von Thomas Knittel
Die Test XII bestehen aus zwölf einzelnen Testamenten, die den Söhnen Jakobs zugeschrieben werden. Die alttestamentliche Vorlage dafür bot der Segen Jakobs für seine Söhne in Genesis 49. Die einzelnen Testamente sind jeweils nach einem einheitlichen Schema aufgebaut (bei geringfügigen Abweichungen):
Während R. H. Charles in seiner Edition (1908) die Meinung vertrat, daß Test XII ursprünglich in Hebräisch verfaßt worden war, und sogar zwei verschiedene hebräische Rezensionen unterscheiden wollte, wird heute gewöhnlich Griechisch als Originalsprache angenommen. Nach Kee (Testaments, 777) sprechen dafür folgende Argumente:
Für eine Datierung der Grundschrift in das zweite Jahrhundert v. Chr. sprechen folgende Argumente:
In einer zweiten Phase des Überlieferungsprozesses (noch auf dem Boden des Judentums) kamen verschiedene Ergänzungen zur Grundschrift hinzu. Die Endredaktion erfolgte schließlich durch christliche Hand ungefähr im 2. Jhd. n. Chr. (eine Sammlung neutestamentlicher Schriften ist vorausgesetzt). Bei Origenes wird Test XII erstmalig in einer christlichen Schrift zitiert.
Die Datierung ins 2. Jhd. v. Chr. .wird von einer Mehrheit vertreten, allerdings gibt es auch die Position (vor allem vertreten von Marinus de Jonge und seinen Schülern), daß Test XII insgesamt als christliche Schrift zu betrachten und dementsprechend erst im 2. Jhd. n. Chr. entstanden sei.
Nach J. Becker kann die ethische Unterweisung in Test XII als "typischer Modellfall für das hellenistische Judentum und seine Predigt gelten" (Becker, Testamente, 16). Neben den im Abschnitt "Datierung" genannten Argumenten spricht hierfür, daß sich die christliche Bearbeitung ziemlich leicht vom übrig Textbestand abheben läßt. Das verbleibende Material paßt von Stil und Gedankenwelt her (und auch sprachlich) gut in das hellenistische Judentum, wobei eine genauere Ortsbestimmung schwer möglich ist. Als Trägerkreise der Überlieferung nimmt Becker eine weisheitlich geprägte Schule an. M. de Jonge und (auf dessen Arbeiten aufbauend) H. W. Hollander nehmen hingegen christlichen Ursprung an. Diese Position ist vor allem geleitet von einem methodischen Zweifel an den Möglichkeit der Literarkritik hinsichtlich der Rekonstruktion verschiedener Überlieferungsstufen in Test XII. Vielmehr sei von der inneren Kohärenz des überlieferten Textes auszugehen, die literarkritische Scheidungen als nicht notwendig erscheinen lasse. Hinzuweisen ist noch auf die verschiedentlich vertretene These, daß Test XII in essenischen Kreisen entstanden sei. Allerdings fehlen spezifische theologische Anschauungen der Essener in Test XII.
Die Testamente der zwölf Patriarchen sind überliefert in Griechisch, Armenisch, Altkirchenslavisch, Lateinisch, Serbisch und Neugriechisch. Nach Hollander / de Jonge (Testaments, 10) stammen alle anderen Versionen vom griechischen Text ab.
Die lateinische, serbische und neugriechische Überlieferung hat für die Rekonstruktion des Textes nur geringe Bedeutung, während für die armenische und altkirchenslavische Überlieferung gilt, daß eine abschließende Beurteilung noch aussteht. Seit F. C. Conybeare (1893) wurde die These vertreten, daß der armenische Text, in dem verschiedene christliche Passagen des griechischen Textes fehlen, weniger als der griechische christlich beeinflußt sei. Widerspruch fand diese These u.a. bei de Jonge und Hollander, die Test XII insgesamt als christlich betrachten.
Ferner existieren verschiedene Fragmente, die eine gewisse Verwandtschaft mit Test XII erkennen lassen, deren genaues Verhältnis zu Test XII allerdings bislang nicht klar bestimmt ist. Dazu gehören verschiedene aramäische Levi-Fragmente, die in der Kairoer Geniza oder auch in Qumran gefunden wurden. Hollander / de Jonge vermuten, daß keine direkte Beziehung zwischen Test XII und den aramäischen Fragmenten besteht, daß letztere aber für die Beurteilung der Quellen, die Test XII verwendete, von Bedeutung sein könnten.
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Letzte Bearbeitung am: 8. Dezember 1999