Stellenausschreibung vom Kennziffer: 26/2024

Die 1409 gegründete Universität Leipzig gehört zu den großen, forschungsstarken und medizinführenden Universitäten in Deutschland. Mit ihren rund 30.000 Studierenden und mehr als 5.000 Beschäftigten in 14 Fakultäten prägt sie das Leben in der pulsierenden und weltoffenen Stadt Leipzig. Die Universität Leipzig bietet ein dynamisches und international geprägtes Arbeitsumfeld sowie attraktive und vielfältige Arbeitsmöglichkeiten in Forschung, Lehre, Transfer, Infrastruktur und Verwaltung.

An der Fakultät für Mathematik und Informatik, Institut für Informatik, ist ab dem 1. September 2024 die oben genannte Stelle zu besetzen.

Diese Doktorandenstelle ist Teil des Projekts MECANO (Mechanics of Canon Formation and the Transmission of Knowledge from Graeco-Roman Antiquity), das vom Horizon Europe Program for Research and Innovation im Rahmen des MSCA Doctoral Networks 2022, Grant Agreement No. 101120349, gefördert wird.
Ziel von MECANO ist es, das Verständnis der Mechanismen der Kanonbildung und der Überlieferung von Wissen in antiken griechischen und lateinischen Texten zu verbessern. Es wird untersucht, a) wie Texte, Ideen oder Autoren kanonisch wurden, indem sie von späteren Autoren zitiert, übersetzt, studiert, imitiert, exzerpiert oder kompiliert werden, und b) wie sich solche impliziten Kanons über Zeit und Raum hinweg veränderten, indem sie in verschiedenen kulturellen, intellektuellen und sprachlichen Umgebungen rezipiert wurden. Um die Dynamiken der Kanonizität in einer Langzeitperspektive zu untersuchen, wird MECANO qualitative Ansätze der geisteswissenschaftlichen Forschung und der Rezeptionsforschung mit der Anwendung digitaler und computergestützter Methoden zur Erforschung umfangreicher Textkorpora kombinieren. MSCA Doctoral Networks sind Forschungs- und Trainingsprogramme mit dem Ziel, hochqualifizierte Doktorand:innen auszubilden, ihre Kreativität zu fördern, ihre Innovationsfähigkeit zu verbessern und langfristig ihre Berufschancen zu steigern. Für MECANO bedeutet dies, auf den Bedarf an historisch reflektierenden und digital versierten Promovierten in den Geisteswissenschaften zu reagieren und die Doktorand:innen so auszubilden, dass sie den Herausforderungen einer modernen Beschäftigung mit den Themen Kanonizität, Diversität und kulturellem Erbe gewachsen sind. Teil eines MSCA-Doctoral Network zu sein bedeutet, an Netzwerkaktivitäten teilzunehmen und Zeit im Ausland zu verbringen. Jede:r Doktorand:in wird von zwei Wissenschaftler:innen innerhalb des Konsortiums betreut werden. Sie werden an einer der MECANO-Universitäten arbeiten und für einen Forschungsaufenthalt die Universität ihrer/ihres Mitbetreuer:in besuchen sowie ein kürzeres Praktikum bei einem assoziierten Partner absolvieren. Von ihnen wird erwartet, dass sie in vollem Umfang am Trainingsprogramm teilnehmen, das aus Sommerschulen, Workshops, einem regelmäßigen Online-Seminar und anderen Aktivitäten besteht. MECANO setzt sich dafür ein, ein Umfeld zu schaffen, in dem alle Talente ihr volles Potential entfalten können, unabhängig von Geschlecht, Alter, kulturellem Hintergrund, Nationalität oder Behinderung. Wir ermutigen insbesondere Bewerber:innen aus traditionell unterrepräsentierten Gruppen sich zu bewerben.
Die Stellen stehen Bewerber:innen aller Nationalitäten offen, die die Mobilitätsvoraussetzung erfüllen, d.h. nicht länger als 12 Monate in den 36 Monaten vor der Einstellung im Land der aufnehmenden MECANO-Universität (Universität der Hauptbetreuung) gelebt haben. Die Bewerber:innen dürfen keinen Doktortitel in einem anderen Fachgebiet besitzen oder eine entsprechende Promotionsprüfung an einer anderen Hochschuleinrichtung nicht bestanden haben. Bitte beachten Sie, dass MECANO Stellen für insgesamt 10 Kandidat:innen ausschreibt, die an den fünf teilnehmenden Universitäten arbeiten werden. Bewerbungen für jede Stelle müssen separat eingereicht werden. Es ist möglich, sich auf mehr als eine Stelle zu bewerben. In diesem Fall muss die/der Bewerber:in eine separate E-Mail schicken, in der sie/er dies mitteilt und ihre/seine Präferenz angibt. Das Auswahlverfahren erfolgt zentral durch das MECANO-Auswahlkomitee.

Thema des Promotionsprojekts: “Contextual scientometrics – Uncovering and understanding referencing patterns to the ancient canon in modern scholarly discourses”

Es handelt sich um eine Vollzeit-Promotionsstelle, die voraussichtlich im September 2024 beginnt. Diese Doktorandenstelle wird an der Universität Leipzig angesiedelt sein und von Professor Dr. Manuel Burghardt (Fakultät für Mathematik und Informatik, Institut für Informatik, Computational Humanities) betreut werden. Es wird erwartet, dass der/die Doktorand:in sich während eines sechsmonatigen Forschungsaufenthalts sich an der Universität Leuven (Belgien) aufhält, wo er/sie mit Prof. Mark Depauw (KU Leuven, Philosophische Fakultät, Alte Geschichte) und Prof. Bart Thijs (KU Leuven, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät) zusammenarbeiten wird, welche die Promotion mitbetreuen. Weiterhin soll ein dreimonatiges Praktikum an der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig absolviert werden.
Im Mittelpunkt des Promotionsprojekts steht die These, dass berühmte Autoren, Denker und Philosophen der Antike auch in der modernen Wissenschaft den wissenschaftlichen Diskurs prägen. Welche kanonischen Referenzen wir in den einzelnen Disziplinen finden und wie genau auf sie Bezug genommen wird, ist jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch vollkommen unklar. Ziele dieses Promotionsprojekts sind daher der Aufbau eines großen, multidisziplinären Korpus wissenschaftlicher Zeitschriften aus JSTOR und die automatische Erkennung antiker kanonischer Referenzen in diesem Korpus unter Rückgriff auf bestehende digitale Workflows aus dem Trismegistos-Projekt (TM) . Das Hauptziel der Analyse wird darin bestehen, die extrahierten Referenzen szientometrisch zu analysieren, so dass wir untersuchen können, welche kanonischen Denker in den verschiedenen Disziplinen am häufigsten zitiert werden und ob es diachrone Trends gibt. Darüber hinaus sind wir an Kozitationsnetzwerken interessiert, die uns helfen zu verstehen, welche kanonischen Autoren häufig zusammen erwähnt werden und möglicherweise sogar kanonische Cluster bilden. Neben diesen eher traditionellen szientometrischen Ansätzen besteht ein zentrales methodisches Ziel darin, die Analysen um eine distant reading-Perspektive zu ergänzen, die es uns ermöglicht, die kanonischen Referenzen im Kontext zu sehen und ihre Verwendung besser zu verstehen, um den Einfluss des antiken Kanons auf die moderne Wissenschaft zu untersuchen.
Für inhaltliche Fragen zum Projekt “Contextual scientometrics” wenden Sie sich bitte an Herrn Professor Dr. Manuel Burghardt (E-Mail). Für Fragen zum MECANO MSCA Doctoral Network, kontaktieren Sie bitte Frau Daria Kondakova (E-Mail). 

Die Universität Leipzig verleiht den akademischen Grad eines Doktors / einer Doktorin der Informatik mit einem Schwerpunkt in Digital Humanities, auf der Grundlage einer schriftlichen wissenschaftlichen Arbeit gemäß den Bestimmungen der Promotionsordnung. Entsprechende Vorschriften und Dokumente finden Sie hier.

Stellenmerkmale

  • befristet für 36 Monate
  • 100% einer Vollbeschäftigung
  • vorgesehene Vergütung: 3.200 Euro brutto (3.750 Euro bei Anspruch auf Familienzuschlag)

Aufgaben

  • Erstellung einer Doktorarbeit (in englischer Sprache) innerhalb von 36 Monaten
  • Teilnahme am allgemeinen Trainingsprogramm des MECANO-Doctoral Network
  • Präsentation von Zwischenergebnissen der eigenen Forschung auf Workshops und Konferenzen
  • Teilnahme am intellektuellen Leben an der Universität der Betreuer des Promotionsprojekts
  • Praktikum an der Deutschen Nationalbibliothek (DNB, Leipzig) und Forschungsaufenthalt an der KU Leuven, Belgien (6 Monate).

Voraussetzungen

  • Master-Abschluss in Digital Humanities, Data Science, Computerlinguistik, Informatik, Informationswissenschaft oder einem anderen einschlägigen Fachgebiet zum Zeitpunkt der Einstellung, mit einer exzellenten Abschlussarbeit (falls der Abschluss zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht vorliegt, muss eine Erklärung des/der Betreuer:in des/der Bewerber:in vorliegen, dass dieser zum Zeitpunkt der Ernennung erworben sein wird)
  • gut entwickelte Forschungsfähigkeiten, einschließlich der Fähigkeit, relevante Forschungsfragen und -hypothesen zu formulieren sowie deskriptive, analytische und informatische Fähigkeiten
  • hervorragende Kompetenz in der Anwendung von State-of-the-Art-Methoden aus dem Bereich Text Mining / Natural Language Processing (Large Language Models, Word Embeddings, etc.) und idealerweise Erfahrung in den Bereichen Szientometrie, Digital Philology oder Digital Classics
  • gute Kenntnisse der englischen Sprache in Wort und Schrift
  • selbständiges Denken und Arbeiten, Teamfähigkeit
  • Mobilitätsregel (im Rahmen des MECANO-Programms): Die/der Bewerber:in hat sich in den letzten 36 Monaten vor der Einstellung nicht länger als 12 Monate in Deutschland aufgehalten.

Wir bieten

  • ein sehr dynamisches, kollaboratives und interdisziplinäres Arbeitsumfeld an einem modernen Arbeitsplatz.
  • flexible Arbeitszeiten sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  • Englisch als Arbeitssprache.
  • Leipzig als eine attraktive Stadt mit reicher Kultur und schöner Umgebung, in der sich internationale Besucher in der Regel leicht einleben.

Ihre Bewerbungsunterlagen in Form einer einzigen PDF-Datei senden Sie bitte mit den üblichen Unterlagen unter Angabe der Kennziffer 26/2024 bis 8. März 2024 per E-Mail an Sylvia Frömmert (Sekretariat Computational Humanities), E-Mail. Bitte beachten Sie, dass Gefährdungen der Vertraulichkeit und der unbefugte Zugriff Dritter bei einer Kommunikation per unverschlüsselter E-Mail nicht ausgeschlossen werden können. Falls Sie als Kandidat:in zum Auswahlgespräch eingeladen werden, finden alle Gespräche virtuell statt. Bitte fügen Sie Ihrer Bewerbung die folgenden Unterlagen bei:

  • Lebenslauf (max. 2 Seiten)
  • Anschreiben (600-800 Wörter), aus dem hervorgeht, aufgrund welcher Qualifikationen Sie für die Stelle geeignet sind und wie diese Doktorandenstelle Ihren wissenschaftlichen Interessen entspricht, sowie eine Motivierung, warum Sie Teil eines MSCA-Doktorandennetzwerks sein möchten, das internationale Mobilität und einen Praktikumsaufenthalt beinhaltet.
  • Namen und Kontaktdaten (E-Mail-Adressen) von zwei akademischen Gutachtern:innen. Sie müssen die Zustimmung der akademischen Gutachter:innen haben, ihre Namen und Kontaktdaten zu verwenden. Diese können zu einem späteren Zeitpunkt um ein Referenzschreiben gebeten werden.
  • Master-Abschluss und entsprechendes Zeugnis mit der Abschlussnote und den Einzelnoten. Liegt der Abschluss zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht vor, muss eine Erklärung der/des Betreuer:in des Bewerbers/der Bewerberin bestätigen, dass dieser zum Zeitpunkt der Ernennung erworben sein wird.
  • Schreibprobe (ca. 7.000 Wörter); dies kann eine veröffentlichte Arbeit oder ein aussagekräftiger Teil Ihrer Masterarbeit sein.

Das Einstellungsverfahren wird zentral vom MECANO-Auswahlkomitee durchgeführt. Die Universität Leipzig strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen in verantwortlicher Position an und bittet deshalb qualifizierte Frauen ausdrücklich um ihre Bewerbung.

Bei gleicher Eignung werden schwerbehinderte Menschen oder ihnen kraft SGB IX von Gesetzes wegen Gleichgestellte bevorzugt eingestellt.

Bewerbungsschluss:

Hinweise zum Datenschutz

Eine Bewerbung und damit die Zusendung der für eine Bewerbung üblichen Unterlagen erfolgt freiwillig. Ihre in den Bewerbungsunterlagen enthaltenen bzw. ggf. im Bewerbungsgespräch erlangten personenbezogenen Daten werden von der Universität Leipzig – hier der ausschreibenden Dienststelle – ausschließlich zum Zwecke des Auswahlverfahrens für diese hier ausgeschriebene Stelle verarbeitet und, sofern nicht im Einzelfall ausdrücklich eingewilligt wird, nicht an Dritte weitergegeben. Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung ist § 11 Abs. 1 Sächsisches Datenschutzdurchführungsgesetz i. V. m. EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO). Verantwortlich für das Bewerbungsverfahren ist der in dieser Ausschreibung angegebene Adressat der Bewerbung.

Ihre personenbezogenen Daten werden für sechs Monate nach Beendigung des Einstellungsvorgangs gespeichert und danach gelöscht bzw. datenschutzgerecht vernichtet. Die Einwilligung kann verweigert oder mit Wirkung auf die Zukunft ohne Angabe von Gründen widerrufen werden. In diesen Fällen ist eine Bearbeitung der Bewerbung durch die Universität Leipzig und damit eine Berücksichtigung im Bewerbungsverfahren nicht oder nicht mehr möglich. Nach der DS-GVO stehen Ihnen gegenüber dem Adressaten der Bewerbung bei Vorliegen der entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen folgende Rechte zu: Auskunftsrecht (Art. 15 DS-GVO), Recht auf Berichtigung unrichtiger personenbezogener Daten (Art. 16 DS-GVO); Datenlöschung (Art. 17 DS-GVO), Einschränkung der Verarbeitung (Art. 18 DS-GVO) und Widerspruch gegen die Verarbeitung (Art. 21 DS-GVO). Bei Fragen können Sie sich an den Datenschutzbeauftragten der Universität Leipzig (dienstansässig: Augustusplatz 10, 04109 Leipzig) wenden. Weiterhin besteht ein Beschwerderecht beim Sächsischen Datenschutzbeauftragten.