige Beispiele vor (u.a. neuronale Netze, das Internet, ökologische und soziale Netze) und erklärt deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Netzwerke einer wichtigen Klasse gelangen durch das Zusammenwirken von zufälligem Wachstum mit bestimmten Auswahlkriterien zu einer komplexen Architektur: Sie durchlaufen eine Evolution. Hierzu werden Beispiele aus dem Bereich der life sciences genauer diskutiert und Arbeiten vorgestellt, die evolvierende Netzwerke in immunologischen  Modellen beschreiben.

15:00 Uhr

Individualisierte operative Krankheitstherapie: Helfen der Computer und der Roboter?

Jürgen Meixensberger

Der Schritt zu einem operativen Eingriff ist für jeden betroffenen Patienten einschneidend. Die Erwartungen an den Chirurgen in Hinblick auf den Behandlungserfolg ist beim Einzelnen groß. Können Fortschritte im Bereich der Informationstechnologie helfen, die Therapie zu verbessern? Computer stellen dem Operateur exakte Informationen des Patienten und des erkrankten Organs für die Operationsplanung, Simulation und Ausführung der Operation zur Verfügung. Erlaubt eine individuelle Modellbildung des erkrankten Organs die Unterstützung einzelner Operationsschritte mittels intelligenter chirurgischer Instrumente? Wird es den Medizinroboter geben? Der Neurochirurg Jürgen Meixensberger stellt die aktuellen Trends aus dem computergestützten OP vor.

16:00 Uhr

„Ich komme da nie wieder raus“ – gesundheitliche und soziale Spätfolgen politischer Inhaftierung in der DDR

Gregor Weißflog, Matthias Pfüller und Kornelia Beer

Mehr als 200.000 Menschen waren in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR einer politisch motivierten Verfolgung mit anschließender Inhaftierung ausgesetzt. Die dabei erlittenen Repressionen waren körperlich und seelisch traumatisierend und haben sich im weiteren Lebensverlauf auf die persönliche und familiäre Entwicklung ausgewirkt. Der Medizin-Psychologe Gregor Weißflog und die Sozialwissenschaftler Matthias Pfüller und Kornelia Beer haben die gesundheitliche und soziale Situation der ehemals Inhaftierten viele Jahre nach der politischen Haft untersucht und berichten über die Erkenntnisse aus ihrem Forschungsprojekt. Eingebettet wird dies in eine kritische Betrachtung der öffentlichen Wahrnehmung der durch die Verfolgung geprägten Lebensverläufe.

Freitag, 19. März 2010

10:30 Uhr

Wächst zusammen, was zusammen gehört? 20 Jahre Leben im geeinten Deutschland in der Bewertung von Ost- und Westdeutschen

Yve Stöbel-Richter und Hendrik Berth

Was wurde aus den Erwartungen der Wende, wie leben die Menschen in Ost und West heute? Wie „vereint“ fühlen sie sich? Yve Stöbel-Richter und Hendrik Berth ziehen ein Resümee der gesellschaftlichen Entwicklung in den letzten 20 Jahren aus Sicht der Sozialwissenschaften und Psychologie. Anhand von zahlreichen Umfragen stellen sie unterschiedliche Aspekte der Bewertung der deutschen Einheit dar und veranschaulichen die Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Ergebnisse zeigen, welche Veränderungen sich in den vergangenen 20 Jahren bezüglich der Einstellungen und Meinungen zur deutschen Einheit aber auch in den verschiedenen Lebensbereichen vollzogen haben und welche politischen und wirtschaftlichen Aspekte kritisch betrachtet werden.

12:00 Uhr

Geheimnisse der zwischenmenschlichen Kommunikation

Katharina von Kriegstein

Warum erkennen wir Anrufer sofort an der Stimme? Welche Rolle spielt eine verlässliche Personenerkennung anhand von Stimmen und Gesichtern bei der zwischenmenschlichen Kommunikation? Es ist zur Zeit ein ungelöstes Rätsel warum die allermeisten Menschen so gut in der Personenerkennung sind und warum dies einigen Menschen eher schwer fällt. Katharina von Kriegstein vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig gibt eine neurowissenschaftliche Einführung in die Geheimnisse der Personenerkennung und beschreibt die Auswirkungen auf die zwischenmenschliche Kommunikation.

13:00 Uhr

Wenn die Gefühle aus dem Gleichgewicht geraten – Neues aus Forschung und Therapie von Depression und Manie

Peter Schönknecht

In der modernen Gesellschaft sind depressive und manische Störungen häufige Beschwerdebilder. Der Psychiater und Wissenschaftler Peter Schönknecht erklärt die Symptome und medizinisch-psychiatrischen Grundlagen dieser Stimmungsveränderungen. Neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Gehirns ermöglichen heute ein besseres Verständnis affektiver Erkrankungen und bilden die Grundlage für eine wirksame Rückfallverhütung. Der Vortrag führt in die neurobiologischen und klinisch-psychiatrischen Befunde ein und wirbt für ein breiteres Verständnis dieser Erkrankungen.

14:00 Uhr

Missionen zu fernen Planeten – Was bringen sie uns?

Bernd Abel

Sind wir allein im All oder gibt es noch andere bewohnbare Planeten? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch anderswo Lebewesen existieren können? Diese Fragen beschäftigen viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der ganzen Welt. Doch die Suche nach anderen Planeten ist ein weiter, beschwerlicher Weg. Von der Erde aus lassen sie sich nicht aufspüren. Die Lufthülle, die hier erst das Leben möglich macht, trübt den Teleskopen den Blick. Erst satellitengestützte Beobachtungen und Messungen bringen die gewünschten Informationen. Bernd Abel vom Wilhelm-Ostwald-Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Leipzig erläutert den Zweck von bemannten und unbemannten Missionen zu fernen Planeten und zieht Rückschlüsse auf die Entstehung und Entwicklung unserer Erde.

15:00 Uhr

Eine untergegangene Bibliothek. Die Stadtbibliothek Leipzig vor dem Zweiten Weltkrieg

Thomas Fuchs

Die ehemalige Ratsbibliothek der Stadt Leipzig gehört zu den ältesten und bedeutendsten städtischen Büchersammlungen Europas. Ihre Wurzeln als Bibliothek des Rates reichen bis in das späte Mittelalter zurück. Im 19. Jahrhundert wurde sie zu einer Archivbibliothek für die Kultur und Geschichte der Stadt Leipzig. Gleichzeitig baute man die Bibliothek zu einer Forschungsstätte für die Geschichte des alten Buches aus. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Buchbestand der Bibliothek bis auf die in Sicherheit gebrachten Sondersammlungen vernichtet. Thomas Fuchs, Leiter der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Leipzig, erläutert die verschiedenen Funktionen der Stadtbibliothek seit dem späten Mittelalter und versinnbildlicht anhand ihrer herausragenden Stücke die besondere Bedeutung der Sammlung.

16:00 Uhr

Die Stigmatisierung von Krebserkrankungen

Elmar Brähler und Antje Lehmann-Laue

Obwohl das Tabu um Krebs gebrochen scheint, werden Krebserkrankungen in unserer Gesellschaft immer noch anders bewertet als z. B. der Herzinfarkt oder der Schlaganfall. Elmar Bähler und Antje Lehmann-Laue stellen die Ergebnisse einer repräsentativen Studie zum Thema vor. Sie haben überprüft, wie bei den Bundesbürgern die Krebserkrankung im Vergleich zu anderen Erkrankungen gesehen wird. Dabei erläutern sie, welche Faktoren nach Ansicht der Bundesbürger Einfluss auf die Entstehung von Krebs haben, von erblichen Faktoren, Rauchen und Alkohol bis hin zur Strafe Gottes oder der Unterdrückung von Gefühlen. Die Ergebnisse der Studie legen auch in weiteren Bereichen nahe, dass die Krebserkrankung immer noch keine „normale“ Erkrankung ist.

Samstag, 20. März 2010

10:30 Uhr

Paradigma Evolution. Chancen und Grenzen eines Erklärungsmusters

Annette Beck-Sickinger und Matthias Petzoldt

Welche Auswirkungen hatte die Evolutionstheorie kulturell und für die (Natur)Wissenschaften? Was hat sie uns noch heute zu sagen? Insbesondere im Jahr nach dem „Darwin-Jahr“ mit unendlich vielen Kongressen, Festveranstaltungen und Veröffentlichungen kann zurückgeschaut werden, welche Strahlkraft die Evolutionstheorie in andere Gesellschaftsbereiche und Wissenschaftsgebiete hatte und auch heute noch hat. Die Biochemikerin Annette Beck-Sickinger und der Theologe Matthias Petzoldt diskutieren zu unterschiedlichen Aspekten des „Paradigmas Evolution“ von verschiedenen Wissenschaftsbereichen aus und insbesondere über die korrespondierenden Erklärungsmuster der Theologie.

12:00 Uhr

Singen macht schlau! – Die positiven Effekte von Singen für die Entwicklung von Kindern

Michael Fuchs

Wie kann Singen das Lernen unterstützen und wie lernen Kinder und Jugendliche Singen? Wie kann Singen die Entwicklung einer sozialen Kompetenz unserer Kinder beeinflussen und wie kann man diese Elemente fördern? Die Lernprozesse beim Singen und Musizieren, aber auch beim Erlernen grundlegender Kommunikationsfähigkeiten in den verschiedenen Altersgruppen werden von Michael Fuchs aus Sicht der Medizin, Neurowissenschaften und Musikpädagogik dargestellt. Anhand von Hörbeispielen von seiner Zusammenarbeit mit dem Leipziger Thomanerchor berichtet er über seine Forschung zu den Zusammenhängen zwischen Singen und Lernen.

13:00 Uhr

Der Niedergang des Verlagsstandorts Leipzig – Was bleibt aus Sicht der Leipziger Buchwissenschaft?

Siegfried Lokatis

Die Schließung der Verlage Kiepenheuer, Reclam, zuletzt Brockhaus und Insel kennzeichnet eine trostlose Bilanz für den Verlagsstandort Leipzig. Doch ihre Tradition kann der Buchstadt keiner nehmen- so scheint es, aber man muss etwas dafür tun. Die Buchwissenschaft der Universität Leipzig hat versucht, durch die Rettung von Verlagsarchiven, die Kiepenheuer-Ausstellung und ein Großprojekt über die Reclam-Geschichte hierfür ein Zeichen zu setzen. Denn die Archive ihrer großen Verlage könnten für die hiesige Forschung eine wichtige Ressource darstellen. Im Gespräch mit Forschern und Akteuren präsentiert der Buchwissenschaftler Siegfried Lokatis die neuesten Forschungsergebnisse zum Schicksal der Leipziger Bücherwelt und diskutiert Entwicklungsperspektiven.

14:00 Uhr

Fußball-Fieber statistisch betrachtet

Wolfhard Janke , Elmar Bittner, Andreas Nußbaumer, Martin Weigel

Können Spielergebnisse beim Fußball mathematisch modelliert werden und welche Rolle spielt dabei das „Fußball-Fieber“? Diesen und ähnlichen Fragestellungen geht der theoretische Physiker Wolfhard Janke zusammen mit seinen Kollegen anhand eines einfachen mathematischen Modells nach. Dieses Modell beruht auf einem Selbstmotivierungsmechanismus, der wichtige Rückkoppelungseffekte auf den Torerfolg berücksichtigt und in ähnlicher Form auch in vielen Bereichen der Physik anzutreffen ist. Insgesamt basiert die bisherige Arbeit auf den Endergebnissen von über 30.000 Spielen in unterschiedlichen Spielklassen. Dabei ergeben sich tatsächlich statistisch signifikante Parallelen und Unterschiede im Motivationsfaktor, die interessante soziologische und politische Interpretationen zulassen.

15:00 Uhr

Strafrecht in der Zeitenwende - rechtsphilosophische Gedanken über zivilen Ungehorsam und die Mauerschützenprozesse

Diethelm Klesczewski

Politische Zeitenwenden sind immer auch dadurch gekennzeichnet, dass sich ein grundlegend neues Verständnis von Recht gegen die überkommene Ordnung Bahn bricht. Dieser Konflikt findet seine besondere Ausprägung im Strafrecht. Denn das neue Verständnis des Rechts drückt sich in einem Bruch mit der alten Ordnung aus, den diese zumeist auch mit Strafe zu unterdrücken sucht. Diethelm Klesczewski betrachtet den in weltpolitischen Wendezeiten aufbrechenden Konflikt unterschiedlicher Rechtsprinzipien anhand des Strafrechts. Einen besonderen Fokus legt er dabei auf die rechtsphilosophischen Wurzeln des zivilen Ungehorsams, wie er beispielsweise bei den gewaltfreien Demonstrationen ´89 zu beobachten war, sowie auf die Mauerschützenprozesse.

16:00 Uhr

Neuartige Materialien in der Gesundheit – von künstlichem Hautgewebe und Nano-Sonnenmilch

Tilman Butz und Jan-Christoph Simon

Neuartige Biomaterialien und Substanzen kommen immer häufiger in der medizinischen Forschung zur Anwendung, zum Beispiel als Nanopartikel in Sonnenschutzmitteln oder als künstliche Knochen- und Hautimplantate zur Unterstützung der Wundheilung. Bei Forschung und Entwicklung ist interdisziplinäre Zusammenarbeit vielversprechend. Zum Beispiel um grundlagenorientiert zu klären, welche Mechanismen auf zellulärer Ebene bei der Wundheilung eine Rolle spielen oder in wie weit das Eindringen von Nanopartikeln in Haut oder Gewebe schädlich ist. Der Physiker Tilman Butz und der Mediziner Jan-Christoph Simon stellen aktuelle interdisziplinäre Forschungsansätze aus diesem Bereich vor und diskutieren über Chancen und Risiken dieser neuartigen Gesundheitstechnologien.

Sonntag, 21. März 2010

10:30 Uhr

Gezielte Selbstheilung – das Therapiekonzept der Zukunft

Ulrich Sack und Michael Cross

In der Natur gibt es wahre Regenerationswunder: Dem Zebrafisch heilt ein verletztes Herz und Hirschen wachsen jedes Frühjahr die Geweihknochen nach. Auch im Menschen steckt viel Potenzial zur Selbstheilung. Doch bei funktionsgestörten Zellen und Organen muss die Regeneration medizinisch unterstützt werden. Stammzellen, künstlich gezüchtete Gewebe oder Biomaterialien helfen dabei. Das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) der Universität Leipzig unterstützt Forschungsgruppen, die regenerative Behandlungsansätze untersuchen. Ulrich Sack und Michael Cross berichten aus dieser Forschung und bringen dem Publikum Stammzellen, Scaffolds, Regeneration und regenerative Medizin näher.

12:00 Uhr

Das DDR-Fernsehen als universeller Therapeut und Unterhalter – Die Programme des DDR-Fernsehens zwischen der Öffnung der Mauer und der Vereinigung

Rüdiger Steinmetz

In der Übergangsphase zwischen dem Herbst 1989 und Oktober 1990 wechselte das Fernsehen der DDR in eine ganz neue Rolle, nämlich in die des kreativen Experimentators mit neuen Programmformaten, die wirklich mit dem Alltag der Menschen zu tun hatten. Und letztlich übernahmen das Fernsehen und seine Macher die Rollen von Gesprächstherapeuten zum Zweck der Veröffentlichung bisher unterdrückter, tabuisierter oder verzerrter Themen, zur Reinigung der aus den Schatten der Vergangenheit resultierenden Gefühle und zur Schaffung einer Ausgangsbasis für einen Neuanfang. Zugleich blieb das Fernsehen aber der gewohnte universelle Entertainer. Der Medienwissenschaftler Rüdiger Steinmetz erläutert mit vielen Programmbeispielen die Rollen des DDR-Fernsehens in dieser Übergangszeit zwischen der Öffnung der Mauer und der Vereinigung.

13:00 Uhr

Ozonloch, Elektrosmog & Co. - Moderne Gesundheitssorgen aus Sicht der Bevölkerung

Heide Glaesmer und Lena Spangenberg

Nach aktuellen Umfragen fühlen sich viele Menschen durch gesundheitsschädliche Folgen moderner Technologien bedroht. Die Auswirkungen von Elektrosmog, Handy-Strahlung, Ozonloch oder auch gentechnisch veränderten Lebensmitteln auf die Gesundheit finden viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, werden aber auch in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Die Medizin-Psychologinnen Heide Glaesmer und Lena Spangenberg beschäftigen sich mit dem Auftreten moderner Gesundheitssorgen in der deutschen Bevölkerung und stellen Zusammenhänge mit dem subjektiv empfundenen Gesundheitszustand dar. Denn neben den mehr oder weniger geklärten objektiven Zusammenhängen und Risiken spielt die individuelle Wahrnehmung eine wesentliche Rolle für das gesundheitliche Befinden.

14:00 Uhr

Wahrnehmung – wie unser Gehirn uns austrickst

Matthias Müller

Wie geht unsere Wahrnehmung mit der allgegenwärtigen Flut von Sinneseindrücken um? Gibt es Situationen und Reize, welche die Aufmerksamkeit unwillkürlich auf sich ziehen - ob wir wollen oder nicht? Im täglichen Leben sind wir mit einer unendlichen Vielzahl von Sinneseindrücken konfrontiert, die unser Gehirn verarbeiten muss. Aus jahrelanger Forschung und alltäglicher Erfahrung wissen wir, dass nicht alle Sinneseindrücke, die wir wahrnehmen, uns auch bewusst werden. Damit uns ein Sinneseindruck bewusst wird, muss dieser Eindruck auch Aufmerksamkeit erhalten. Aber wie wird die Aufmerksamkeit gesteuert? Der Psychologe Matthias Müller beschreibt und diskutiert die Mechanismen, wie insbesondere emotionale Bilder unsere Aufmerksamkeit unbewusst lenken.

15:00 Uhr

Gesundheit und Bildung - für Alle, für Wenige, für Niemanden?

Charlotte Schubert und Wieland Kiess

Sind Gesundheit und Bildung Luxusgüter, die nur wenigen vorbehalten sind? Wie eng ist der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bildung wirklich? Gesundheit und hoher Ausbildungsgrad sind für sich alleine aber auch im Zusammenhang Voraussetzungen für eine prosperierende Gesellschaft und Grundlage für individuelles Wohlergehen. Dennoch wird paradoxerweise oder scheinbar deshalb die Frage gestellt, wie viel Gesundheit und wie viel Bildung sich eine Gesellschaft leisten kann. Die Historikerin Charlotte Schubert und der Mediziner Wieland Kiess diskutieren über Gesundheit und Bildung als Luxusgüter und blicken in die Zukunft: Führt die demographische Entwicklung dazu, dass eine ungebildete, kranke Gesellschaft entsteht?

16:00 Uhr

Die Tippgemeinschaft 2010

Hans-Ulrich Treichel und Studierende des Deutschen Literaturinstituts Leipzig

Lesung aus der druckfrischen Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig mit Constantin Göttfert, Choleda Jasdany, Laura Lichtblau, Eva Roman und Michael Spyra. Die „Tippgemeinschaft 2010“ vereint eine spannende Vielfalt an Prosa, Lyrik und Dramatik, geschrieben und vorgestellt von jungen Autorinnen und Autoren. In ihrer mittlerweile achten Ausgabe gewährt die „Tippgemeinschaft“ Einblick in die Werkstatt der Studierenden und ist erneut: „alles andere als ein Gemeinschaftstipp“ (Katja Lange-Müller)


letzte Änderung: 28.01.2015 

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