Karriere- und Lebenswege sind vielfältig. In unserer Reihe „Alumni im Profil“ berichten Alumni von ihren Erfahrungen aus Studium und Beruf, sie teilen Erinnerungen und persönliche Geschichten. So erhalten Sie interessante Einblicke in die Lebensläufe Ehemaliger unserer Alma mater.

Norma Schroeter

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André Herrmann

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Günter Nooke

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Michael Hacker

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Ann-Elisabeth Wolff

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Ming Cheng

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Katrin Hart

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Rolf Sprink

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Maria Peter

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Abdulaziz Bachouri, Foto: Christian Hüller

 

1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Als ich 2009 nach Leipzig kam, kannte ich niemanden in der Stadt und habe als erstes die Immatrikulationsfeier erlebt. Dort wurde ein ausländischer Student mit dem DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausgezeichnet. Ich erinnere mich, wie ich zu einem meiner Kommilitonen sagte: „Gregor, irgendwann werde ich da unten stehen und diesen Preis gewinnen.“ Das ist mir, Gott sei Dank, 2012 gelungen, auch mit der Unterstützung meiner Kollegen im Student_innenRat, der Mitarbeiter im Akademischen Auslandsamt und meiner Professoren und Dozenten vom Orientalischen Institut.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Die Universität Leipzig war sozusagen mein zweites Zuhause. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen. Ich bin eher praktisch veranlagt und hatte während meines Studiums viele Möglichkeiten, mich auszuprobieren: Zum Beispiel bot ich ein Tutorium in arabischer Phonetik und Konversation für deutsche Abdulaziz Bachouri engagiert sich für die Integration von geflüchteten Kommilitonen an. Bei gutem Wetter saßen wir im Park zusammen und konnten so Theorie und Praxis der arabischen Sprache mit einer angenehmen und entspannten Situation verbinden. Außerdem arbeitete ich an einem Mentoring-Programm mit, das dem kulturellen Austausch diente. Solche Jobs sicherten meinen Lebensunterhalt und brachten mich gleichzeitig in Kontakt mit Menschen, was mir viel Freude bereitete. Ich kann von Glück reden, dass ich diese Möglichkeiten ergreifen konnte.

 

3. Was kam nach dem Studium?

„Lebe und gebe und dir wird gegeben“ ist meine Lebensphilosophie. Nach dem Studium habe ich als freiberuflicher Deutschlehrer und als Dolmetscher gearbeitet und mich zu dieser Zeit bei fast allen Erstaufnahmeeinrichtungen in Leipzig freiwillig engagiert und kulturelle Vorträge und Veranstaltungen organisiert. Es war und ist mir wichtig, arabische Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland gut zu begleiten und auch die beteiligten Mitarbeiter vor Ort zu informieren und zu unterstützen. Durch meine Gesprächsrunden bin ich auf die Arbeit der Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping aufmerksam geworden und wollte gerne in ihrem Geschäftsbereich arbeiten. Als ein Projektkoordinator gesucht wurde, bewarb ich mich und bekam die Stelle. Im letzten Jahr war ich in fast allen sächsischen Landkreisen unterwegs, um eine Schulungsreihe für IntegrationskoordinatorInnen zu betreuen.

 

Abdulaziz Bachouri (Jg. 1986), geboren in Hama (Syrien), kam 2005 nach dem Abitur nach Deutschland und beendete 2016 sein Arabistik-Masterstudium an der Universität Leipzig. Während des Studiums engagierte er sich unter anderem in der Studienkommission im Fach Arabistik und als studentischer Senator im akademischen Senat. Seit Dezember 2016 arbeitet er als Projektkoordinator im Geschäftsbereich für Gleichstellung und Integration im sächsischen Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz.

Leipziger Alumnus mit zwei Eishändler des Chimborazo (Ecuador)
Thomas H. A. Becker, Foto: Lissette Molina de Becker

 

1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Die Vorlesungen in Geschichte bei Herrn Professor Manfred Rudersdorf. Ein Feuerwerk von Intellekt und Witz. Jemand, der sogar den 30-jährigen Krieg unterhaltsam erklären und erzählen kann – ich bin auch freiwillig zu den Vorlesungen gegangen, manchmal mit Freunden, einfach, weil es unterhaltsam und bildend war.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Immer wieder ein Ort, an den ich gern zurückdenke, auch wenn ich das nicht mehr oft schaffe. Zur Verleihung des Preises „Columbus in Silber“ bin ich nach Deutschland gekommen und werde nach längerer Zeit endlich wieder die Alma mater in Leipzig besuchen können.

 

3. Wie lebt und arbeitet es sich in Ecuador im Vergleich zu Deutschland?

Ich lebe jetzt seit 4 Jahren in Guayaquil, einer heißen wilden Metropole am Pazifik. Es gibt einiges, was Deutsche und Ecuadorianer voneinander lernen können. Was ich gerne annehmen würde, ist die Gelassenheit. Wir sind ja im Humboldt-Jahr, der hat angeblich über die Ecuadorianer gesagt:„Die Ecuadorianer sind seltsame und einmalige Wesen: sie schlafen ganz ruhig mitten unter knisternden Vulkanen, sie leben arm inmitten von unermesslichen Reichtümern und sie freuen sich über traurige Musik.“ Alles richtig.

 

Kurzbiografie:

Der Autor Thomas H. A. Becker (42) lebt und arbeitet seit 2015 in Ecuador und hat zuvor u.a. für Thomson Reuters, den Deutschlandfunk und den MDR gearbeitet. Von 1998 bis 2007 hat er an der Universität Leipzig studiert und mit dem 1. Staatsexamen für Lehramt abgeschlossen. Er hat währenddessen mehrere Jahre für das Uniradio mephisto 97.6 gearbeitet, unter anderem als Nachrichtenredakteur und Moderator.

Für sein Radio-Feature über den „Tren Ecuador“ ist Alumnus Thomas H. A. Becker im März 2019 mit dem Columbus in Silber für herausragende Informationen im Bereich Länderporträt ausgezeichnet worden. Die Reportage, die im März 2018 im Norddeutschen Rundfunk (NDR Info) gesendet wurde, begleitet den geschichtsträchtigen „Tren Ecuador“. Er verbindet seit 1908 die Pazifikmetropole Guayaquil mit der Anden-Hauptstadt Quito, der höchstgelegenen Kapitale der Welt. In 450 Kilometern von Null auf fast 4000 Meter Höhe. Präsident Eloy Alfaro wollte eine moderne Verbindung zwischen der Hauptstadt und dem wichtigsten Hafen herstellen, so dass man nicht mehr auf Eseln und Maultieren bis zu 29 Tage für die Reise brauchte.

(Stand: April 2019)

Portrait von Ming Cheng
Ming Cheng, Foto: privat

 

1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Mir fällt vor allem die Studentenfreundlichkeit der Prüfungsämter von Informatik und Sinologie sowie die Flexibilität der Professoren der beiden Fakultäten, an denen ich studiert habe, ein. Namentlich erwähnen und bedanken möchte ich mich hier insbesondere bei Werner Reutter, Corinna Günther, Prof. Ph. D. Philip Clart, PD Dr. Kai Filipiak, Dr. Christian Meyer und Prof. Dr. Stefan Kramer.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für Sie?

Ich habe zwar an vielen verschiedenen Hochschulen studiert, aber wenn man mich nach meiner Ausbildungsstätte fragt, dann spreche ich immer gern von MEINER Universität Leipzig. Das liegt einfach daran, dass ich so viele prägende persönliche Erinnerungen mit der Alma mater Lipsiensis und auch mit der Stadt Leipzig verbinde.

 

3. Gab es Zufälle, Situationen, Begegnungen mit bestimmten Personen, die Ihren beruflichen Werdegang geprägt haben?

Meine Entscheidung in Deutschland zu studieren, hat meinen privaten und beruflichen Werdegang sehr geprägt, denn auf einmal war man nicht mehr ein „Normaler“ unter vielen Chinesen, sondern ein Fremder in einem anderen, fremden Land. Währenddessen ich meinen Kulturschock kognitiv verarbeitete, fing ich an, mir selbst Fragen zu stellen: Was ist überhaupt deine Kultur? Wer bist du eigentlich? Warum denkst du so und die Deutschen so anders? Über sich selbst und über seine Umwelt in dieser Art nachzudenken, das ist anfänglich sehr schmerzhaft, aber dennoch wichtig! Es hilft nicht nur, den Beruf besser zu managen, sondern ist vor allem auch für das Leben selbst relevant. Denn wir arbeiten um zu leben und nicht umgekehrt.

 

Ming Cheng, 1981 in der chinesischen Provinzstadt Tong Ling geboren, kam 2001 nach dem abgeschlossenen Grundstudium in Maschinenbau nach Deutschland, um an der Universität Leipzig Informatik und Sinologie zu studieren. Weitere Aus- und Fortbildungen folgten. Heute ist Ming Cheng als freier Übersetzer und Dolmetscher für Deutsch & Chinesisch, Dozent für Chinesisch sowie Interkultureller Trainer für China und als Sonderbevollmächtigter der Sonderwirtschaftszone Shizishan (VR China) tätig. Zudem tourt Ming Cheng als Sänger und Entertainer durch Deutschland.

www.mingcheng.de

Julia Cissewski, Foto: Orang-utans in Not e.V.


1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Sehr gerne denke ich an meine Zeit im Leipziger Universitätschor zurück. Ich habe die Proben und Konzerte stets als große Bereicherung empfunden, sowohl musikalisch als auch zwischenmenschlich. Heute leite ich den Chor der Leipziger Max-Planck-Institute, bleibe dem Universitätschor jedoch über dessen Freundeskreis verbunden.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) kooperiert aufgrund seiner Interdisziplinarität mit verschiedenen Fakultäten der Universität Leipzig. Weiterhin sind wir mit der Universität über die International Max Planck Research School „The Leipzig School of Human Origins“ verbunden. Die Internationalität des MPIEVA und der Universität Leipzig ermöglicht diese enge Partnerschaft.

 

3. Warum engagieren Sie sich für Orang Utans in Not e. V.?

Die Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht, denn ihr Lebensraum wird zerstört. Das klingt zunächst sehr weit weg. Doch unser Schicksal ist eng mit dem der Orang-Utans verknüpft: Die Regenwaldabholzung setzt gigantische Mengen Kohlenstoff frei, die den Klimawandel befeuern. Und der betrifft uns alle. Stündlich wird weltweit Regenwald einer Fläche von 300 Fußballfeldern allein für Palmöl gerodet. Dieses befindet sich in 50 Prozent unserer Supermarktprodukte und im „Biodiesel“. Jeder kann helfen, den Regenwald zu bewahren: durch bewussten Konsum, durch Ansprechen der Problematik gegenüber Industrie und Politik (z. B. Online-Petitionen) und durch Unterstützung bestehender Initiativen. Gemeinsam kann man etwas bewegen. Die Erfolge unseres Vereins zeigen, dass dies möglich ist.

 

Julia Cissewski (Jg. 1973) studierte Fremdsprachen und betriebswirtschaftslehre (Dipl.) an der Universität Leipzig und der Universidad de Salamanca in Spanien. Seit 1998 ist sie als Assistentin eines der Direktoren des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie tätig. Mit Kollegen gründete sie 2007 den Orang-Utans in Not e.V. und ist seitdem dessen Vorsitzende. Der Verein setzt sich für den Schutz der letzten freilebenden Orang-Utans und des südostasiatischen Regenwaldes ein.

Julia Cissewski gehört zu den Preisträgerinnen der „Goldenen Bild der Frau 2017“ für ihr ehrenamtliches Engagement. Der Verein hat damit die Chance auf einen mit 30.000 Euro dotierten Leserpreis. Hier geht es zur Abstimmung:  www.orang-utans-in-not.org/de/abstimmung

Daniel Eckert-Lindhammer, Foto: Kristen Nijhof


1. Welches Ereignis ihrer Studienzeit ist ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Politikwissenschaft, erstes Semester: Die Vorlesungen zu den Internationalen Beziehungen bei Prof. Elsenhans haben mich geprägt, der Reader war auf Englisch, Französisch, Deutsch. Eine Herausforderung. Und in der Hispanistik war es eine von der DFG geförderte Forschungsreise nach Mexiko mit Prof. de Toro und weiteren 14 Studierenden – der aufregende Beginn und Abschluss einer wunderbaren Studienzeit hier.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für sie?

Heimat! Nach ein paar Jahren in der Privatwirtschaft bin ich vor zwei Jahren an die Universität zurückgekehrt, nun als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Für mich ist dies jedoch kein „Job“ im eigentlichen Sinne, ich sehe es eher als Berufung: Mit einem kleinen Team bin ich für die Internationalen Trainerkurse der Sportwissenschaftlichen Fakultät verantwortlich.

 

3. Welche Bedeutung haben die internationalen Trainer-Kurse für die Universität Leipzig?

Es ist, denke ich, eine besondere und ehrenvolle Sache, über mehr als 20 Jahre mit dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik als Drittmittelgeber für die Internationalen Trainerkurse (ITK) zusammenzuarbeiten. Vorsichtig ausgedrückt, ist es allein finanziell gesehen ein recht großes Drittmittelprojekt der Universität Leipzig. Für die Sportwissenschaftliche Fakultät stellen die ITK die Basis dar für den wichtigen Internationalisierungsprozess, der genau genommen bereits vor 50 Jahren hier am Standort Jahnallee begonnen hat. Darüber hinaus tragen die Trainerkurse wesentlich zum internationalen Bekanntheitsgrad Leipzigs als Sportstadt bei.

 

Daniel Eckert-Lindhammer hat Politikwissenschaft und Hispanistik an der Universität Leipzig studiert und 2008 mit dem Magister Artium abgeschlossen. Bereits vor seinem Abschluss war er selbständiger Unternehmer und hat für internationale Unternehmen im Bereich der neuen Informationstechnologien gearbeitet. Seit 2011 ist er Administrativer Geschäftsführer des Bereichs Internationale Beziehungen der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Er verantwortet die Internationalen Trainerkurse, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern.

Luana Cristina Ferreira dos Santos, Foto: Kirsten Nijhof

 

1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Die schönsten Erinnerungen an meine Studienzeit in Leipzig sind die an die „Familie“, das heißt an die internationalen KommilitonInnen aus der ganzen Welt, die ich im Laufe des Studiums kennengelernt habe. Wir haben mindestens einmal pro Woche gemeinsam die Kursinhalte wiederholt und danach zusammen etwas unternommen: internationales Essen gekocht, Sport gemacht, sind spazieren gegangen, etc. So viele Kulturen unter einem Dach – der interkulturelle Austausch war einzigartig!

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Wenn ich es in einem Wort beschreiben müsste, würde ich es „Chance“ nennen. Meine Alma mater Lipsiensis hat für mich die Türen zu einer neuen Welt geöffnet und dadurch meine „kleine Welt“ verändert. Als ich das Stipendium für mein Weiterbildungsstudium bekam, erkannte ich dies als die größte Chance meines Lebens: Ich war zuvor noch nie im Ausland gewesen und war so höchstmotiviert, meine Perspektive zu ändern und meinen Horizont zu erweitern. Neben den vielen wichtigen fachlichen Kenntnissen habe ich während des Studiums insbesondere auch viele neue Schlüsselkompetenzen entwickelt, die mich in meinem professionellen und privaten Leben weitergebracht haben – dann wollte ich noch mehr davon und habe 2015 mein Promotionsstudium angefangen.

 

3. Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit beim Internationalen Trainerkurs (ITK) erreichen?

Es ist unglaublich, wie eine einzige Person die ganze Welt anderer Menschen ändern kann – und genau das will ich durch unsere Alumni-Arbeit beim ITK erreichen: die Träume und die Motivation unserer Alumni, die die Welt durch Sport ändern wollen, zu verstärken und zu unterstützen. Wenn ich sehe, dass unsere Alumni, die ich betreuen darf, mit ihren Projekten erfolgreich sind, bedeutet dies für mich auch eine persönliche Befriedigung, da ich an die Kraft des Sports zur positiven Veränderung von gesellschaftlichen Strukturen glaube. Die Besonderheit des ITK ist das internationale Netzwerk, das in Leipzig „geboren“ und in den letzten Jahren weltweit immer stärker wurde – die Ideen und Träume der Alumni verbinden und entwickeln sich dank dieses Netzwerkes. Ich bin sehr stolz, meinen Beitrag dafür leisten zu können.

 

Luana Cristina Ferreira dos Santos (Jg. 1987),  geboren in São Bernardo do Campo (Brasilien),  hat ein Studium zur Diplom-Sportlehrerin in Brasilien absolviert, danach erhielt sie 2010 ein Stipendium für die Teilnahme am Internationalen Trainerkurs (ITK) der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Nach dem Abschluss kehrte sie zunächst in ihre Heimat zurück und arbeitete als Sportmanagerin und internationale Dopingkontrolleurin. Seit Juli 2013 ist sie wieder in Leipzig und als Projekt-Koordinatorin für Alumni-Arbeit im Geschäftsbereich Internationale Beziehungen der Sportwissenschaftlichen Fakultät tätig.

Portrait von Michael Hacker
Michael Hacker, Foto: privat

 

1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Das einschneidende Ereignis gab es für mich eigentlich nicht. Neben den Studieninhalten sind es vor allem die unterschiedlichen Menschen und Charaktere, die ich kennengelernt habe – egal ob unter Kommilitonen oder Dozenten. Auch das Auslandsjahr nach dem Grundstudium war bedeutend für mich.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für Sie?

Die Uni Leipzig ist der Ort meiner wissenschaftlichen Ausbildung. Es gibt viele Themen, die mich nach wie vor interessieren. Da ich aber nicht im wissenschaftlichen Betrieb tätig bin, habe ich keinen institutionellen Kontakt zur Uni. Ab und zu schau ich auf der Webseite meines alten Instituts der Kulturwissenschaften.

 

3. Gab es Zufälle, Situationen, Begegnungen mit bestimmten Personen, die Ihren beruflichen Werdegang geprägt haben?

Allein dass ich letztlich an der Universität Leipzig studiert habe, war besonderen Umständen geschuldet. Eigentlich hatte ich mich entschlossen in Marburg zu studieren. Diese Option hatte sich aber aufgrund einer Informationspanne zerschlagen. Mit dem Brief der Uni Leipzig kam dann die Zusage für mein Wunschfach Kulturwissenschaften, die ich dann gerne angenommen habe – eine Entscheidung mit Auswirkungen auf meine Biografie, die ich nie bereut habe.

 

Kurzbiographie:

Michael Hacker studierte von 1999 bis 2006 Kulturwissenschaften, Soziologie und Germanistik an der Universität Leipzig und der Universidad de Salamanca. Er arbeitet als Projektmanager beim Netzwerk Europäische Bewegung Deutschland (www.europaeische-bewegung.de) in Berlin und engagiert sich ehrenamtlich beim Projekt „3te Generation Ostdeutschland“.

www.dritte-generation-ost.de

mail(at)dritte-generation-ost.de

Portrait von Katrin Hart
Katrin Hart, Foto: privat

 

1. Welches Ereignis ihrer Studienzeit ist ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Der erste Tag als achtzehnjährige Studentin in Leipzig ist mir bis heute in „guter“ Erinnerung: Ich erfuhr, dass ich keinen Internatsplatz bekommen kann und mir privat eine Bleibe suchen müsse. Das habe ich zwar geschafft, aber das Zimmer war sehr klein, hatte keine Heizmöglichkeit und die Wirtin im Leipziger Osten war ein Besen. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich mich um existenzielle Probleme selbst kümmern.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für sie?

Leider hat meine Verbindung zur Uni sehr abgenommen. Ich werde natürlich aufmerksam, wenn es um Ausbildungsdefizite und -differenzen geht, wenn die Studenten sich nicht genügend begleitet fühlen, bei den Auseinandersetzungen um den Neubau usw.. Aber ich weiß weder wie die neuen Gebäude von innen aussehen, noch wer wie dort arbeitet. Eigentlich schade, liegt die Uni doch vor der Tür vom Kabarett academixer.

 

3. Sie engagieren sich für die Stiftung Bürger für Leipzig“. Warum?

Bei der Stiftung „Bürger für Leipzig“ gehöre ich zu den Gründern und von Anfang an sollte mein Engagement auch ein Dank sein: Was wären die Künstler ohne ihr Publikum und die Leipziger lieben ihre Kabaretts. Ich will im Gegenzug da mithelfen, wo Initiativen Verstärkung brauchen und helfen, gute Ideen durchzusetzen. Mir gefällt aber auch sehr, dass wir damit an eine lange Tradition anknüpfen, die in Leipzig mit einer gewissen Selbstverständlichkeit in der Stadtgesellschaft vorhanden war.

 

Katrin Hart studierte von 1969 bis 1973 Kultur- und Theater wissenschaft an der Universität Leipzig und ist seit 1969 Mitglied des Leipziger Kabaretts academixer. www.katrinhart.de

Im Jahr 2003 gründeten Bürger die Stiftung „Bürger für Leipzig“, um das soziale und kulturelle Leben sowie das bürgerschaftliche Engagement zu fördern. Seit 2011 wirbt die Stiftung für das Projekt „Ein Garten für Leipzig“. Die Stiftung ist eine Gemeinschaftsstiftung von inzwischen 80 Stiftern und einem Grundkapital von 200.000 Euro. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, mit Zustiftungen den Kreis der Stiftung zu erweitern.

www.buerger-fuer-leipzig.de

Portrait von Andre Herrmann
Andre Herrmann, Foto: Felix Förster

 

1. Welches Ereignis ihrer Studienzeit ist ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Einmal sagte ein Professor: „Denken sie dran: Wer bei Goethe schlendert, ist immer ein Versager.“ seither bin ich immer etwas zügiger gelaufen und habe selbst beim Nichtstun wenigstens noch ein Buch gelesen. ich glaube, das hat geholfen.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für sie?

Zum Schreiben ist und bleibt die Albertina einer der besten Orte. Die Bibliothek ist wunderschön und man fängt automatisch an zu arbeiten, weil man sich nicht in die Riege der vielen Facebook-Surfer einreihen will.

 

3. Welchen Einfluss hat das Studentenleben auf ihre Tätigkeit als Poetry-Slammer?

Früher hat es Themen geliefert, mittlerweile studieren höchstens noch Slammerinnen, die ich treffe. ich freue mich für die Studierenden, dass sie in dieser schönen Stadt studieren dürfen, aber ich bin auch froh, jetzt fertig zu sein.

 

André Herrmann, Studium der Politikwissenschaft an der Universität Leipzig von 2007 – 2013, Gründungsmitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, Organisator des livelyriX Poetry Slams in der Distillery und des Best Of Slams in der MuKo, Teil des legendären Team Totale Zerstörung, das 2011 und 2012 die Deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam gewann. Viele Slamsiege, einige Veröffentlichungen, ein Preis, kein Buch. Führt Leipzigs meistgelesenstes Blog unter www.andreherrmann.de

Porträt Dr. Agneta Jilek
Dr. Agneta Jilek, Foto: Swen Reichhold

 

1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Meine Erasmus-Zeit an der Università di Bologna in Italien war eines meiner schönsten Erlebnisse. Es war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit: Die Kunstschätze, die ich vor allem von den Dias kannte, die wir damals im Studium noch eigenhändig geschoben haben, lagen mir dort zu Füßen. Meine Fakultät war in einem ehemaligen Kloster mit Kreuzgang untergebracht. In Bologna habe ich Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt, himmlisch gegessen und vor allem: Ich war zum ersten Mal auf mich allein gestellt. Obwohl es schon zehn Jahre her ist, träume ich auch heute noch manchmal von dieser Zeit.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Die Uni Leipzig und ich haben eine Beziehung, die nicht enden will. Und das ist gut so. Nach meinem Magister-Abschluss habe ich im PhD-Programm der Graduate School Global and Area Studies zur Fotografiegeschichte der DDR geforscht. Jetzt muss die Alma mater mich nicht mehr mit Wissen nähren, sondern in gewisser Weise kann ich sie nun unterstützen, indem ich ihr Netzwerk internationaler Alumni betreue.

 

3. Was reizt Sie an der Arbeit mit den internationalen Alumni?

Es sind zwei Aspekte, die mich ganz besonders an der Arbeit reizen. Zum einen ist es der internationale Charakter der Arbeit: Ich halte den Kontakt zu ehemaligen Studierenden, Forschenden und Lehrenden aus der ganzen Welt. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen rechtsgerichtete Strömungen weltweit an Zuspruch gewinnen und Staaten sich abschotten, ist Internationalisierung und Diversität an den Universitäten wichtiger denn je. Zum anderen ist es eine emotionale Arbeit von Mensch zu Mensch, bei der ich mich mit neuen Projekten rund um die Alumni-Arbeit kreativ entfalten kann.

 

Agneta Jilek (Jg. 1981), studierte Kunstgeschichte, Journalistik und Anglistik an der Uni Leipzig und der Universität di Bologna (m.A.). Ihr Promotionsprojekt an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und der graduate school global and Area studies schrieb sie im Bereich Fotogeschichte. seit Dezember 2016 leitet sie das Projekt Leipzig Alumni International der Uni Leipzig. Das weltweite Netzwerk internationaler Alumni der Universität Leipzig ist im Akademischen Auslandsamt angesiedelt.

Sabine Krebs, Foto: privat


1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Meine ersten beiden Studienjahre von 1990 an waren eigentlich ein einziger Umbruch. Im persönlichen Leben, an der Uni, einfach überall. Wie alle Ex-DDR-Bürger wurde ich quasi von heute auf morgen in ein völlig neues Leben katapultiert. Aber ich habe das als ungeheure Chance begriffen. Wir mussten alles improvisieren, die Seminare, die Vorlesungen. Und es gab die Sorge um die Fakultät, die abgewickelt werden sollte. Viele haben damals für den Erhalt gekämpft. Gott sei Dank.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Heute bin ich froh, in Leipzig studiert zu haben. Ich mag die Stadt. So etwas wie diese euphorischen Jahre des Aufbruchs habe ich so nicht wieder erlebt. Und es hat ungeheuer zusammengeschweißt. Wer in diesen Jahren durchgehalten hat, war zäh. Auch wenn wir in alle Winde verstreut sind, die Freundschaften von damals sind geblieben.

 

3. Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?

Nach so vielen Jahren im Journalismus bin ich immer noch neugierig auf Menschen, Orte und Ereignisse. Ich bin froh, beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen meine journalistische Heimat gefunden zu haben. Bessere Nachrichten und Informationen wird man in Deutschland nicht finden. Ich kenne die meisten Korrespondenten persönlich. Das fühlt sich oft wie eine große Familie an. Manchmal, wenn ich nach einem Telefonat mit Washington oder Athen den Hörer auflege, denke ich: „Was für ein toller Job!“ Aber der Journalismus ist heute auch ein hartes Brot. Viele gute junge Kollegen arbeiten in prekären Verhältnissen und haben lediglich Zeitverträge. Vieles verschiebt sich in Richtung Online-Journalismus. Doch wer heute studiert, wird definitiv seinen Platz finden. Die Menschen wollen Informationen, gut recherchierte Geschichten, Hintergründe. Als Journalist muss man das große Ganze sehen. Ganz wichtig: zuhören und reisen. Ich war – dank einiger Stipendien – viel im Ausland, in den USA, auf den Philippinen, in China. In diesem Jahr war ich für einen Monat im ARD-Studio Moskau. Das schärft unheimlich den Blick.

 

Sabine Krebs (45) wurde im sächsischen Löbau geboren und hat von 1990 bis 1995 Diplom-Journalistik mit Nebenfach Politikwissenschaft an der Universität Leipzig studiert. Als Chefin vom Dienst bei den ARD Tagesthemen ist sie jeweils eine Woche lang für die inhaltliche und thematische Ausrichtung der Sendung zuständig, entwickelt und plant die Themen und Beiträge, bleibt in Kontakt mit den Korrespondenten und nimmt kurz vor der Sendung Stücke und Moderationen ab. Für ihren Traumberuf pendelt sie seit 8 Jahren von Leipzig nach Hamburg.

Dr. Ronny Maik Leder, Foto: GoldenEye Fotostudio Leipzig


1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Nun es ist weniger ein Ereignis, als vielmehr mehrere Ereignisse, die alle dem gleichen Ziel folgten: Die naturwissenschaftliche Ausbildung an der Alma mater Lipsiensis so vielfältig und praxisbezogen wie möglich zu gestalten. Die Rede ist von den zahlreichen biologischen und geologisch-paläontologischen Exkursionen, von denen in den aktuellen, ohnehin reichlich beschnittenen Bachelor- und Masterstudiengängen der Geo- und Biowissenschaften kaum noch etwas übrig geblieben ist. Ein großer Fehler, wie ich finde.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Die Universität Leipzig, das Institut für Geophysik und Geologie in der Talstraße und ganz speziell die Geologisch-Paläontologische Sammlung sind meine akademische Heimat. Hier bekam ich das Rüstzeug für meine berufliche Karriere in die Hand, was mich zu großem Dank verpflichtet.

 

3. Was sind Ihre Visionen als Direktor des Leipziger Naturkundemuseums?

Aufzusteigen in die Riege der Top-Naturkundemuseen Deutschlands und damit den Leipzigern und den Gästen der Stadt eine Institution zu bieten, die sie begeistert, zum Staunen bringt und mit Stolz erfüllt. Die Kulturmetropole Leipzig schreit danach und braucht dringend endlich ein adäquates Naturkundemuseum, das weit über die Region hinaus von Bedeutung ist.

 

Dr. Ronny Maik Leder (Jg. 1977) studierte von 2000 bis 2005 Geologie und Paläontologie an der Universität Leipzig und war dort bis 2014 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Geologisch-Paläontologischen Sammlung. Der gebürtige Ilmenauer lebt seit 1996 in Leipzig und ist seit Ende 2016 neuer Direktor des Leipziger Naturkundemuseums. Zuvor war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Post Doc am Museum of Natural History an der Universität Florida tätig.

Thomas Liebecke, Foto: Berodi


1. Welches Ereignis ihrer Studienzeit ist ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Prof. Udolph, der hektisch in den Büros Nachschlagewerke wälzte, um innerhalb von drei Songs Namen für sein regelmäßiges Radiointerview aufzulösen – das ist vielleicht das Bild, das mir am deutlichsten in Erinnerung geblieben ist. Als studentischer Mitarbeiter am Lehrstuhl erlebte ich hautnah mit, wie dem Fach wachsende mediale Aufmerksamkeit zukam, die irgendwann dazu führte, dass die Namenkunde mit einem Numerus Clausus belegt wurde. Immerhin, in meinem Jahrgang herrschte noch eine fast familiäre Atmosphäre, so dass ein enger Draht zu den Lehrkräften möglich war.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für sie?

Man kommt einfach nicht an ihr vorbei. 2011 kam ich nach einigen Jahren Auslandsaufenthalt wieder nach Leipzig zurück und bin seither immer wieder im Rahmen verschiedener Projekte mit Mitarbeitern der Uni in Kontakt gekommen, sei es der Career Service oder die Erziehungswissenschaftliche Fakultät. Und der Draht zu Mitarbeitern am Namenkundlichen Zentrum ist über die Jahre auch erhalten geblieben. Umso bedauerlicher finde ich es, dass Leipzig – einst Zentrum der deutschsprachigen Onomastik – die Namenkunde aufgeben wird.

 

3. Welche Tipps geben sie Personen, die mehr über Ihren Namen erfahren wollen?

Ein Ausflug in die Bibliothek kann bereits viele Fragen klären. Es gibt, z. B. auch in der Universitätsbibliothek, etliche gute Nachschlagewerke, in denen die gängigsten Familiennamen erläutert sind. Und bei schwierigeren Fällen hilft gern auch die Namenberatungsstelle an der Universität weiter (im Gebäude der Philologischen Fakultät, Beethovenstr. 7, 4. Etage).

 

Thomas Liebecke schloss 2004 ein philologisches Studium an der Universität Leipzig ab (Amerikanistik, Deutsch als Fremdsprache/ DaF, Namenkunde). Anschließend arbeitete er in Australien, dann in Malaysia als Dozent (DaF, Englisch, Persönliche Entwicklungsplanung). Seit 2011 ist er in Leipzig in Projekten im Bildungsbereich beschäftigt. Nebenberuflich ist er als Namenkundler tätig und betreibt seit 2004 die Plattform www.onomastik.com.

Bernhard Maaz, Foto: Haydar Koyupinar


1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Das spannendste Geschehen trug sich während meiner Studienzeit im November 1984 im Messehaus am Rathaus zu, als Lutz Dammbeck, Hans Hendrik Grimmling, Günther Huniat und einige andere entschiedene Künstler den „1. Leipziger Herbstsalon“ ausrichteten, ein gewitzter, strategisch kluger Akt, denn sie zeigten ihre Kunst außerhalb der offiziellen Bahnen. Oder war doch die Lesung von Endler in der Galerie Eigen + Art wichtiger, bei Judy Lybke? Es gab ein Leben jenseits: Jenseits von Museen und Universität, und es gab viele gute Gespräche in unserem besetzten Haus in der Judith-Auer-Straße, mit Cornelia B., Thomas K., Philine B. und anderen. Ich verdanke ihnen viel. Der Rest der prägenden Momente rührte her von der Abendöffnung der Deutschen Bücherei, denn das war ein weiterer offener Ort, an dem die Bücher aller deutschen Verlage erreichbar waren: Das Lese-Paradies, an dem wir uns als Studenten stundenlang über Gott und die Welt austauschen konnten.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Das ist so eine Sache, wenn man seit drei Jahrzehnten voneinander getrennt ist: Ich weiß, auch dort sind viele kluge Köpfe, aber nach meinen Stationen in Berlin, Dresden und München habe ich den Kontakt etwas verloren und sind neue, wiederum anregende universitäre Kontakte an all diesen Orten entstanden. Doch wer weiß, was noch kommt? Ich habe jedenfalls wahrgenommen, mit welch entschiedener Geste durch das Paulinum eine beherzte Verjüngung – und gottlob nicht Restauration – betrieben wurde.

 

3. Welches ist Ihr Lieblingskunstwerk?

Momentan Goethes Faust: „Nichts bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, wenn hinten, weit, in der Türkei die Völker aufeinander schlagen. Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten, dann kehrt man abends froh nach Haus, und segnet Fried´ und Friedenszeiten.“ Unglaublich, was der Alte von Weimar, als er noch jung war und in Leipzig studiert hatte, über die vor-globalisierte Welt wusste und wie das bis heute an Gültigkeit nicht verliert, wie er die Mentalität des Wegsehens geißelte und die patriotische Gemütlichkeit, den politischen Regionalismus und die Ignoranz gegenüber der Ferne. Warum ist Goethe eigentlich nicht in Sachsen geblieben?

 

Dr. Bernhard Maaz (54) hat von 1981 bis 1986 Kunstwissenschaften mit Nebenfach Archäologie an der Universität Leipzig und in Berlin studiert.  Nach dem Studium war er ab 1986 bei den Staatlichen Museen Berlin tätig und wurde 2003 Leiter der Alten Nationalgalerie. Von 2010 bis 2015 leitete er die Gemäldegalerie Alte Meister und das Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Seit 2015 ist Bernhard Maaz Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, zu denen die Münchner Pinakotheken und zahlreiche weitere Museen und Sammlungen gehören.

Portrait von Günter Nooke
Günter Nooke, Foto: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

 

1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Die Algebraprüfung im Januar 1981. Es war unsere erste mündliche Prüfung am Ende des ersten Semesters. Und Professor Günther Eisenreich war gefürchtet (Einführung komplexer Zahlen in sieben Minuten am Ende einer Vorlesung oder wenn die Zeit zum Tafelwischen knapp wurde, schrieb er auch mal mit anderer Kreide weiter: Ab jetzt gilt blau!). Es sind wie üblich sehr viele durchgefallen, auch wirklich gute Leute. Ich hatte wahnsinniges Glück. In unserer Dreiergruppe – zwei Einsen, eine Vier – waren alle absolut happy. Ich bin danach gut durchgekommen. Sicher gibt es notwendige Voraussetzungen, die den Ausgang eines Studiums beeinflussen. Aber nichts ist so hinreichend wie Glück.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für Sie?

Eine über 600 Jahre alte Universität mit vielen großen Namen erzeugt bei mir Ehrfurcht. Es war und ist meine Uni. Wie hoffentlich jede und jeder, will ich auch weiter stolz sein können auf meine Uni. Aktuell: Bei den „Afrikanern“ muss ich endlich mal einen Antrittsbesuch machen.

 

3. Gab es Zufälle, Situationen, Begegnungen mit bestimmten Personen, die Ihren beruflichen Werdegang geprägt haben?

Zur 150-Jahr-Feier des Physikalischen Instituts kamen die großen Physiker, die wir sonst nur aus alten Büchern und den Zitationslisten kannten, in die Linnéstraße 5. Für uns Studenten waren Reisen in den anderen Teil Deutschlands damals unmöglich. Auch Carl Friedrich von Weizsäcker nahm sich viel Zeit für seine alte Universität, wo er schon 1933 – im Alter von 21 Jahren – promoviert wurde und sich 1936 bei Werner Heisenberg habilitierte. Sein Weltbild der Physik hat mich und mein Denken entscheidend geprägt. Sein Leben und Wirken zwischen Physik und Philosophie, zwischen Religion und Politik ist auch heute äußerst interessant. Wenn wir seine Schlussfolgerungen aus der Interpretation der Quantentheorie ernst nähmen, würde sich das Denken vieler Fakultäten und unser Leben verändern. Eins der vielen Bücher von ihm im Regal nebenan trägt den Titel „Der bedrohte Friede“. Als er mich fragte, woher ich das habe, war ich nicht ganz ehrlich. Meine Frau hatte es kurz zuvor für mich auf der Buchmesse geklaut. Die Widmung ist unscheinbar: „CFWeizsäcker Leipzig, 28.3.85“.

 

Nooke ist persönlicher Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Afrikabeauftragter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Von 2006 bis März 2010 war er Beauftragter für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe der Bundesregierung.

Portrait von Maria Peter
Maria Peter

 

1. Welches Ereignis ihrer Studienzeit ist ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Zwei Ereignisse aus der Studentenzeit in Leipzig haben mein Leben geprägt: zunächst die weltoffene Atmosphäre an der Uni. Im Internat in der Nürnberger Straße wohnten 600 Studenten aus 82 Ländern unter einem Dach. Unser „Heimkomitee“ vertrat eher Kontinente als Nationen, für Europa war ich dort zuständig. Das andere Ereignis war weniger erfreulich: Unvergessen bleibt mir der 30. Mai 1968, als ich mit zahlreichen Kommilitonen ratlos zusehen musste, wie unsere Universitätskirche in Schutt und Asche fiel.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für Sie?

Mit der Uni bin ich praktisch seit 1966 bis heute eng verbunden. Hier fand ich auch mein privates und mein berufliches Glück. Mit meinen (ehemaligen) Studenten oder auch Kollegen arbeite ich an manchen Projekten des Europa­Hauses zusammen. Für Studenten, aber auch für Senioren der Uni Leipzig organisieren wir Studienreisen nach Brüssel, Straßburg, und bereits zum zweiten Mal ist ein ehemaliger Student von mir Geschäftsführer des Europa­Hauses.

 

3. Stichwort „Europa-Haus“– Was bietet das Europa-Haus den Leipzigern?

Europa gehört nun mal in unsere Lebensplanung, sei es beruflich oder privat. Das Europa­Haus bietet verwertbare Informationen, europabezogene Bildung und internationale Begegnungen mit Menschen aus ganz Europa. Wir sind stets bemüht, den Begriff „Europa“ mit Leben zu erfüllen und somit Sinn und Nutzen der europäischen Integration zu verdeutlichen. Seit 1992 existiert an unserem Europa-Haus das offizielle EU­Informationszentrum „Europe Direct“, das allen Bürgern Leipzigs kostenlose Informationen und Beratung anbietet.

 

Dr. Grazyna-Maria Peter (67) kam 1966 als Stipendiatin aus Warschau nach Leipzig, wo sie 1968 Germanistik und 1970 Journalistik abgeschlossen hat. Bis 1995 hatte sie eine Festanstellung an der Universität Leipzig (Sektion Journalistik und Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft), danach war sie als Honorardozentin und Journalistin tätig. 1990 gründete sie den Europa-Haus Leipzig e.V., in dem sie sich bis heute als stellvertretende Vorstands vorsitzende und Projektleiterin engagiert.

www.europa-haus-leipzig.de

peter@europa-haus-leipzig.de

Sebastian Ritschel, Foto: Pawel Sosnowski


1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Der Beginn meines Studiums und die Begegnung mit Leipzig war durch einen goldenen Herbst mit traumhaftem Wetter geprägt. Schnell war ich in „meinem“ Leipzig zuhause und das Pendeln zwischen den Instituten – dem Roten Kolleg in der Ritterstraße und dem Mendelssohn-Haus in der Goldschmidtstraße – gehörte zum täglichen „Sportprogramm“. Die Arbeit als Hilfskraft in der Musikbibliothek der Musikwissenschaft und die Begegnung mit deren damaliger Leiterin Christine Thiemann ist eine bis heute unvergessliche Erfahrung. Lebhaft in Erinnerung sind mir auch die Gründung der Initiative KITO („Kultur InterakTiv Organisiert“) mit Professor Bernd Franke sowie der musikpraktische Unterricht im Krochhochhaus.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Die Universität und auch die Stadt Leipzig sind für mich emotionale Orte, an die ich in regelmäßigen Abständen gern zurückkehre. Während des Studiums sind wunderbare Freundschaften und persönliche Verbindungen entstanden, die den Kontakt zu meinem ehemaligen Studienort nicht abreißen lassen. In meiner heutigen Funktion als Operndirektor der Landesbühnen Sachsen suche ich den engen Austausch mit dem „Centre of Competence“ der Leipziger Theaterwissenschaft. Neben meiner regel mäßigen Unterrichtstätigkeit an der Hochschule für Musik in Dresden möchte ich gemeinsam mit meinem ehemaligen Institut versuchen, den musiktheatralen Teil des Studiums „nah an der Praxis“ zu verorten. Privat ist die Universität Leipzig der Ort, an dem ich meinen Partner kennen und lieben gelernt habe, mit dem ich nun seit über 15 Jahren zusammen bin.

 

3. Erzählen Sie uns etwas über Ihr aktuelles Bühnenprojekt?

Nachdem die Premiere der deutschen Erstaufführung von „The Light in the Piazza“ Ende September hinter mir liegt, bereite ich mich gerade auf die Inszenierung der Operette „Polnische Hochzeit“ von Joseph Beer vor, die am 8. Dezember an der Oper Graz Premiere feiern wird. Ein Projekt, auf das ich mich sehr freue, denn dieses großartige Stück ist seit fast 80 Jahren nicht mehr gespielt worden. Diese Rarität erneut zum Leben zu erwecken, ist eine große Ehre und auch eine enorme Verantwortung. Parallel geht meine Arbeit an den Vorbereitungen für die Saison 2019/20 voran – es wird spannende Produktionen zum 90. Geburtstag von Stephen Sondheim und zum 70. Todestag von Kurt Weill geben.

 

Kurzbiografie Sebastian Ritschel wurde 1980 in Düsseldorf geboren und studierte von 2001 bis 2006 Musik- und Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig. Seit der Spielzeit 2017/18 ist er Operndirektor der Landesbühnen Sachsen. Neben seinem Festengagement ist er auch als freier Regisseur und Ausstatter für Oper, Operette und Musical tätig. 2018/2019 sind u. a. Inszenierungen von „Polnische Hochzeit“ (Graz),  „Die Liebe zu den drei Orangen“ (Münster) und  „My Fair Lady“ (Dresden) geplant. 

www.sebastianritschel.com

René Rudorisch, Foto: privat


1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Das allererste hängengebliebene Ereignis lag eigentlich schon vor meiner Studienzeit. Nämlich im Rahmen des Eignungstests. Sportverrückt wie meine Familie und ich schon immer waren, schlauchte mich und meinen mitfiebernden Vater der Tag total und die abschließenden 3.000 Meter in praller Sonne werde ich wohl nie vergessen. Im Studium selbst gab es viele positive Erlebnisse, nette Kollegen und stets das ganz besondere Flair eines Sportstudiums mit praktischen und theoretischen Ausbildungen im Wechsel. Hier ist zudem der abschließende Gerätturn-Mehrkampf zu nennen. Speziell für die männlichen Teilnehmer ist dieser vor den anwesenden Zuschauern immer ein Erlebnis.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Ich habe leider viel zu wenig Zeit dazu, aber ich komme stets sehr gern vor allem an die Sportwissenschaftliche Fakultät zurück. Das Studium dort war für mich der wichtige Türöffner in den Verwaltungsbereich des Sports hinein. Während des  Studiums habe ich bereits mein Praktikum beim ETC Crimmitschau im Eishockey absolviert und war dann insgesamt 13 Jahre bei den Westsachsen, drei Jahre als Praktikant, zehn Jahre angestellt, davon sieben Jahre als Geschäftsführer. Von dort aus ging es dann in die Ligagesellschaft.

 

3. Sportmanager ist für mich mehr als nur ein Job, weil …

die Mischung zwischen Wettkampfemotionen, dem Produkt der Arbeit, und dem wirtschaftlichen Tagesgeschäft in keinem anderen Bereich eine derartige Wechselwirkung erlebt. Zudem verläuft die Tätigkeit auf Grund des öffentlichen Interesses und der täglichen Arbeit mit den Medien so dynamisch wie kaum irgendwo sonst. Man kann sich geehrt schätzen, im Sport, arbeiten zu dürfen.

 

René Rudorisch (38) absolvierte von 1998 bis 2004 ein sportwissenschaftliches Studium an der Universität Leipzig mit dem Schwerpunkt Sportmanagement. Bereits 2001 kam er über ein studienbegleitendes Praktikum im Bereich Öffentlichkeitsarbeit zum Eishockey- & Tennisclub Crimmitschau e.V., ab 2008 war er Geschäftsführer der Eispiraten mit dem Spielbetrieb in der 2. Eishockey Bundesliga. Seit mittlerweile zwei Jahren ist er der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga 2 mit Sitz in Neuss.

Sophia Ruppert, Foto: Andreas Küster


1. Welches Ereignis ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Ein spezielles Ereignis gab es nicht. In meinen ersten Semestern habe ich gelegentlich den Fachschaftsrat KMW unterstützt. Zum gewählten Mitglied hatte es leider nicht gereicht, aber zum Beispiel die Mitorganisation der Ersti-Tage hat mir viel Spaß gemacht. Außerdem habe ich selbst in meinen ersten Wochen an der Uni gemerkt, wie wichtig es ist, über solche Angebote direkten Anschluss zu den Kommilitonen zu finden, gerade wenn man auch neu in der Stadt ist.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für sie?

Die Uni Leipzig bedeutet für mich immer noch Zukunft. Ich bewerbe mich gerade auf einen Masterstudienplatz und hoffe, dass ich noch weiter hier lernen kann. Bis dahin blicke ich jeden Tag aus dem Bürofenster direkt auf das Unigebäude. Ich kann sie also gar nicht vergessen.

 

3. Welchen Veranstaltungstipp möchten sie unseren Alumni mit auf den Weg geben?

Ich mag die Stadt Leipzig besonders wegen ihrer kulturellen Vielfalt und bin stolz, derzeit Teil der Planung eines Kultur-Highlights in diesem Jahr zu sein. Zum ersten Mal seit vier Jahren veranstaltet das Gewandhaus wieder die Klassik Airleben-Konzerte im Rosental. Jeder kann mit Freunden und Bekannten auf die große Rosentalwiese kommen und dazu klassische Musik genießen. Dank der Unterstützung unserer Partner ist der Eintritt an beiden Abenden frei. Am 11. Juli wird uns das Gewandhausorchester mit Musik aus Film und Musical in die Theater des Londoner Westends entführen. Am 12. Juli spielen die Musiker Klassik-Hits der Londoner „Last Night of the Proms“. Los geht es jeweils 20 Uhr. Das sollte man sich schon jetzt fest im Kalender markieren. Vielleicht ist es für manch ehemaligen Leipziger auch ein Grund, mal wieder in die schöne Studienstadt zu kommen.

 

Sophia Ruppert hat von 2010 bis 2014 Kommunikations- und Medienwissenschaft und Anglistik an der Universität Leipzig studiert. Im Anschluss an den Bachelor hat sie sich für ein Praxisjahr im Marketingbereich entschlossen und ist im Gewandhaus zu Leipzig tätig. Hier unterstützt sie unter anderem die Organisation von Sonderveranstaltungen wie die Klassik airleben-Konzerte.

Portrait von Norma Schroeter
Norma Schroeter, Foto: Marcus Witte

 

1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Ich erinnere mich an viele verschiedene Dozenten, die mich motiviert haben, einen Schritt weiterzudenken, nicht aufzugeben und weiterzumachen. Einmalig war, dass mir Professor Dr. Helmut Loos die Möglichkeit bot, Eigenkompositionen vor dem Rektorat der Universität vorzustellen.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für Sie?

In einem Großteil meiner Studienarbeiten bis hin zur Magisterarbeit behandelte ich Themen, die mich auch heute noch bewegen. Sie brachten mich dazu, eine Pädagogische Konzeption mit dem Titel „Klangkolorit“ zu verfassen, die die gesamte Erfahrung aus Studium und Praktika in den Bereichen Hörspiel, Theater und Musikredaktion inne hat. Ich schöpfe viel Kraft aus den Erfahrungen, die ich an der Universität Leipzig gemacht habe und die ich für das geplante Modellprojekt „Klangkolorit“ aktiv umsetzen und nutzen kann.

 

3. Sie arbeiten eng mit der Kontaktstelle Kreativwirtschaft in Leipzig zusammen. Warum?

Da die Kontaktstelle Kreativwirtschaft den immanenten Zugriff auf Informationen und Kulturschaffende möglich macht, ist es für meine Arbeit und das „Klangkolorit“ nützlich zu erfahren, an welche Stellen man sich in Leipzig wenden kann, die in ähnlicher Richtung arbeiten und vergleichbare Ziele verfolgen. Kreativwirtschaft ist so breitgefächert wie die Kunst selbst: Von daher erhoffe ich mir neue Kontakte mit anderen Alumni, spannende Projekte und damit alternative Ansätze der Zusammenarbeit im Bereich der kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche. Hoffentlich kann man mit der Kontaktstelle Kreativwirtschaft die Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Kreativen und Initiativen konstruktiver verbinden und zukünftig in Projekten intensivieren.

 

Norma Schroeter, 1979 in Nordhausen am Harz geboren, hat 2006 das Studium der Musikwissenschaft und Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig abgeschlossen.

Die Kontaktstelle Kreativwirtschaft ist Anlaufplattform für die Kreativ-Tätigen in Leipzig. Sie informiert, vermittelt und berät an der Schnittstelle von Kreativakteur, Verwaltung und einem Netzwerk an Experten unterschiedlichster Themenbereiche.

Doreen Seider, Foto: privat


1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Experimentalphysik I und II bei Prof. Dr. Kärger. Ich hatte Physik im Nebenfach und diese Lehrveranstaltungen waren immer voller Experimente und voller Spaß an der Physik. Oft kam ich mir wie ein begeisterter Zuschauer der Knoff-Hoff-Show vor. Der Höhepunkt war die Weihnachtsvorlesung mit Glühwein und einer wunderbaren Physik-Show.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für Sie?

Immer wenn ich in Leipzig bin, zieht es mich zur Uni. Ich gehe dann zum Augustusplatz, weil ich mit dem Ort viele schöne Erinnerungen verbinde. Die Tiefgarage für Fahrräder begeistert mich dann zum Beispiel immer wieder. Als leidenschaftliche Radfahrerin finde ich das einfach schön, wenn dem Fahrrad so ein Stellenwert eingeräumt wird. Leider wurde sie erst gebaut, als ich mit dem Studium schon fertig war.

 

3. Was wünschen Sie sich für die Informatik?

In meinem Beruf entwickle ich einen Großteil meiner Zeit Software. Vor allem aus jetziger Sicht wünsche ich mir für die Informatik, dass die Disziplin des Software Engineerings während des Studiums intensiver berücksichtigt wird. Software Engineering umfasst alle Disziplinen, die notwendig sind, um eine Software zu erstellen. Das ist sehr vielfältig und viel mehr als Programmieren, denn Softwareingenieure haben es mit einem komplexen Prozess aus Softwarearchitektur, automatisierten Tests oder Anforderungsmanagement zu tun. Nur wenn der gesamte Prozess verstanden wird, führt er zu einer funktionierenden und stabilen Lösung. In fast jedem Bereich wird heutzutage Software eingesetzt. Wir brauchen also gute und innovative Softwareingenieure, die unsere Welt mit Software bereichern, die funktioniert und Spaß macht!

 

Doreen Seider (32) stammt aus Berlin und hat von 2005 bis 2007 den Master-Studiengang Informatik an der Universität Leipzig absolviert. Direkt danach begann sie ihre berufliche Laufbahn am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. in Köln. Als Leiterin einer Forschergruppe in der Einrichtung Simulations- und Softwaretechnik entwickelt sie unter anderem Software, mit der Ingenieure an verschiedenen Standorten in Deutschland gemeinsam neue Flugzeuge, Satelliten oder Launcher für Raumfahrzeuge entwerfen.

Portrait von Rolf Sprink
Rolf Sprink, Foto: privat

 

1. Welches Ereignis ihrer Studienzeit ist ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Weniger ein Ereignis, mehr ein Erlebnis: Zum ersten Mal bestand täglich enger persönlicher Kontakt zu jungen Leuten aus anderen Ländern. In unserem Institut studierten mehr Ausländer als Deutsche – aus Palästina, Syrien, Mali, Venezuela, USA, Norwegen, Peru, Sudan ... Freundschaften „durch dick und dünn“ entstanden, eine zu einem syrischen Kommilitonen hält bis heute an.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für sie?

Mit ihrem neuen Campus einschließlich Paulinum und Universitätskirche bildet sie einen architektonischen Mittelpunkt unserer Stadt, aber sie zeichnet sich auch als wichtiger Impulsgeber für das geistige und wissenschaftliche Leben aus. Manchmal wünschte ich mir  mehr Ausstrahlung und Einbringung in die öffentlichen Angelegenheiten Leipzigs. Im zuende gegangenen Sommersemester hat sich die Volkshochschule mit einem „Nachgespräch“ erstmals am Studium universale der Universität beteiligt. Auch sonst existieren zahlreiche Kooperationen, durchaus an enge historische Arbeitsverbindungen anknüpfend.

 

3. Stichwort „Lebenslanges Lernen“ – Was können sie empfehlen?

Ich empfehle: Lust auf Lernen und die prinzipielle Neugierde auf Neues. Lernen ist ein Lebenselexier, erweitert den Horizont, stärkt Kompetenzen, befähigt zu einem selbstbestimmten Leben, macht Spaß und führt mit gleichgesinnten Menschen zusammen. Diese Erfahrung mache ich in meiner Arbeit in der Volkshochschule täglich. Und Lernen hält fit – das beweist die fröhliche Aufgewecktheit in den Kursen „älterer Semester“…

 

Rolf Sprink, 1950 in Görlitz geboren, Dipl.-Ethnologe, studierte 1968 bis 1973 Ethnologie und Soziologie am Julius Lips-Institut der Uni Leipzig. Anschließend war er Verlagslektor, 1990 Mitbegründer des Forum Verlags Leipzig und ab 1993 Referent der Ökumenischen Stadtakademie. Leiter der Volkshochschule war er von 1996  bis 2015.

Bernhard Stief, Foto: C. Bader


1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Für mich war die Studienzeit ein großer Gewinn. Nachdem mir in der DDR-Zeit viele Bildungswege verbaut worden waren, konnte ich ab 1990 endlich meinen Wissenshunger stillen. Neben der Theologie hat mir vor allem die Beschäftigung mit der Kirchengeschichte, die immer auch mit der Welt verknüpft ist, Freude gemacht. Eine ernsthafte Herausforderung war mir die ungewohnte freie Studiengestaltung, durch die ich aber viel über Selbstorganisation lernen konnte. All das sind Dinge, für die ich im Nachhinein sehr dankbar bin.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Leipzig ist eine junge und dynamische Stadt, was sie vor allem ihrer Bedeutung als Universitätsstadt zu verdanken hat. Als solche ist sie auch Vermittler im Umgang mit verschiedenen Nationen, Kulturen und Religionen. Über den Weg der Bildung lernen Menschen nicht nur miteinander, sondern auch über- und voneinander. Diese Weltoffenheit gefällt mir und lässt mich gern hier wohnen. Schließlich ist die Universität Leipzig eine Universität mit Geschichte, die zwar auch ihre Brüche hatte, aber dennoch auf eine Reihe bedeutender Lehrer und Errungenschaften zurückblicken kann und wird.

 

3. Was wünschen Sie der Nikolaikirche zum 850. Geburtstag?

Ich wünsche der Nikolaikirche, dass sie als Gebäude erhalten, gepflegt und bewahrt wird. Sie ist ja die älteste noch erhaltene Kirche in der Stadt und damit auch interessant für Denkmalpflege, Forschung und Wissenschaft. Dennoch lebt sie von den Menschen, die in ihr Gottesdienst feiern, Friedensgebet halten und Musik treiben. Daher ist es auch mein Wunsch, dass die Nikolaikirche weiterhin von einer lebendigen Gemeinde genutzt wird und so in Stadt und Land ausstrahlt. Die Friedensgebete, die seit 1982 untrennbar mit der Nikolaikirche verbunden sind, mögen auch weiterhin zu Gewaltverzicht, Freiheit und Gerechtigkeit ermutigen.

 

Bernhard Stief (46) wurde in Zwickau geboren, machte zunächst eine Lehre als Orgelbauer in Dresden und kam 1990 nach Leipzig, um an der Universität Theologie zu studieren. Nach seinem Studienabschluss im Jahr 1996 und dem Vorbereitungsdienst trat er eine Pfarrstelle in Weißenborn im Erzgebirge an. 2008 kehrte er nach Leipzig zurück und wurde Pfarrer der Kirchgemeinde St. Nikolai. Die berühmte Nikolaikirche im Leipziger Stadtzentrum feiert derzeit ihr 850-jähriges Bestehen mit einem Festjahr, das noch bis 6. Dezember andauert.

Annika Voigt-Kirchhoff, Foto: Swen Reichhold


1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Neben den vielen interessanten Menschen, die mir während meines Studiums begegnet sind und natürlich den spannenden Lehrinhalten, denke ich vor allem auch gerne an mein Erasmussemester in Schweden zurück. Ich bin der Universität Leipzig dankbar, dass sie mir dadurch die Möglichkeit geboten hat, Erfahrungen über den heimischen Tellerrand hinaus zu sammeln und mich nicht nur international zu vernetzen, sondern auch zu erleben, wie an anderen Hochschulen wissenschaftlich gearbeitet wird. Außerdem ist mir besonders gut meine Magisterarbeitszeit in Erinnerung geblieben. Die vielen Stunden in der Universitätsbibliothek Albertina haben diesen Ort für mich zu etwas sehr Besonderem gemacht.

 

2. Welche Bedeutung hat die Universität Leipzig heute für Sie?

Getreu dem Uni-Motto – „Aus Tradition Grenzen überschreiten“ – hat es mich nach Jahren in verschiedenen beruflichen Tätigkeitsbereichen wieder an die Alma mater Lipsiensis verschlagen. Damit schließt sich ein Kreis. Ich freue mich, mein hier erworbenes Wissen nun als Leiterin der Koordinierungsstelle zur Förderung der Chancengleichheit an sächsischen Universitäten und Hochschulen einbringen zu können.

 

3. Wie sehen Sie aktuelle Entwicklungen der Chancengleichheit an sächsischen Universitäten und Hochschulen?

In den letzten Jahren hat sich viel getan bezüglich der Gleichstellung von Frauen und Männern im Wissenschaftsbereich. An den meisten sächsischen Universitäten konnte die Anzahl der Professorinnen gesteigert werden. Allerdings gibt es nach wie vor Fachbereiche in denen die Unterschiede noch sehr stark sind. Hier können die Anreize und Förderstrategien ausgebaut werden. Außerdem erweitert sich das Themenspektrum Chancengleichheit immer mehr in Anbetracht aktueller gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen beispielsweise durch Themen wie Inklusion oder MigrantInnen an sächsischen Universitäten und Hochschulen. Ein ganzheitliches Denken und Handeln ist deswegen wichtig.

 

Annika Voigt-Kirchhoff (32) hat von 2003 bis 2009 Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Amerikanistik an der Universität Leipzig studiert und mit einer Magisterarbeit über „interkulturelle Kommunikation und Diversity Management“ beendet. Sie absolvierte eine berufsbegleitende Ausbildung zur Trainerin für Social Justice und Diversity an der FH Potsdam. Zuletzt war sie als Projektleiterin beim SPi (Sozialpädagogisches Institut) im bundesweiten Förderprogramm iQ Netzwerk „Integration durch Qualifizierung“ in Halle sowie als ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte des SPi tätig. Seit Januar 2016 ist sie Leiterin der Koordinierungsstelle zur Förderung der Chancengleichheit an sächsischen Universitäten und Hochschulen.

Portrait von Ann-Elisabeth Wolff
Ann-Elisabeth Wolff, Foto: Stefan Hoyer

 

1. Welches Ereignis ihrer Studienzeit ist ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Ich habe von 1971 bis 1975 Musikwissenschaft studiert, in den Räumen des Grassimuseums, in denen sich auch damals schon, nur viel kleiner als heute, das Museum für Musikinstrumente befand. Mir ist nicht nur ein Ereignis, sondern das ganze Studium als sehr abwechslungsreich und vielseitig in guter Erinnerung geblieben. Neben der Theorie hatten wir Klavier- und Gesangsunterricht, Praktika absolvierte ich in Leipzig und Berlin. Wir waren nur jeweils ca. fünf Studenten pro Studienjahr, ein kleiner Kreis, der eine intensive Ausbildung erfahren hat. Wir haben uns immer „durchgeschmuggelt“, waren keinen politischen Repressalien ausgesetzt, oder haben nichts davon gemerkt.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für sie?

Ich bin als echte Leipzigerin (obwohl in Halle geboren) mächtig stolz auf unsere Universität. Diese lange Geschichte mit so vielen weltbekannten Persönlichkeiten – Wahnsinn! Und mich machen die vielen heutigen hoffnungsvollen Studenten und die jetzt mögliche internationale Öffnung glücklich. Und da ich mich auch für Architektur interessiere, verfolge ich gebannt den Bau des Paulinums und denke, dass diese Aula (zuerst) und Kirche (auch) des weltbekannten Architekten Erick van Egeraat zum weiteren Renommee beitragen wird. Die Uni Leipzig ist auf jeden Fall eine der wichtigsten und im Ausland angesehensten Institutionen unserer Stadt.

 

3. Warum sollten die Alumni die euro-scene 2010 besuchen?

Unser Theater- und Tanzfestival ist zweifellos einer der jährlichen Höhepunkte in unserer Stadt und bietet vor allem für geistig rege und intellektuell anspruchsvolle Menschen in wenigen Tagen im Jahr ein einmaliges Angebot: die Welt durch das Theater auch über den eigenen Tellerrand zu entdecken und dadurch die eigenen Lebensbilder bereichern zu können. Experimentelles Theater und innovativer Tanz kommen aus allen Ecken Europas, und die Unterschiede zu den ästhetischen Vorstellungen des Deutschen Theater sind oft so groß, dass die Meinungen weit auseinander gehen. Das ist wunderbar! Die Leipziger sind neugierig und offen – und kritisch. Meinungsstreit nach den Aufführungen ist das Beste, was unserem Festival widerfahren kann.

Portrait von Li Yiqian
Li Yiqian, Foto: privat

 

1. Welches Ereignis Ihrer Studienzeit ist Ihnen in besonders guter Erinnerung geblieben?

Ein guter Professor. Die meisten Asiaten sind ein bisschen schüchtern, so auch ich. Bei einem Seminar habe ich zu Beginn nur zugehört. Der Professor hat das bemerkt und mich ermutigt, meine Meinung zu äußern. Nach einigen Sitzungen wagte ich sogar mit den Kommilitonen zu debattieren.

 

2. Welche Bedeutung hat die Uni Leipzig heute für Sie?

Ich nenne die Universität Leipzig gern auch „meine Universität“. Da meine heutige Arbeit eng mit Studium in Deutschland verbunden ist, ermutige ich die interessierten chinesischen Studierenden hier im DAAD Informationszentrum Shanghai stets meine Alma mater direkt zu kontaktieren, denn ein Studium an der Universität Leipzig kann ich nur wärmstens empfehlen.

 

3. Welche Tipps geben Sie asiatischen Studenten, die in Deutschland studieren wollen?

Die deutsche Sprache ist wichtig, aber auch wenn man noch nicht perfekt Deutsch spricht, sollte man versuchen, mit den Einheimischen zu kommunizieren und sich nicht nur mit anderen Landsleuten auseinandersetzen. Wenn man diese Tür einmal geöffnet hat, kann man eine ganz neue Welt für sich entdecken. Außerdem weise ich die Studierenden immer auf einen großen Unterschied zum chinesischen Hochschulsystem hin, nämlich dass sie in Deutschland sehr selbstständig agieren müssen. Die deutschen Hochschulen geben zwar viele Empfehlungen, die Studierenden – auch die Ausländer – müssen diese dann aber natürlich allein umsetzen.

 

Yiqian Li, geboren 1978 in China, hat nach dem BA-Studium „Deutsch als Fremdsprache“ in Dalian, China, von 2001 bis 2007 an der Universität Leipzig Betriebs- und Volkswirtschaftslehre studiert. Im Jahr 2009 ging sie nach China zurück und arbeitete in der Abteilung Kultur und Bildung des deutschen Generalkonsulats Shanghai. Seit Februar 2011 arbeitete sie als Büromanagerin am DAAD Informationszentrum Shanghai. Dort ist sie unter anderem für die Studienberatung zuständig und versucht, allen Interessierten, die in Deutschland studieren möchten, mit ihren persönlichen Erfahrungen behilflich zu sein.

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