Erfahren Sie mehr über die bewegte Geschichte der Leipziger Universitätskirche St. Pauli.

Die Universitätskirche, Foto: Anna Tunger.
Die Universitätskirche, Foto: Anna Tunger.

Mit dem 2017 in Betrieb genommenen Neubau am Augustusplatz hat die Universität Leipzig ihren markanten Mittelpunkt in der Innenstadt zurückerhalten. Das von dem niederländischen Architekten Eric van Egeraat entworfene Paulinum fungiert zugleich als Universitätskirche St. Pauli wie als Aula der Universität.

Grundriss und Raumgestaltung, Maßwerkfenster und Sternnetzgewölbe widerspiegeln die bewegte, von einem brutalen Eingriff gezeichnete Geschichte des Ortes, an dem bis 1968 die spätgotische Hallenkirche St. Pauli stand. Die ursprünglich dem Dominikanerorden gehörende, nach der Reformation der Universität Leipzig übereignete Kirche war über Jahrhunderte ein geistiges wie geistliches Zentrum von Universität und Stadt. Einige bekannte Bachwerke, etwa die Kantate „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ (BWV 226) wurden hier uraufgeführt, berühmte Persönlichkeiten aus Universität und Stadt, darunter der Dichter Christian Fürchtegott Gellert, beigesetzt sowie seit 1710 an allen Sonn- und Feiertagen des Jahres Universitätsgottesdienste gefeiert.

Die Kirche, die den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt überstanden hatte und nach Kriegsende zusätzlich Heimstätte der katholischen St. Trinitatis-Gemeinde war, wurde in einem Akt staatlicher Willkür am 30. Mai 1968 gesprengt, um einem gesichtslosen sozialistischen Mustercampus Platz zu machen. Doch traf die ebenso religions- wie kulturfeindliche Kirchenzerstörung auf unerwarteten Widerstand vieler Leipziger Bürgerinnen und Bürger. Entsprechend stand nach der Friedlichen Revolution 1989/90 bald die Frage nach einem Wiederaufbau der Universitätskirche St. Pauli im Raum.

Nach längerer Diskussion sowie zwei Architekturwettbewerben fiel 2004 die Entscheidung für einen Neubau, der Elemente der spätgotischen Kirche zitathaft aufnimmt und zugleich – etwa durch die asymetrische Fassade oder einen 50 m hohen Lichtschacht zwischen Altarbereich und Hauptschiff – an die brutale Zerstörung erinnert.

Im Altarbereich der Kirche sind einige der geretteten Ausstattungsstücke der alten Paulinerkirche, darunter ein kunstgeschichtlich höchst bedeutungsvolles Ensemble akademischer Grabplatten aus dem 16. bis 18. Jh., zu sehen. Auch die Rekonstruktion der Epitaphien, die 2020 mit dem Europa Nostra Award der EU ausgezeichnet wurde, macht auf eindrückliche Weise die 1968 erlittene Gewalt sichtbar.

Mit der Wiederinbetriebnahme der Universitätskirche am 3. Dezember 2017 ist der Universitätsgottesdienst an seinen ursprünglichen Ort zurückgekehrt und wird hier an jedem Sonn- und Feiertag um 11 Uhr gefeiert.

Lesen Sie hier den Weihetext zur Altargrundsteinlegung.

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