Pressemitteilung 2019/078 vom

Am 16. April ist der "Welttag der Stimme". Mit diesem Jahrestag soll die enorme Bedeutung der Stimme in unserem alltäglichen Leben gewürdigt werden. Die Stimme ist ein Werkzeug vielfältiger Kommunikation und bedeutend in fast allen Ausbildungsbereichen - auch an der Universität Leipzig, etwa bei der Lehrerausbildung. Hier werden die angehenden Pädagogen bereits während ihres Studiums gezielt trainiert. Wo da die Schwerpunkte liegen und was eine fundierte Stimmbildung bringt, erklärt Dr. Clara Luise Finke vom Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung (ZLS) der Universität Leipzig.

Dr. Clara Luise Finke.

Dr. Clara Luise Finke. Foto: Swen Reichhold/Universität Leipzig

Frau Dr. Finke, im Rahmen der Lehramtsausbildung wird die Stimme angehender Lehrer speziell geschult. Was kann man alles trainieren und worauf kommt es speziell bei Lehrern an?

Clara Luise Finke: Lehrer betreiben stimmlichen Hochleistungssport und das über Jahrzehnte ihres Berufslebens. Sie müssen ein Leben lang, Tag für Tag, mehrere Stunden sprechen – laut, leise, energisch, vermittelnd, freundlich, durchdringend, ermahnend, beruhigend, diskutierend. Erschwerend kommt hinzu, dass die akustischen Bedingungen in unseren Schulen oft nicht sehr günstig sind und bei 30 Kindern in einem Raum ein gewisser Störlärmpegel herrscht. Den Lehrern stellt sich damit nicht nur eine stimmliche Herausforderung, sondern oft auch eine psychische Belastung. Darum erlernen und trainieren die Studierenden bei uns Techniken, wie sie ihre Stimme im Schulalltag physiologisch und ökonomisch einsetzen können. Dabei geht es nicht nur darum, die richtige Tonhöhe zu finden und eine resonanzreiche, kraftvolle und zugleich variable Stimme zu entwickeln. Es geht auch um das Zusammenspiel der vielen Faktoren, die die Stimme beeinflussen, etwa die Körperhaltung, die Atmung, die Artikulation und auch die eigene „Gestimmtheit“.

 

Wie sind Stimmbildung und Sprecherziehung genau in die Ausbildung integriert? Welche Module gibt es, in welchem Semester beginnt die Ausbildung genau und wie lange dauert sie?

An der Universität Leipzig bieten wir das Modul "Körper - Stimme - Kommunikation" an. Der Umfang beträgt fünf Leistungspunkte, das sind vier Semesterwochenstunden (SWS). Die Empfehlung dabei lautet: das Modul nach den ersten Schulpraktika besuchen, um schon erste Praxiserfahrungen gesammelt zu haben und diese reflektieren zu können. Im Rahmen des Moduls finden Vorlesungen, Gruppenübungen und Seminare zu den verschiedenen Aspekten von Stimme und Kommunikation statt. Der Fokus liegt darauf, sowohl eigene stimmlich-kommunikative Kompetenzen auszubauen, insbesondere unter Berücksichtigung der kommunikativen Anforderungen im Umgang mit heterogenen Schulklassen, als auch für das stimmlich-kommunikative Verhalten der Schüler zu sensibilisieren. Für all diese Aspekte braucht es ein gewisses Handwerkszeug.

 

Ist das eher eine theoretische oder eine praktische Ausbildung?

Theorie und Praxis werden stets verzahnt. Basierend auf theoretischen Grundlagen und auf theoretischem Wissen erproben die Studierenden die Inhalte dann vor allem praktisch und bekommen Rückmeldungen zu ihrem stimmlich-kommunikativen Auftreten. Ziel ist es, dass die angehenden Lehrer durch das Kennenlernen, Reflektieren, Trainieren und Weiterentwickeln der eigenen Kompetenzen das Erlernte in die Berufspraxis transferieren. Wenn sie die Inhalte konsequent verinnerlichen und in die zweite und dritte Phase ihrer Lehramtsausbildung mitnehmen, sind sie auf ihren späteren Berufsalltag optimal vorbereitet. 

 

Welche positiven Effekte hat es, wenn Schüler ihre Lehrer besser verstehen und deren Kommunikation durch Sprechtraining geschult wurde?

Die Stimme ist eine wesentliche Komponente für Lehr-Lern-Prozesse. Eine Kompetenz in der Sprechgestaltung, die in verschiedenen Situationen variabel eingesetzt werden kann, macht den Unterricht anschaulicher, lebendiger und damit auch leichter zu verstehen. Der Lernerfolg ist so eher gewährleistet und damit steigt auch die Motivation der Schüler. Ein positiver Nebeneffekt ist zugleich, dass es auf diese Weise im Klassenzimmer ruhiger wird und das ist wiederum positiv für die Lehrer: sie müssen nicht so häufig die Lautstärke erhöhen oder sich wiederholen. Das Sprechtraining ist also für die Stimmhygiene sehr günstig. Außerdem wirkt sich der jeweilige Gebrauch der Stimme auf die stimmliche Entwicklung der Schüler aus: Aufgrund des funktionellen Nachvollzugs beeinflusst die Stimmqualität  Lehrer das Wohlbefinden der Schüler und damit die Motivation zum Zuhören und Mitmachen. Damit wird auch der Grundstein für kommunikative Grundkompetenzen in unserer Gesellschaft gelegt.

 

Susann Huster

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