1. Können Sie sich noch an Ihre ersten Studientage erinnern – wie war Ihr erster Eindruck von der Universität Leipzig?
Da ich für das Studium nach Leipzig gezogen bin war der Studienstart natürlich sehr spannend in einer neuen Stadt. Der Chemieteil des Campus war im Vergleich zum Campus in Mainz, wo ich meinen Bachelor absolviert habe, kleiner aber dadurch auch gemütlicher und übersichtlicher. Die Covid-Pandemie hat es zu Beginn leider schwer gemacht die KommilitonInnen kennenzulernen. Aber durch die praktischen Teile des Studiums kam man dann doch in Kontakt.
2. Wenn Sie zurückblicken, wie würden Sie Ihr Studium kurz beschreiben?
Für mich war es die beste Entscheidung meines Lebens, da es genau auf meine Leidenschaften und Fähigkeiten ausgerichtet war und als konsekutiver Masterstudiengang nicht zu viele Wiederholungsmodule aufwies, sondern eine vielfältige Auswahl an Wahlmodulen bot.
3. Was würden Sie studieren, wenn Sie heute noch einmal studieren könnten? Haben Sie jemals an Ihrer Studienwahl gezweifelt?
Für mich war der Studiengang der allgemeinen Chemie perfekt, da ich am Anfang noch nicht wusste welche Bereiche mich interessieren werden. Die Schulchemie ist da leider nicht in der Lage einen ausreichenden Überblick über die möglichen Themengebiete zu verschaffen. Aber nachdem ich mein Zu Hause in der Analytik gefunden hatte war der Masterstudiengang in Leipzig durch die vielen Wahlmodule optimal für mich. Alternativ wäre es wahrscheinlich Physik oder Informatik geworden, da ich im Studium nebenbei auch das Programmieren gelernt habe, aber definitiv eines der MINT Fächer!
4. Womit konnte man Sie immer vom Lernen abhalten?
Am liebsten habe ich mich mit anderen Studis über die Freizeit und das Privatleben unterhalten. Da es auch internationale Studiengänge gab waren diese Gespräche oft auch mal in Englisch, und ich habe neue Kulturen kennengelernt und mein Englisch verbessert. Und leider viel zu spät habe ich den Klavierflügel im Physiker-Gebäude entdeckt, aber die letzten beiden Semester habe ich dafür viel Zeit dort verbracht, da mir das Klavierspielen in stressigen Phasen sehr geholfen hat.
5. Welche Motivationen haben Ihre Studien- und Berufswahl bestimmt?
Mein Bedürfnis, die Welt in ihren grundlegendsten Dingen verstehen zu wollen, wird durch die Chemie maßgeblich befriedigt. Außerdem liebe ich es neue Sachen zu lernen und mein analytisches Denken dadurch immer weiter zu trainieren, wie man es in der Forschung fortwährend machen muss. Vor allem Herausforderungen anzugehen, für die man Interesse zeigt, ist meine Lebensphilosophie und das spiegelt sich immerzu in den komplexen chemischen Zusammenhängen wider, die mir im Studium und im Beruf begegnen.
6. Was waren wichtige Stationen auf Ihrem beruflichen Weg?
- Zunächst war natürlich die Entscheidung, den Studiengang in Leipzig fortzuführen eine sehr wichtige, da ich bereits wusste, dass die Analytik mein Lieblingsfachbereich sein wird.
- Unglaubliches Glück hatte ich dann mit dem Aufbaustudium für Analytik und Spektroskopie von Herrn Prof. Dr. Matysik an der Uni Leipzig, welches mir analytische Anwendungen im beruflichen Kontext näher gebracht hat und tiefergehende Spezialisierungen ermöglicht hat. Dabei war der Kontakt zu Menschen, die bereits in der Berufswelt arbeiten spannend.
- Letztlich, hat mir diese Zusatzqualifikation bei Bewerbungsgesprächen einen klaren Vorteil verschafft, da sie meine Motivation für den Fachbereich verdeutlicht hat.
7. Wie sehr hat Ihr Studium Ihre jetzige berufliche Tätigkeit geprägt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrem Studium und Ihrer Tätigkeit? Können Sie noch Dinge aus Ihrem Studium nutzen?
Als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Sintern und Charakterisierung am Fraunhofer IKTS ist ein hohes Maß an analytischer Denkfähigkeit für effiziente Problemlösungen gefordert. Im Studium lernt man vor Allem, sich schnell und intensiv in eine Thematik einzuarbeiten. Und genau diese Übung ermöglicht mir, mich in meinem Themenfeld schnell zurecht zu finden und die Arbeitsgruppe mit meiner Expertise in die richtige Richtung zu lenken. Da es in meinem Arbeitsalltag hauptsächlich um Laborarbeit und die anorganische Elementanalytik geht, habe ich einen klaren Vorteil durch die gelernten Laborfertigkeiten der Studiumspraktika und die anorganischen und analytischen Vorlesungen.
8. Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Ihrer jetzigen Position aus?
- Morgens komme ich in mein Labor, checke meine Emails, und gehe dann meistens zu meinem Messgerät, dem ICP-OES. Ich schalte es ein und starte die Vorbereitungen für den bevorstehenden Messtag. Diesen haben wir am Vortag als Team geplant, damit die zu messenden Proben im Labor auch rechtzeitig bearbeitet sind. Einige
- Verdünnungen werden hergestellt, Spektren angepasst und die Daten zusammengestellt und ausgewertet.
- Zum Abschluss wird ein Prüfbericht für den Kunden angefertigt und abgeschickt, in welchem die errechneten Werte stehen.
- An anderen Tagen verbringe ich viel Zeit im chemischen Labor und mache so gut wie alles was man sich unter der typischen Laborchemie vorstellt.
9. Was sind die wichtigsten drei Kompetenzen in Ihrem Arbeitsalltag?
- Einen kühlen Kopf bewahren, denn in der Chemie klappt nicht immer alles wie es eigentlich soll oder es gehen mal Geräte kaputt.
- Strukturiertes Arbeiten und Denken, denn manchmal kommen spontane Aufgaben rein und man muss seine Priorisierungen ändern oder man muss einer Sache auf den Grund gehen.
- Soziale Kompetenz, weil das zwischenmenschliche Arbeitsklima eine zentrale Rolle spielen kann.
10. Wie gelingt Ihrer Meinung nach ein guter Berufseinstieg in Ihrer Branche (Einstiegswege, Bewerbungstipps, etc.)?
Es gibt viele Möglichkeiten interessante Jobausschreibungen in der Chemie zu finden:
- Jobnewsletter aus Fachjournals
- GDCh-Netzwerk
- Professor:innen- oder Doktorand:innen-Empfehlungen
- Initiativbewerbungen
- einzelne Unternehmen raussuchen
Das Wichtigste bei der Bewerbung sowie beim Bewerbungsgespräch ist es authentisch zu sein und die Bereitschaft zu signalisieren, sich in neue Themenbereiche einzuarbeiten. Bis dahin gilt: Bewerben, bewerben, bewerben…
11. Was würden Sie den heutigen Studienanfänger:innen mit auf den Weg geben?
Auch wenn mein Bachelorprofessor mal gesagt hat, dass man mit einem Chemiestudium ausschließlich eine Führungskraft wird, will ich mit meinem Karriereweg eine Alternative aufzeigen. Der moderne Jobmarkt zeigt, dass die Promotion längst nicht mehr notwendig ist und der Masterabschluss für einen spannenden Job und mit etwas Glück sogar zu einer Führungsposition reichen kann. Mit Motivation und Authentizität kann das jeder schaffen. Jedoch sollte man sich am Ende des Studiums fragen, ob man noch weiter an der Laborchemie festhalten will (so wie in meinem Job) oder ob man Projektanträge und Personalplanung als seine Hauptkompetenzen sieht und als Führungskraft eingestellt werden will.
Persönliche Angaben
- Name: Kenneth Wagner
- Geburtsjahrgang: 1997
- Studiengang: Chemie
- Jahr der Immatrikulation: 2021
- Jahr der Exmatrikulation: 2023
- Heutiger Arbeitgeber/Position: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IKTS Hermsdorf
(Interview Stand Juli 2025)