
Epitaphien im Innenraum der Universitätskirche

Gottfried Welsch in einem Kupferstich von P. Kilian, um 1691

Das Epitaph Welsch hing im Hauptchor der Universitätskirche

Detail des Alabasterrahmens nach der Restaurierung
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Die Restaurierung der geretteten Kunstwerke aus der 1968 gesprengten Universitätskirche gehört zu den bedeutendsten aktuellen Kulturprojekten Leipzigs: Derzeit werden etwa 25 Epitaphien für die Wiederaufstellung auf dem neuen Campus der Universität Leipzig vorbereitet. Ihre Instandsetzung muss überwiegend aus Spenden finanziert werden.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Epitaph Welsch, das im Jahr 2009 Dank einer großzügigen Spende der Commerzbank-Stiftung Frankfurt/Main restauriert werden konnte. Die Restaurierung dieses besonders qualitätsvollen Alabasterepitaphs für den Professor der Medizin Gottfried Welsch und seine Ehefrau Maria geb. Anckelmann vom Anfang des 18. Jahrhunderts wurde von der Commerzbank-Stiftung übernommen. Anhand von Plakaten und ausgewählten Originalteilen des Epitaphs Welsch informiert die Ausstellung über den Stand der Arbeiten und die Anbringung in der Universitätskirche.
Person und Wirken
Der Leipziger Medizinprofessor und Stadtphysikus Gottfried Welsch (1618—1690) gilt als Wegbereiter der Gerichtsmedizin in Deutschland. Sein Wirken führt in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Als Sohn des Leipziger Ratsherrn und Vorstehers des Johannishospitals, studiert er Medizin an den Universitäten Leipzig, Wittenberg, in Italien, Frankreich, England und Holland. Als Medizinprofessor an der Universität Leipzig seziert er erstmals Leichen Hingerichteter im Kellergewölbe des Paulinerklosters und begründet mit seinen Erfahrungen einen neuen Wissenschaftszweig, die Gerichtsmedizin. Nachhaltige Vedienste erwirbt er als Leipziger Stadtphysikus mit der Reform des städtischen Gesundheitswesens und bekämpft dauerhaft die 1680 letztmalig ausgebrochene Pest. Der Ehe mit Maria Anckelmann entstammen 12 Kinder.
Das Monument
Das vom Leipziger Bildhauer Jacob Löbelt 1706 geschaffene barocke Gedächtnismal für die Eheleute Welsch wurde von den hinterbliebenen Kindern gestiftet. Der ornamentale Rahmen aus weißem Alabaster besteht aus filigran skulptierten Lorbeerzweigen, Rosen sowie Akanthusblättern und ist bekrönt von einer Urne, aus der Zweige mit Eichenlaub, Nachbildungen eines Schädels und zwei Beinknochen ragen. Ein Tuchgehänge mit einer von Rosen umwundenen Sanduhr schließt das Epitaph nach unten ab. Von den beiden Familienwappen unterhalb der Urne ist nur das Wappen der Familie Welsch erhalten. Leider wurde die zentrale Inschrifttafel bei der Sprengung der Universitätskirche 1968 vernichtet.
Restaurierung
Während die zentrale Inschrifttafel aus schwarz eingefärbtem Alabaster der Sprengung zum Opfer gefallen ist, wurden nahezu alle Teile des Rahmens geborgen. Der Ornamentrahmen aus weißgelblichem Alabaster ist, trotz seiner zahlreichen Fragmentierungen, bis auf das Fehlen des rechten Wappens, vollständig erhalten. Das linke Wappen der Familie Welsch ist neben weiteren Fragmenten in der Ausstellung zu sehen. Ebenso ausgestellt sind der anatomisch getreu nachgebildete Totenschädel, die von Rosen umwundene Sanduhr sowie die bekrönende Urne.
Die Restaurierungsmaßnahmen am Rahmen bestanden in erster Linie aus Reinigungs- und Ergänzungsarbeiten. Die mit lateinischer Schrift versehene ovale Inschrifttafel, als ein zentraler Bestandteil des Epitaphs, muss anhand der fotografischen Überlieferung entsprechend zeitgemäßer Restaurierungsethik ergänzt werden, damit das Monument in seiner Gesamtheit erlebbar wird. |