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Die Paneldiskussion „Merkel muss weg!“ am 18. Juni in Hamburg befasst sich mit den Wendeerfahrungen von 1989 als Basis heutiger Proteste in Ostdeutschland. Sie ist Teil der bundesweiten Fachtagung „‘Auf die Straße!‘ Politischer Protest in Deutschland“, die von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgerichtet wird. Mit dabei ist Dr. Alexander Leistner vom Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Er forscht bereits länger zu diesem Thema und arbeitet seit Ende vergangenen Jahres im Forschungsverbund „Erbe von 1989. Aneignungen zwischen Politisierung, Popularisierung und historisch-politischer Geschichtsvermittlung“ mit. Daran beteiligt sind Wissenschaftler der Universität Leipzig sowie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sie setzen sich mit den Wendeerfahrungen von 1989 aus soziologischer und historischer Perspektive auseinander.

Foto: Colourbox

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit etwa 1,5 Millionen Euro geförderten, vierjährigen Projekt arbeiten das Institut für Kulturwissenschaften, Bereich Kultursoziologie, an der Universität Leipzig sowie das Historische Seminar der Albert-Ludwigs-Universität zusammen. Der Forschungsverbund „Erbe 1989“ gehört zu den 14 vom BMBF finanziell unterstützten Forschungsverbünden, deren Ziel es ist, die Erforschung der DDR-Geschichte sowie der Transformationsprozesse nach 1989 zu intensivieren und diese verstärkt in Forschung und Hochschule zu verankern.

„Der Forschungsverbund rückt das Jahr 1989 selbst in den Mittelpunkt. 1989 war geprägt von der Eigendynamik des politischen Umbruchs sowie von der Erfahrung der Aktionsmacht massenhafter Straßenproteste. Wir untersuchen die Rolle des Symboljahrs für gegenwärtige gesellschaftliche wie politische Orientierungen sowie die unterschiedlichen Formen eigensinniger Aneignung der Revolutionserfahrung“, sagt Leistner. Mit der Fokussierung auf bisherige Leerstellen in der Forschung – auf Politisierung, Popularisierung sowie die außerschulische Vermittlung von 1989 – reagiere der Forschungsverbund auf aktuelle Debatten und die verstärkte Re-Aktualisierung sowie Re-Politisierung von 1989 in den vergangenen Jahren. „Die Ereignisse im Herbst 1989 scheinen momentan zum symbolischen Ankerpunkt für ein politisches Selbstverständnis zu werden. Der Forschungsverbund möchte vor diesem Hintergrund nicht nur eine Reihe von Forschungslücken schließen, sondern auch einen Beitrag zum tieferen Verständnis der politischen Kultur, vor allem in Ostdeutschland, liefern“, betont Kultursoziologin Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr von der Universität Leipzig.

Das Forschungsprojekt liefert unter anderem mit familienbiografischen Interviews und Gruppendiskussionen wichtige Einblicke in alltagsweltliche Prozesse der Tradierung und Transformation politischer Orientierungen und Haltungen, wie sie beispielsweise in Familien, Freundeskreisen und unter Arbeitskollegen verhandelt werden. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt in Leipzig widmet sich der historisch-politischen Bildungsarbeit zum Thema 1989. In einem ersten Schritt wird diesbezüglich eine aktuelle Bestandsaufnahme außerschulischer Bildungsangebote zum Thema DDR erstellt. Ziel ist außerdem die Untersuchung typischer Vermittlungsformate und -inhalte der historisch-politischen Bildung, wie sie in Vereinen, Gedenkstätten oder Museen stattfinden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie in pädagogischen Interaktionen das Thema Wende und Wiedervereinigung in den Blick genommen wird. Ein besonderes Anliegen des gesamten Projektes ist die Aufbereitung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse für praktische Anwendungsfelder. In halbjährlich Praxiswerkstätten werden die Ergebnisse aus Leipzig und Freiburg gemeinsam mit Akteuren aus der historisch-politischen Bildung ausgewertet und diskutiert. 

Die Tagung „‘Auf die Straße!‘ Politischer Protest in Deutschland“ am 17. und 18. Juni in Hamburg richtet sich vor allem an Mitarbeiter der außerschulischen Bildung, von Parteien, Wissenschaftler, Lehrer und Journalisten. Die Paneldiskussion am 18. Juni mit Dr. Alexander Leistner geht unter anderem der Frage nach, ob die Protestierenden heute wirklich einen Systemwechsel wollen und woher die Wahrnehmung rührt, gerade erneut am Ende eines politischen Systems zu stehen.

 

 

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