Universität Leipzig | Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie
 
 

Lehre WS 2011/12

 

Pirmin Stekeler-Weithofer

Gründungsprofessor des Lehrstuhl für Theoretische Philosophie, Universität Leipzig



Modul SQ16

Was ist Denken?
V          Mi        7-9                     HS 11
Für Seniorenstudierende geöffnet

Pirmin Stekeler-Weithofer: Philosophie des Geistes (Stand 09.11.2011)

Pirmin Stekeler-Weithofer: Philosophie des Geistes als Praxisformanalyse (Stand 24.01.2012)

“Es ist ein altes Vorurteil, dass das, wodurch sich der Mensch von dem Tiere unterscheidet, das Denken ist; wir wollen dabei bleiben”, sagt Hegel leicht ironisch. Die Ironie besteht darin, dass er das vermeintliche Vorurteil nicht etwa infrage stellt, sondern es in einer unmittelbaren Entscheidung als richtig anerkennt. Und in der Tat: Was Denken ist, ist die Grundfrage jeder philosophischen Anthropologie. Es ist zugleich die Grundfrage jeder Philosophie des Geistes, die, wenn sie im Kontrast zu einer bloßen philosophy of mind diesen Namen verdient, immer auch schon allgemeine sprachphilosophische Logik sein muss, sich also nicht bloß mit der (phylo- und ontogenetischen) Entstehungsgeschichte des Denkens und Sprechens befassen kann. Aber auch der berühmte Satz Heideggers „Die Wissenschaft denkt nicht“ ist nicht etwa Ausdruck eines maßlosen Anspruchs eines Lehn- und Lehrstuhl-Philosophen. Wenn man ihm Überheblichkeit attestiert, dann betrifft das in Wirklichkeit nur die Überlegenheit erwachsenen Selbstbewusstseins, dessen sokratischer Ironie man längst schon in die Falle gegangen ist , wenn man in bedingtem Reflex widerspricht und erklärt, die größten Leistungen des Denkens seien doch gerade die der Wissenschaft. Man meint, die angeblich rein empirischen Naturwissenschaften seien das Maß aller Dinge. Sie entschieden, ob etwas existiert und was es in Wirklichkeit ist. Doch die bloße Ersetzung des Glaubens an Götter, Geister und Gelehrte durch einen Glauben an das naturwissenschaftliche Weltbild und seine Protagonisten in den Wissenschaften ist gerade ein Zeichen dafür, dass wir teils nicht mehr, teils noch nicht über den Status von Geist, Wissen und Wahrheit klar zu denken vermögen.
Literatur: John McDowell, Mind and World. Cambridge/ Mass. (Harvard UP) 1994 /dt. mentis, G. S. Kirk/ J. E. Raven/ M. Schofield, Die vorsokratischen Philosophen. Einführung, Texte und Kommentare, Stuttgart 1994, Martin Heidegger, Was Heißt Denken, Tübingen 1954, 41984, Pirmin Stekeler-Weithofer, Philosophiegeschichte, Berlin 2006.

 

Philosophie des Geistes
SE2      Do       17-19                GWZ 2116
für Seniorenstudierende geöffnet

Seminarplan

Was ist der Kontrast zwischen einer Philosophie des Geistes und einer philosophy of mind mit ihrem Leib-Seele-Problem und ihrer tief versteckten Apologetik dogmatischer Theorien und metaphorischer Modellierungen des Denkens und Sprechens? Was überhaupt sind Theorien des Bewusstseins bzw. der artifiziellen, animalischen bzw. menschlichen Kognition? Was leisten ‚empirische’ Untersuchung kognitiver Prozesse? Und wie sind die üblichen ‚evolutionstheoretischen’ Entstehungsgeschichten des menschlichen Geistes als Fähigkeit der Teilnahme an einer humanen Kultur und Lebensform in phylo- und ontogenetischen Aspekten begründet?
Literatur: Holm Tetens; Geist, Gehirn, Maschine; Philosophische Versuche über ihren Zusammenhang; Reclam 1994; Wolfgang Detel, Grundkurs Philosophie, Philosophie des Geistes und der Sprache, Band 3, Reclam 2007; Thomas Metzinger, Bewusstsein, Beiträge aus der Gegenwartsphilosophie, Schöningh 1996; Hubert Schleichert, Der Begriff des Bewußtseins, Eine Bedeutungsanalyse, Vittorio Klostermann 1992, Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Suhrkamp.

 

Modul Philosophische Forschung II (06-03-106-3)

Oberseminar/Philosophische Neuerscheiningen
SE2      Di         17-19                GWZ 2116
Unter anderem sollen neben den Vorstellungen laufender Dissertationen und eigener Arbeiten folgende Bücher besprochen werden: Neuere Texte von Axel Honneth (u.a. zu Hegels Rechtsphilosophie), Thomas Hoffmann („Welt in Sicht“), Henning Tegtmeyer („Rationale Theologie“).

 

Modul Theoretische Philosophie (06-03-105-3)

Metaphysik des Begriffs
SE1      Mi        17-19                GWZ 2116
Für Theologiestudenten geöffnet

Literaturliste

Monographien
- Hegels Analytische Philosophie. Die Wissenschaft der Logik als kritische Theorie der Bedeutung (1992)
- Sinn Kriterien. Die logischen Grundlagen kritischer Philosophie von Platon bis Wittgenstein (1995)

Aufsätze in Zeitschriften
- Vernunft und Wirklichkeit. Analyse reflektierender Urteile nach Hegel (1996)
- Hegels Naturphilosophie. Versuch einer topischen Bestimmung (2003)

Beiträge in Sammelbänden und Enzyklopädien
- Verstand und Vernunft. Entwicklung des Selbstbewusstseins in Hegels Phänomenologie des Geistes (1992)
- Hegels Philosophie der Mathematik (1992)
- Mathematisches und begriffliches Denken in Hegels Wissenschaft der Logik (2004)
- Das Vernünftige ist wirklich. Hegels Logik und die Notwendigkeit in der Entwicklung von Urteilskriterien (2004)

Weitere Texte
- Hegel's Logic as a Theory of Meaning
- Subjektive Seele und intersubjektiver Geist bei Hegel
- Kritik der Erkenntnistheorie. Zur Logik von Gegenstandsbezug und Wahrheit bei Hegel (und Wittgenstein)
- Gehört das Leben in die Logik?
- Hegels Ortsbestimmung des zweckorientierten Handelns und der praktische Schluß als Formbedingung freier Entscheidung
- Die Frage nach dem Begriff. Was die analytische Philosophie von Hegel übernehmen sollte
- Formen, Normen und Begriffe. Hegel und die apriorische Rolle generischen Wissens
- Vorsehung und Entwicklung in Hegels Geschichtsphilosophie
- Vom Satzsubjekt zum Ich (The First Person in Grammar and Reality)

Das wohl wichtigste Thema der Philosophie betrifft die aus biblischem Kontext berüchtigte Frage des Pilatus: „Was ist Wahrheit?“ Sie ist die Fundamen­talfrage der Metaphysik, auch wo diese, traditionell, als Frage nach der Existenz Gottes auftritt. Denn die zentrale formale Definition der Theologie lautet: „Gott ist die Wahrheit“. Inhaltlich gesehen handeln daher auch so genannte Gottesbeweise von der Seinsweise absoluter Wahrheit und der Denkbarkeit oder Möglichkeit absoluten Wissens. Das gilt nicht etwa bloß für die Rationale Theologie in den Grenzen der menschlichen Vernunft, wie Kant so schön sagt. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen soll in gewisser Fortsetzung der Vorlesung vom SS 2001 der zweite Teil von Hegels Wissenschaft der Logik, die so genannte Wesenlogik, vorgestellt werden, um damit dem Ziel näher zu kommen, den Begriff der Wahrheit in seiner Vielfalt und seinen theoretischen Tiefenstrukturen besser zu begreifen.

Literatur: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Wissenschaft der Logik, Suhrkamp; Pirmin Stekeler-Weithofer, Hegels analytische Philosophie, Schöningh, Pirmin Stekeler-Weithofer, Philosophie des Selbstbewusstseins, Suhrkamp


 

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