Tagung/Symposium am

Veranstaltungsort: Online

Am 18. und 19. November richtet das Institut für Anglistik der Universität Leipzig die diesjährige Fachkonferenz der Deutschen Gesellschaft für das Studium britischer Kulturen (BritCult) aus.

Unter dem Thema Investigating the Super-Rich werden dabei historische sowie aktuelle Darstellungen von großem Reichtum und Luxus in den Blick genommen. Im Rahmen der digitalen Konferenz steht neben international besetzten Keynotes und Vorträgen besonders der akademische Austausch aller Qualifikationsstufen im Vordergrund – von Studierenden und Doktorand:innen bis hin zu Professor:innen aus dem deutschsprachigen Raum.

Insbesondere durch das Aufkommen der sozialen Medien sind wir auch im Alltag oft mit Repräsentationen von Reichtum oder luxuriöser Ästhetik konfrontiert: von Celebrities und global agierenden Popstars über Fußballspieler:innen bis hin zum Reality TV erscheint die Lebensweise Wohlhabender durchaus begehrenswert, und doch gibt es bisher nur vereinzelt Untersuchungen zur sozialen Schicht der Superreichen aus der Perspektive der Kulturstudien Großbritanniens. Und das trotz der Tatsache, dass sich insbesondere London momentan zur globalen Metropole der Superreichen aufschwingt.

Unter dem Titel „Infrastructures of Plutocratic London“ wird Professor Caroline Knowles (London) in der ersten Keynote der Konferenz am Donnerstag zu ihren Erfahrungen beim Erkunden der Straßen und Bezirke der Superreichen in London sprechen. Diese, so Knowles, verdeutlichen sehr intensiv, dass Reichtum nicht automatisch zu weniger begüterten Schichten durchsickert, sondern dass sich in der Metropole eine fast abgeschlossene Infrastruktur zur Erzeugung und zum Konsum von Vermögen herausgebildet hat, z.B. über das Finanzwesen und den Verbrauch von Luxusgütern. In einer zweiten Keynote am Freitag spricht Professor Roger Burrows (Newcastle) zum Thema „Bunkering Down? The Geography of Elite Residential Basement Development in London“. Statt Wohlstand einzig in den vielen Wolkenkratzern der Londoner Skyline zu verorten, zeigt Burrows in seinem Vortrag, dass in der Zeit von 2008 bis 2019 über 7.000 neue Kellergebäude unter dem teuersten Pflaster der Stadt gebaut wurden, darunter viele Luxusbauten.

Die Vorträge während der zweitägigen Online-Tagung konzentrieren sich auf fünf Themengebiete. So wird zunächst die Frage gestellt, wie sich Superreiche darstellen und dargestellt werden, beispielsweise als Befürworter technologischer Lösungen für globale Probleme oder auch als Bösewichte. Im nächsten Schritt werden historische Dimensionen von Reichtum untersucht, insbesondere zur Zeit des Viktorianismus am Beispiel des heute kaum noch bekannten Industriemagnaten John Crichton-Stuart sowie der Tapisserieware der Firma des britischen Designers, Dichters und Aktivisten William Morris. Den dritten inhaltlichen Aspekt bilden postkoloniale Perspektiven sowohl in historischer Ausprägung, am Beispiel orientalischer Reicher als Figuren des Elisabethanischen Theaters, als auch in ihrer zeitgenössischen Fassung, am Beispiel privater Sportclubs in Hong Kong als früherer britischer Kolonie. Im vierten Konferenzpanel wenden zwei Vortragende den Begriff der „Spielwiese“ statt auf postkoloniale auf dezidiert ländliche Räume in Großbritannien an: Hier sieht man seit der industriellen Revolution eine aristokratische Idealisierung großer Landgüter im Kontrast zur bürgerlichen, aber auch von Armut geplagten Stadt. Als letzten Aspekt schauen zwei Konferenzbeitragende noch einmal gezielt auf politische und ökonomische Macht indem sie den Status und die Selbstdarstellung der britischen Krone sowie von Londoner Bankiers und Spekulant:innen untersuchen.

Die Konferenz findet über die digitalen Plattformen Zoom und Wonder.me statt, die Teilnahme ist kostenlos. Eine kurze Registrierung wird jedoch vorausgesetzt. Weitere Informationen und das detaillierte Programm finden Sie auf der Konferenzwebseite. Ausgewählte Beiträge werden außerdem in einem künftigen Band der Zeitschrift Journal for the Study of British Cultures im Verlag Winter veröffentlicht.

Erstellt von: Jonatan Jalle Steller