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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert eine neue Forschungsgruppe im Jena Experiment mit fünf Millionen Euro über einen Zeitraum von vier Jahren. Die Wissenschaftler werden unter Führung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Universität Leipzig und der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Mechanismen untersuchen, die dem Zusammenhang zwischen Biodiversität und Ökosystemfunktionen zugrunde liegen. Dafür binden sie weitere experimentelle Plattformen ein.

Prof. Dr. Nico Eisenhauer vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig.

Prof. Dr. Nico Eisenhauer vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig. Foto: Christian Hüller/Universität Leipzig

Die Vielfalt von Arten bestimmt die Funktionsweise von Ökosystemen und die Ökosystemleistungen, von denen wir Menschen abhängen. Über die zugrundeliegenden Mechanismen ist jedoch noch wenig bekannt. Das soll sich nun ändern: Eine neue Forschungsgruppe will herausfinden, welche Mechanismen kurz- und langfristig den Zusammenhang von Biodiversität und Ökosystemfunktionen beeinflussen. Sprecher der neuen DFG-Forschungsgruppe ist Prof. Dr. Nico Eisenhauer, Leiter der Arbeitsgruppe Experimentelle Interaktionsökologie bei iDiv und der Universität Leipzig.

Bis 2002 war das rund zehn Hektar große Areal des Jena Experiments in der Saale-Aue eine gewöhnliche Ackerfläche und wurde wie die umliegenden Felder bewirtschaftet. Heute befinden sich auf dem Gelände etwa 500 Versuchsparzellen mit verschiedenen Kombinationen von Wiesenpflanzen nebeneinander: Parzellen mit einer Art, zwei, vier, acht, sechszehn und sechzig Arten. In diesem einzigartigen Freiland-Labor können Langzeitdaten gesammelt und so grundlegende Fragen zur Rolle der Vielfalt von Arten und Ökosystemfunktionen beantwortet werden. Bereits in der Vergangenheit haben die Forscher im Jena Experiment Wert darauf gelegt, Ökosysteme in ihrer gesamten Komplexität zu verstehen – von Arten bis hin zu Nährstoffkreisläufen; von Pflanzen über Mikroorganismen bis hin zu Tieren. Aufgrund dieses innovativen Forschungsansatzes hat das Jena Experiment weltweite Bekanntheit erlangt.

Darauf will die neue DFG-Forschungsgruppe nun aufbauen – und neue Wege gehen. Wissenschaftler aus den Bereichen Ökologie, Biochemie und Mikrobiologie werden interdisziplinär zusammenarbeiten. „Wir werden Expertise aus Mitteldeutschland und darüber hinweg bündeln“, sagt Nico Eisenhauer. „Dieses Vorgehen ist weltweit einzigartig. Gleichzeitig schlagen wir eine Brücke zwischen zwei experimentellen Plattformen: Dem Jena Experiment und dem iDiv-Ecotron.“ Die Wissenschaftler kombinieren dabei Versuche im Freiland mit Experimenten unter kontrollierten Bedingungen in Versuchskammern. Dies erlaubt eine detaillierte Untersuchung der Mechanismen, die die Beziehung zwischen Biodiversität und Ökosystem bestimmen. „Wir wissen bereits, dass artenreiche Gemeinschaften widerstandsfähiger gegenüber extremen Klimaereignissen sind, mehr Ertrag liefern und besser gegenüber Krankheitserregern geschützt sind. Wenn wir nun auch noch besser verstehen, warum das so ist, sind wir einen wichtigen Schritt weiter, um dieses Wissen auch in der Praxis anzuwenden“, so Eisenhauer.

Die neue Forschungsgruppe wird sich diesen Themen nun in insgesamt 12 wissenschaftlichen Teilprojekten widmen, an denen 12 deutsche Forschungseinrichtungen beteiligt sind, darunter das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena oder die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Auch internationale Kooperationen wurden bereits zugesagt, unter anderem mit Universitäten aus Holland, Ungarn, der Schweiz und den USA.

 

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