Pressemitteilung 2021/061 vom

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Forschungsgruppe „Zyklische Optimierung“ an der Universität Leipzig in den kommenden vier Jahren mit einem einstelligen Millionenbetrag. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der theoretischen Linguistik unter der Leitung des Sprachwissenschaftlers Prof. Dr. Jochen Trommer untersuchen dabei neue Ansätze in den Kernbereichen der sprachlichen Grammatik, das heißt der Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik sowie deren Schnittstellen. Wie die DFG vor Kurzem mitteilte, ist sie eine von zehn neuen Forschungsgruppen, die sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete widmen.

„Die DFG-Förderung erlaubt uns, unsere bisherigen Forschungen sehr fokussiert und – durch die große Anzahl der bewilligten Mitarbeiterstellen – auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau zu betreiben“, sagt Trommer. Er und sein derzeit siebenköpfiges Team haben sich das Ziel gesetzt, mit den 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die DFG in Zukunft finanzieren wird, formale Modelle weiterzuentwickeln, die Zyklizität und Optimierung – zwei wesentliche Komponenten der aktuellen Grammatiktheorie – innovativ kombinieren. Die Hypothesen, die sich aus diesen Modellen ergeben, werden  durch ein breites Spektrum empirischer Methoden getestet werden, wie zum Beispiel die Arbeit mit muttersprachlichen Informanten oder die typologische Auswertung detaillierter Beschreibungen der Struktur von Sprachen weltweit. 

„Unsere Modelle von Sprache sind hoch abstrakt, aber gerade deswegen plausible Kandidaten für Sprach-Universalien, also Generalisierungen nicht über Einzelsprachen oder Sprachfamilien, sondern über das generelle menschliche Sprachvermögen“, erklärt Trommer. Bei den Forschungen geht es zum einen um die Typologie. „Deshalb versuchen wir, einen empirischen Querschnitt durch die Sprachen der Welt vorzunehmen, um Aussagen treffen zu können, wie sie generell funktionieren.“ Die Forschungsgruppe baut dabei sowohl inhaltlich als auch personell auf dem Leipziger Graduiertenkolleg „Interaktion grammatischer Bausteine“ auf, in dem bereits in den vergangenen Jahren eine Reihe von Dissertationen zur zyklischen Optimierung entstanden sind. Die Einzelprojekte der Forschergruppe befassen sich mit einer breiten Auswahl spezifischer linguistischer Phänomene und Probleme wie der besonders reichhaltigen Markierung von Numerus in unterdokumentierten afrikanischen Sprachen, der Verwendung von Tonhöhe zur Bildung neuer Wörter, der semantischen Interpretation komplexer Sätze oder der mathematischen Eigenschaften von zyklischer Optimierung. 

Die DFG-Förderung ist zunächst auf vier Jahre angelegt. Nach einer positiven Zwischenevaluation haben die Sprachwissenschaftler der Universität Leipzig die Chance auf eine zweite Förderperiode von vier Jahren. 

In den kommenden sechs Jahren fördert die DFG auch das Schwerpunktprogramm „Auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre“ der Universität Leipzig, der Universität Tübingen und der TU Darmstadt.