Vorlesung/Vortrag am

Veranstaltungsort: Youtube und Zoom

Alexander Deegs Beitrag zur Ringvorlesung der Theologischen Fakultät zur Rolle der Predigt bei der Weltdeutung.

„Deutungsmacht in Krisenzeiten“, so lautet das übergreifende Thema der Ringvorlesung der Theologischen Fakultät im Sommersemester 2021, unter dem die Beiträge aus den theologischen Teildisziplinen sowie aus verschiedenen nichttheologischen Wissenschaften versammelt sind. Es dürfte plausibel sein, wenn von der Gegenwart als einer Krisenzeit gesprochen wird. Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Corona-Krise, weltweite Krise der Demokratie – jeder weiß, was damit gemeint ist. Allerdings: Wie diese Krisen einzuschätzen, zu deuten sind, wodurch sie letztlich ausgelöst wurden, ob sie zu verhindern gewesen wären und wie ihnen sachgerecht zu begegnen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Und weil es im Krisenfall um viel geht, weil, nicht zuletzt, auch ein erhöhter politischer Handlungsdruck besteht, deshalb werden die Kämpfe um die richtige Krisendeutung mit harten Bandagen geführt. Es kommt in Krisenzeiten zur Verschärfung und Polarisierung der öffentlichen Debatten. Und diese Deutungskämpfe sind immer auch Kämpfe um die Deutungsmacht, Kämpfe, an denen sich auch Populisten und Verschwörungstheoretiker gern beteiligen.

Am 8. Juni tritt mit dem Leipziger praktischen Theologen Alexander Deeg wieder ein Kollege der veranstaltenden Fakultät ans Katheder. „Weltdeutung in der Predigt?“ – so lautet die das Thema angebende Frage. Sie wird ergänzt durch den Untertitel „Eine traditionelle Deutungsmacht in der Krise“. Den Ausgangspunkt von Deegs Überlegungen bildet die Erinnerung daran, dass die christlichen Kirchen in der ersten Phase der Corona-Krise verwundert und schockiert erkannt haben, dass sie nicht zu den „systemrelevanten“ Bereichen unserer Gesellschaft gehören. Diese Erkenntnis war bitter – nicht nur im Rückblick auf die groß angelegten Versuche, im Kontext des Reformationsjubiläums die Relevanz der Kirchen für Gemeinwohl und Gesellschaft publik zu machen, sondern auch angesichts der Tatsache, dass die Kirchen in Krisenzeiten traditionell als bedeutsame Deutungs-Agenturen galten. Dabei waren es vor allem Predigten, in denen Krisen wahrgenommen und gedeutet wurden: Von den Kanzeln ordneten Prediger das Geschehen in Narrative ein und leiteten die Gemeinde zu einem der Krise entsprechenden Handeln an. Im Vortrag geht es zunächst um die Krise dieser traditionellen Deutungsmacht; weiterhin wird exemplarisch gezeigt, wie gegenwärtig die Corona-Krise in Predigten wahrgenommen und gedeutet wurde und wird.

Sie finden den Vortrag ab 19:15 Uhr auf dem Youtube-Kanal der Theologischen Fakultät. Im Anschluss wird es eine Live-Diskussion über Zoom geben.

Zoom-Informationen: Meeting-ID: 613 0313 7333 Kenncode: 610187

Erstellt von: Nicole Oesterreich