Vorlesung/Vortrag am

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Die Niederlande war eines der bedeutendsten Zentren der europäischen Buchproduktion. Reich illustrierte Veröffentlichungen über Regionen und Länder Asiens erfreuten sich großer Beliebtheit. Die fremden Religionen wurden oft ausführlich thematisiert.

Die Niederlande, und namentlich Amsterdam, waren spätestens seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eines der bedeutendsten Zentren der Buchproduktion in Europa. Veröffentlichungen über verschiedene Regionen und Länder Asiens in Form von aufwendig gestalteten Bänden erfreuten sich bei der Leserschaft grosser Beliebtheit, wobei Anzahl und Qualität der Illustrationen entscheidend zum publizistischen Erfolg beitrugen. 

In den Abhandlungen der Reisenden und Händler, Geistlichen und Gelehrten wurden die fremden Religionen oft ausführlich thematisiert, mit Berichten über Zeremonien und Feste, Beschreibungen von Kultorten und Gottheiten sowie mit Überlegungen zum "Heidentum" und seinem Verhältnis zu Glaubensvorstellungen der Antike sowie zur eigenen christlichen Religion. Im Vortrag werden einige der diese Ausführungen begleitenden Buchillustrationen als vielschichtige Quellen einer Geschichte vergangener Wissenskulturen präsentiert. Im Zentrum stehen dabei der Entstehungshintergrund sowie die Bedeutung dieser visuellen Repräsentationen im gelehrten Religionsdiskurs der frühen Neuzeit.

Referentin: Dr. Paola von Wyss-Giacosa (Universität Zürich)

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Vortrag im Rahmen der Ausstellung "Übersetzte Religion. Im Dickicht Der Wahren Worte" 

8. Oktober 2021–13. Februar 2022 im Ausstellungsraum der Bibliotheca Albertina

Ein Pergamentstreifen mit Gebeten für einen mehrprachigen Gottesdienst aus Ägypten, eine mittelalterliche Handschrift mit Worterklärungen zur Bibel auf Altfranzöisich in hebräischer Schrift und ein arabischsprachiges Wörterbuch eines shiitischen Gelehrten des 10. Jahrhunderts, der in religiöser und geheimer Mission unterwegs war: Religionsgeschichte ist immer auch Übersetzungsgeschichte. 

Besondere Schriftstücke aus der Universitätsbibliothek Leipzig geben Auskunft über das Bemühen, die eigene Religion und die Religion der anderen sprachlich und in Bildern verständlich zu machen. Der Austausch im Miteinander, aber auch im Gegeneinander, findet seinen Niederschlag nicht nur in den prachtvoll gestalteten Büchern europäischer Missionare über die Religionen des Nahen und Fernen Ostens. 

Die Geschichte der Suche nach Urtexten der Bibel ist ebenso Thema der Ausstellung wie der Einfluss der wissenschaftlichen Übersetzung auf die Religion, etwa auf das Yezidentum aus dem Irak. Die Ausstellung zeigt Beispiele für das Übersetzen als Arbeit am religiösen Text aus zwei Jahrtausenden.