Komplexe Forschungsfragen zu beantworten, verlangt immer mehr eine dynamische Vernetzung der wissenschaftlichen Disziplinen. Die Universität Leipzig gründet als Reaktion auf diese Herausforderung mit Mitteln des Freistaates Sachsen das „Leipzig Lab“ mit den ersten drei Arbeitsgruppen zu den Themen Global Health, Kindheitsforschung sowie Immateriellen Werten.

Die Leipzig Lab Arbeitsgruppe „Kinder und Natur“ erforscht die Beziehungen von Kindern zu ihrer Umwelt in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Foto: Christian Hüller

Vortragsreihe „Grenzgänge“

Die Vortragsreihe „Grenzgänge“ ist eine Initiative des Leipzig Lab mit dem Ziel, disziplinen-übergreifende Fragen zu diskutieren und interdisziplinäre Forschung anzustoßen. Von November 2020 und Januar 2021 halten die Fellows der drei Arbeitsgruppen online Vorträge mit anschließenden Diskussionen. Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion.

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14. Dezember 2020

Dr. Stefan Höhne: tba

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11. Januar 2021

Prof. Dr. Thomas Stodulka: Worlding Permaculture School Gardens

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25. Januar 2021

Abschlussdiskussion „Körpergrenzen“

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Ein innovatives Förderprogramm für exzellente Forschungsfelder

Das Leipzig Lab ermöglicht den Beteiligten, in interdisziplinären Projektteams neue Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren, die sonst eher an Advanced Study Instituten üblich sind. In der historischen Villa Tillmanns erhalten die Mitglieder des Leipzig Lab einen eigenen Ort für ihre Arbeit und die Begegnung mit internationalen Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern.

Thematisch sollen vor allem die an unserer Universität bereits verfolgten Fragestellungen größerer Verbünde und Zentren gezielt aufgenommen, weiterentwickelt oder hinterfragt werden. Die Universität verspricht sich hiervon sowohl neue Impulse für ihre strategischen Forschungsfelder als auch Ideen, wie sie sich als Forschungsuniversität weiterentwickeln kann.

Die Arbeitsgruppen des Leipzig Lab

In den ersten drei interdisziplinären Arbeitsgruppen des Leipzig Lab forschen Teams aus Leipziger Professorinnen und Professoren und Nachwuchsforschenden gemeinsam mit internationalen Gästen zu den Themen „Global Health“, „Intangibles“, und „Kinder und Natur”:

Die Gruppe Intangibles im Leipzig Lab untersucht Bruchstellen derjenigen rechtlichen und ökonomischen Ordnung, die durch den Begriff des Eigentums eröffnet und bestimmt wird. Solche Bruchstellen liegen dort, wo sich der Begriff des Eigentums in neue, ihm ursprünglich nicht zugehörige Bereiche ausdehnt und ausdehnen muss.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • der Bereich der geistigen und künstlerischen Tätigkeit und ihrer Resultate (etwa als Gegenstand des Urheberrechts),
  • der Bereich im weiten Sinn ethischer Orientierungen und Haltungen und ihrer Folgen (etwa als weiche Produk­tions­faktoren) und
  • der Bereich der natürlichen Lebensgrundlagen (etwa als handelbares Recht, giftige Stoffe auszustoßen, oder als handelbare Pflicht, sie zu entsorgen oder unschädlich zu machen).

Erforschung der Werte, die flüchtig und ungreifbar sind, aber in alle Lebensbereiche wirken

Die in diesen Feldern anzutreffenden Werte müssen einerseits, um innerhalb der rechtlichen und ökonomischen Ordnung behandelt werden zu können, als Eigentum und Kapital bestimmt werden, andererseits widersetzen sie sich ihrer eigenen inneren Tendenz nach der Unterordnung unter den Begriff des Eigentums. Ein Merkzeichen dieser Tendenz ist es, dass sich die fraglichen Werte als etwas darstellen, das sich nicht anfassen lässt – sie sind intangibel. Gleichzeitig lässt es sich also nicht einfangen in einen beherrschten Raum, von dem andere ausgeschlossen sind. Was hier als Ungreifbarkeit und Flüchtigkeit dieser Werte erscheint – sie sind ungreifbar wie die schöne Melodie und flüchtig wie die frische Luft – steht ihrer konkreten und durchdringenden Wirkung in allen Lebensbereichen gegenüber.

In den Spannungen der intangiblen Werte zeigt sich die soziale und ethische Grundlage der Ordnung des Eigentums

Die leitende Idee des Lab ist, dass in den Spannungen, die in der ökonomischen und juridischen Bearbeitung intangibler Werte auftreten, die soziale und ethische Grundlage der Ordnung des Eigentums konkret wird, die innerhalb dieser nicht reflektiert werden kann. Die technischen und begrifflichen Schwierigkeiten, welche die dynamische Entwicklung des Eigentumsbegriffs in Disziplinen wie der Ökonomie und der Rechtswissenschaft aufwirft, weisen deshalb über sich hinaus. In ihnen wird eine in sich agonale Einheit von ökonomisch-rechtlicher Ordnung einerseits und ethischen Formen menschlicher Gemeinschaft andererseits zum Gegenstand.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit von Philosophen, Theologen und Juristen

Ihre Bearbeitung in den jeweiligen Disziplinen muss daher hineinführen in den umfassenden Zusammenhang des wertsetzenden und wertschätzenden gemeinsamen menschlichen Lebens. Auf verschiedene Weise suchen Philosophie und Theologie diesen Zusammenhang in seiner Ganzheit zu begreifen. Umgekehrt streifen philosophische und theologische Überlegungen zur Quelle intangibler Werte nur die Oberfläche ihres Gegenstands, wenn sie nicht die Tiefe seiner ökonomischen und rechtlichen Wirklichkeit ausloten, die heute einen globalen Maßstab hat. Die Gruppe Intangibles untersucht deshalb interdisziplinär die gegenwärtige Tendenz der Ausdehnung rechtlicher und ökonomischer Begriffe in Bereiche, die in diesen Begriffen als schwer fixierbar erscheinen. Ziel ist es, darin die inneren Brüche und Spannungen des gegenwärtigen Ganzen des gemeinsamen menschlichen wertbezogenen Lebens zu durchdenken.

 

Mitglieder

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Prof. Dr. Christian Berger

Universitätsprofessor

Bürgerliches Recht/Zivilprozessrecht/Urheberrecht
Juridicum
Burgstraße 27, Raum 5.04
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35311
Telefax: +49 341 97-35319

Prof. Dr. Rochus Leonhardt

Prof. Dr. Rochus Leonhardt

Universitätsprofessor

Systematische Theologie/Ethik
Institutsgebäude
Beethovenstraße 25
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35452

Prof. Dr. Sebastian Rödl

Prof. Dr. Sebastian Rödl

Universitätsprofessor

Philosophie mit Schwerpunkt Praktische Philosophie
Geisteswissenschaftliches Zentrum
Beethovenstraße 15, Raum 1105
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35800
Telefax: +49 341 97-35819

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Dr. Michael Aljoscha Frey

Wiss. Mitarbeiter

Wächterstr. 30
04103 Leipzig

Dr. Rebekka Gersbach

Dr. Rebekka Gersbach

Institut für Philosophie
Beethovenstraße 15
04107 Leipzig

Telefon +49 341 97-35814

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Dr. Florian Priesemuth

Wiss. Mitarbeiter

Systematische Theologie/Ethik
Institutsgebäude
Beethovenstraße 25
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35457

Sprechzeiten
n. V.

„Global Health“ (globale Gesundheit) ist gegenwärtig zu einem Leitbegriff politischer Debatten und gesundheitspolitischer Interventionen geworden. Krankheiten haben noch nie vor Ländergrenzen Halt gemacht; Epidemien werden oft in konzertierten Aktionen bekämpft. Doch nicht nur Viren überschreiten Grenzen, sondern auch ganz unterschiedliche Gesundheitskonzepte und – damit eng verknüpft – unterschiedliche Vorstellungen vom Körper (und Geist). Das Leipzig Lab „Global Health“ untersucht aus soziologisch-anthropologischer und geschichtswissenschaftlicher Perspektive, wie sich Konzepte von Gesundheit historisch verändert haben, auf welche Weise diese Vorstellungen global zirkulieren und sich verändern.

Untersuchung von Praktiken der Selbstoptimierung bis zum Abweichen von Gesundheitsidealen

Es geht dem Lab „Global Health“ also darum, die Wandelbarkeit von Gesundheitsvorstellungen deutlich zu machen und aktuelle Entgrenzungsdynamiken des Gesundheitsbegriffs nachzuzeichnen. In letzter Zeit sind zunehmend Praktiken zentral geworden, die auf Wohlbefinden, Wellness sowie auf eine Selbstoptimierung des Körpers abzielen. Krankheit erscheint in Gesellschaften, die auf Prävention und selbstverantwortliche Lebensführung abzielen, geradezu als individuelles Scheitern. Der Verletzlichkeit und Verwundbarkeit von Individuen, aber auch von bestimmten sozialen Gruppen wird dabei nicht ausreichend Rechnung getragen. Außerdem ist ein Abweichen von Gesundheitsidealen dann oft mit großen sozialen Kosten und gesellschaftlichem Ausschluss verbunden – man denke da etwa an das Beispiel Dicksein.

Gesundheitspolitische Interventionen reflektieren und soziale Ungleichheiten adressieren

Die Untersuchung von Verschiebungen im Gesundheitsverständnis und regional unterschiedlichen Vorstellungen von Gesundheit macht deutlich, dass wir es nie mit nur einer Gesundheit, sondern mit ganz unterschiedlichen Gesundheits- und Körperprojekten zu tun haben. Diese gilt es besser zu verstehen, um zum einen gesundheitspolitische Interventionen kontextsensibel reflektieren zu können und zum anderen soziale Ungleichheiten (nicht nur) auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung adressieren zu können.

  • Wie nehmen ganz unterschiedlich situierte Menschen in verschiedenen Regionen die global zirkulierenden Diskurse über Gesundheit und Körperlichkeit wahr?
  • Wie eignen sie sich diese an, um sie für ihr spezifisches Lebensumfeld passfähig zu machen?
  • Und welche Bewertungen erfahren vor diesem Hintergrund unterschiedliche Verhaltensweisen und Körper?

Auf der Basis dieser Forschungsagenda wird die Gruppe „Global Health“ zum einen die gesundheitsbezogene Forschung an der Universität Leipzig durch eine transregionale und globale Perspektive entscheidend erweitern. Zum anderen soll mit dem Thema „Global Health“ auch ein neuer und zukunftsträchtiger Akzent im Profilbereich „Globale Verflechtungen und Vergleiche“ gesetzt werden.

 

Mitglieder

Prof. Dr. Marian Burchardt

Prof. Dr. Marian Burchardt

Universitätsprofessor

Soziologie mit Schwerpunkt Transregionalisierungsprozesse
Geisteswissenschaftliches Zentrum
Beethovenstraße 15, Raum 4107
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35661
Telefax: +49 341 97-35669

Prof. Dr. Maren Möhring

Prof. Dr. Maren Möhring

Universitätsprofessorin

Vgl. Kultur- /Gesellschaftsgeschichte d. modernen Europas (18.-21.Jhd)
Geisteswissenschaftliches Zentrum
Beethovenstraße 15, Raum 5-107
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-35680
Telefax: +49 341 97-35698

Dr. Nina Mackert

Dr. Nina Mackert

Wiss. Mitarbeiterin

Vgl. Kultur- /Gesellschaftsgeschichte d. modernen Europas (18.-21.Jhd)
Geisteswissenschaftliches Zentrum
Beethovenstraße 15, Raum 107
04107 Leipzig

Telefon: +49 341 97-37186

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Dr. Caroline Meier zu Biesen

Wiss. Mitarbeiterin

Soziologie mit Schwerpunkt Transregionalisierungsprozesse
Villa Tillmanns
Wächterstraße 30, Raum 107
04107 Leipzig

Kinder, Jugendliche und Erwachsene für Studie zu Mensch-Tier-Beziehungen gesucht!

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Entwicklung nachhaltiger Beziehungen zur natürlichen Umwelt

  • Warum teilen wir unser Bett mit Hunden und Katzen, aber essen Schweine und Hühner?
  • Warum spenden wir für den Erhalt des Lebensraumes von Orang-Utans, aber ignorieren das Insektensterben?
  • Warum töten wir Fliegen, Wespen oder Mücken, aber zögern bei Schmetterlingen?
  • Warum interessiert uns das Schicksal getöteter Küken, aber nicht das lebenslange Leid von Hühnern in der Massentierhaltung?

Die Beziehungen des Menschen zu anderen Lebewesen ist vielfältig und komplex. Doch sie variieren nicht nur in Abhängigkeit von der Spezies und ob es sich bei dieser um ein Haustier, Nutztier, Schädling, Krankheitsüberträger oder Fressfeind handelt. Die Einstellungen zu ein und derselben Art variieren ebenfalls in Abhängigkeit vom kulturellen Kontext und der kulturspezifischen Rolle einer Art in einer bestimmten Gesellschaft. So werden beispielsweise in Deutschland etwa 3,5 Millionen Rinder pro Jahr geschlachtet, während sie in vielen Teilen Indiens als heilig und damit unantastbar gelten. Während der Hund hier oft Teil der Familie oder gar Sozialpartner ist, lebt der Großteil der Hunde weltweit als ungebundene „Streuner“, werden als unreine Tiere vermieden oder als Delikatesse gegessen. Schimpansen in europäischen Zoos faszinieren Menschen aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu uns selbst, während sie in Uganda als Nahrungskonkurrenten oder sogar Todfeinde gefürchtet und gehasst werden.

Kultur bestimmt Beziehung von Kindern zu Tieren und Umwelt - aber wie?

Wie entsteht diese Vielfalt an unterschiedlichen Beziehungen? Wie entwickeln sich unsere Einstellungen zu anderen Arten im Laufe unseres Lebens? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Labs‘ „Kinder und Natur“. Ziel ist es, die Vielfalt der Beziehungen von Kindern zu ihrer belebten, und auch unbelebten Umwelt, wie zum Beispiel Wasser oder andere Ressourcen in unterschiedlichen kulturellen Kontexten zu erforschen.

Das Lab untersucht, wie sich die kognitiven und emotionalen Einstellungen von Kindern zu anderen Lebewesen vom Vorschulalter bis in die Jugend entwickeln, ob sich diese von den Einstellungen Erwachsener unterscheiden und welche individuellen Faktoren, wie zum Beispiel persönliche Eigenschaften wie Empathiefähigkeit und Temperament, aber auch soziale und religiöse Wertvorstellungen, diesen Entwicklungsprozess prägen. Hierfür werden anthropologisch informierte, kultur-sensitive experimentelle Methoden entwickelt, welche das jeweilige kulturelle Setting berücksichtigen und gleichzeitig den Vergleich kindlicher Beziehungen zu ihrer Umwelt in verschiedenen Orten der Welt ermöglichen. 

Ziel: Entwicklung von Bildungsprogrammen

Langfristiges Ziel ist, aus den Erkenntnissen dieses Projektes kultursensitive Bildungsprogramme zu entwickeln, die respektvolle und nachhaltige Beziehungen von Kindern zu ihrer sozialen und ökologischen Umwelt fördern.

 

Mitglieder

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Prof. Dr. Katja Liebal

Wiss. Mitarbeiterin

Humanbiologie und Primatenkognition
Institutsgebäude
Talstraße 33
04103 Leipzig

Telefon: +49 341 97-30342
Telefax: +49 341 97-36789

Prof. Ph. D. Daniel Benjamin Moritz Haun

Prof. Ph. D. Daniel Benjamin Moritz Haun

Vertretung der Professur

Frühkindliche Entwicklung und Kultur
Jahnallee 59
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97-31871
Telefax: +49 341 97-31879

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Magie Junker

Wissenschaftliche Hilfskraft

Villa Tillmanns
Wächterstraße 30
04107 Leipzig

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Tom Hovehne

Wissenschaftliche Hilfskraft

Villa Tillmanns
Wächterstraße 30
04107 Leipzig

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