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Fotografie:
Kustodie (Kunstwerke)
wpunktw (Plastik)
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Aus Anlass der Aufstellung
einer Plastik Michael Morgners vor dem Neubau des Biotechnologisch-Biomedizinischen
Zentrums der Universität
Leipzig im November 2003 widmet die Kustodie dem Chemnitzer Künstler eine
Ausstellung. Präsentiert werden Arbeiten, die im Zusammenhang mit der Stahlplastik
am Deutschen Platz stehen: Entwicklung und künstlerischer Kontext von Morgners
Siegerentwurf im Wettbewerb „Kunst am Bau“ werden anhand von Zeichnungen,
Gemälden und plastischen Modellen erläutert.
Kunst und Bau
Michael
Morgners Bildwerk für die Biocity
Am südöstlichen Ende des Deutschen
Platzes, gegenüber der Deutschen
Bücherei und in direkter Nachbarschaft des Max-Planck-Institutes für
Evolutionäre Anthropologie erhebt sich seit dem Frühjahr 2003
der von den Hamburger Architekten Ingrid Spengler und Manfred Wiescholek
entworfene
Neubau
der „Biocity“. Im Westflügel hat das Biotechnologisch-Biomedizinische
Zentrum der Universität Leipzig sein Quartier bezogen, andere Teile
des Gebäudekomplexes sollen Büros und Forschungseinrichtungen
junger Firmen mit biomedizinischem oder biotechnologischem Profil beherbergen.
Im
Rahmen des
Programms „Kunst am Bau“ konnte hier ein Teil der zur Verfügung
stehenden Bausumme für baubezogene bildende Kunst verwendet werden.
Als Sieger des Wettbewerbs, ausgelobt vom Sächsischen Staatsministerium
für
Wissenschaft und Kultur im Frühjahr 2003, wurde eine Stahlplastik
Michael Morgners für den Eingangsbereich der Bio-City ausgewählt.
Morgners Entwurf hatte eines der ovalen Pflanzbeete, die Bestandteil der
landschaftsgärtnerischen
Gestaltung in Eingangsbereich und Innenhof bilden, zum Sockel für
seine Plastik umfunktioniert. In den Bewerbungsunterlagen erläutert
der Künstler
sein Konzept: „Aus dem negativen Bodenrelief erhebt sich spiegelbildlich
die Figur eines „aufsteigenden“ Menschen, geschützt und
isoliert von einer technoiden Hülle – die Großform einer
Zelle. Das Ineinandergreifen der Hüllen erinnert an DNA Strukturen.
Die senkrecht stehende Form mit dem Zellkern „Mensch“ schafft
die scheinbare Möglichkeit des freien
Schwebens der Figur.“ Morgners Kunstwerk weckt durch seine organische
Form Assoziationen an biologische Prozesse, wie die Zellteilung, und sensibilisiert
für die empfindlichen und hochkomplexen Vorgänge bei der Entstehung
des Lebens. Das Spiel mit Negativ- und Positivformen in der Plastik nimmt
Bezug auf das Verfahren des Klonens in der Gentechnologie und lädt
zur Kontemplation über
erträumte Möglichkeiten und ethische Grenzen biomedizinischer
Forschung ein.
Morgners Leipziger Plastik im Kontext seines Oeuvres
Die
zur Werkgruppe „Reliquie Mensch“ gehörige
Stahlplastik wird in der Ausstellung vor dem Hintergrund
des künstlerischen Gesamtwerks Michael
Morgners anhand formal und thematisch verwandter Arbeiten aus den Jahren
1993 bis 2003 erläutert. Gezeigt werden plastische Modelle,
Druckgrafik und Zeichnungen, großformatige Gemälde
sowie Morgners sogenannte „Schweißtücher“ auf
Seidenpapier. Diese Gesamtschau soll einen Eindruck von der Vielschichtigkeit
der Bezüge zwischen den Werkkomplexen in verschiedenen künstlerischen
Medien vermitteln, die Genese der Plastik beleuchten und Wege der Deutung
aufzeigen.
Der Bildhauerkunst wandte sich Morgner erst Mitte der 90er Jahre zu.
Als Absolvent der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig arbeitete er zunächst
im Bereich der Drucktechnik und Zeichnung. Nach großformatigen Tafelbildern
in den 80er Jahren entwickelte Morgner in der ersten Hälfte der 90er Jahre „plastische
Bilder“, in denen er die Hauptfiguration reliefartig aus der Bildfläche
herauslöste. Der Schritt zur Plastik, den Morgner 1995 vollzog, ist als
eine konsequente Weiterverfolgung der Tendenzen seiner Arbeiten in anderen Medien,
z.B. der Verwendung des Prägedruckverfahrens in grafischen Arbeiten
oder der Entwicklung von Reliefbildern, zu deuten.
Michael Morgners Abgrenzung vom sozialistischen Realismus, die Entscheidung
zur Abstraktion und Hinwendung zur christlichen Ikonographie bedeutete
bereits eine
Abkehr vom offiziell propagierten Kunstideal der DDR. Als Mitbegründer der
alternativen Galerie Oben in Chemnitz und Urheber der unabhängigen Produzentengalerie „Clara
Mosch“ galt Morgner als Oppositioneller. Auch wenn Morgners Kunst vor dem
Hintergrund seiner Erfahrungen in der DDR entwickelt wurde, spricht sie aufgrund
ihrer existentiell menschlichen Thematik und Allgemeingültigkeit jeden unmittelbar
an. In seinem Werk thematisiert der Künstler Erfahrungen, wie Geburt, Liebe,
Leid, Tod und Wiedergeburt sowie den ewigen Kreislauf vom Werden und Vergehen.
Seine abstrahierten menschlichen Figuren entwickelt Morgner zum Teil aus der
christlichen Ikonographie, zum Teil wird er dazu durch eigene Erlebnisse inspiriert.
Die Figurentypen des „Kauernden“, „Stürzenden“, „Aufsteigenden“ und „Schreitenden“,
die in Plastik, Malerei und Grafik zu finden sind, verweisen auf die physische
und psychische Verletzlichkeit des Menschen, auf Grenzsituationen wie Schmerz,
Angst und Bedrohung, aber stehen auch für Emanzipation, Befreiung
und Hoffnung.
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