
Epitaphien im Innenraum der Universitätskirche

Rechtes Medaillon vor der Restaurierung

Rechtes Medaillon nach der Restaurierung

»Posaunen-Engel« vom Epitaph
des Georg Tobias Schwendendörffer (1598–1681),
errichtet 1685, ehem. Nordwand des Hauptchores
der Universitätskirche St. Pauli

Engel vom Epitaph des Georg Tobias Schwendendörffer (1598–1681),
errichtet 1685, ehem. Nordwand des Hauptchores der Universitätskirche
St. Pauli

Bildtafel vom Gedächtnismal von Johannes
Hoppe
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Mit der Sprengung der Universitätskirche
und des Augusteums im Frühjahr 1968 wurden die geistig-geistliche
Mitte der Universität Leipzig sowie wesentliche Teile
ihrer historischen Identität zerschlagen. Den aus diesen
Gebäuden geretteten Kunstwerken – Gemälden,
Plastiken sowie großformatigen Epitaphien - kommt heute
eine herausragende Bedeutung zu, da nur noch in ihnen ein
Teil dieser Geschichte der Universität für den Besucher
unserer Tage anschaulich wird. Innerhalb des Gesamtkomplexes
der geretteten Kunstschätze nehmen die Objekte aus der
Universitätskirche eine besondere Stellung ein: Insbesondere
die Grabmonumente aus drei Jahrhunderten sind ein materielles
Sediment der Universitätsgeschichte, das für nachfolgende
Generationen Glaubenszeugnis, Erinnerung und Selbstvergewisserung
verkörperte. Sie bilden ein sozial- und kunsthistorisch
einzigartiges Ensemble. Während die mit dem mittelalterlichen
Dominikaner-Kloster verknüpften Kunstwerke meistenteils
restauriert sind und in der Studiensammlung besichtigt werden
können, stellen die – für die Universitätsgeschichte
im engeren Sinne relevanteren – neuzeitlichen Epitaphien
für die Kustodie eine Hauptaufgabe der kommenden Jahre
dar, kunsthistorisch und restauratorisch.
Hinter den Kulissen sind hier in den vergangenen Jahren wichtige
Fortschritte erzielt worden. Fragmentiert und lange Jahre
provisorisch gelagert, konnten die Werke im Frühjahr
2004 in ein universitätseigenes Kunstdepot überführt
werden. War schon seit dem Sommer 2002 eine erneute Erfassung
sämtlicher Fragmente in Angriff genommen worden, so traten
die Arbeiten nun in eine neue Phase: Die sorgsam sortierten
und im neuen Depot auf dem Boden ausgelegten Teilstücke
lassen das jeweilige Epitaph schon jetzt vor dem geistigen
Auge wiedererstehen. Dies stellte zugleich eine wichtige Voraussetzung
für künftige Restaurierungen dar, die nun zunehmend
in Angriff genommen werden.
In der Ausstellung werden sieben Einzelprojekte der Stein-,
Holz- und Gemälderestaurierung vorgestellt. Zu sehen
sind einzelne Skulpturen, Figurengruppen und Gemälde
sowie andere originale Teilstücke in unterschiedlichen
Stadien der Reinigung, Wiederherstellung und kunsthistorischen
Erschließung. Text- und Bildfahnen liefern erläuternde
Information, historische und biographische Fakten und skizzieren
die Restaurierungsproblematik. Eine Abbildung des Gesamtepitaphs
in seiner ursprünglichen Form macht den Originalzustand
deutlich. Angaben zur Biographie des Erinnerten und zur künstlerischen
Form des Monuments erläutern den Hintergrund seiner Entstehung
und liefern Ansätze zur Deutung. Hinweise zur materiellen
Beschaffenheit des Epitaphs, zum Projekt sowie zu bereits
ausgeführten oder geplanten Maßnahmen führen
in die Restaurierungsproblematik ein.
Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung ist in der Ausstellung
das Epitaph des Juristen Heinrich Heideck (1570 – 1603)
aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das hölzerne Monument,
bestehend aus drei in Weiß und Gold gefassten ovalen
Reliefmedaillons mit reich verziertem Rahmen, ist ein herausragendes
Stück frühbarocker Schnitzkunst. Es überrascht
nicht nur durch seine ungewöhnliche Form, sondern auch
durch seine besondere Kunstfertigkeit, die über die Grenzen
Sachsens hinaus zu weisen scheint: In der Ovalform der Medaillons,
dem großen Schwung der Voluten als auch in der Lebendigkeit
der Festons und der Figuren scheint es vom Florentiner Manierismus
inspiriert. Die kunstvoll geschnitzten Szenen zeigen das Jüngste
Gericht, die Erweckung der Tochter des Jaires sowie die Vision
des Ezechiel. Durch die jahrelange Lagerung im Depot war das
Kunstwerk Feuchtigkeit und Schädlingen ausgesetzt und
hat starke Beschädigungen davon getragen. Während
mit dem rechten Medaillon (Abb. 2 und 3 vor und nach der Restaurierung)
bereits ein erstes Ergebnis der Restaurierung präsentiert
werden kann, ist der linke Teil noch im unrestaurierten Zustand.
Das barocke Steinepitaph des Georg Tobias Schwendendörffer
(1597 – 1681), Juraprofessor und Rektor an der Leipziger
Universität, gehörte zu den größten und
aufwendigsten der Universitätskirche St. Pauli (ursprüngliche
Höhe ca. 5 Meter). Durch Auslagerung im zweiten Weltkrieg
und den Ausbau vor der Sprengung ist es in mehrere Teile zerbrochen,
jedoch in seiner Gesamtheit erhalten geblieben. Die Farbigkeit
ist feierlich auf zwei Farbtöne reduziert: Die Architektur
ist schwarz, während Figurenschmuck und Ornamente weiß
gehalten sind. Das repräsentative steinerne Denkmal aus
Alabaster ist ganz der christlichen Motivwelt verpflichtet
und verbindet den Glauben an die Auferstehung Christi mit
der Auferstehungshoffnung für den Verstorbenen. Zugeschrieben
wird das Epitaph dem Leipziger Bildhauer Johann Jacob Löbelt;
jedoch ist angesichts der Weltläufigkeit der Familie
nicht auszuschließen, dass damit italienischen oder
flämischen Vorbildern nachgeeifert werden sollte. Im
Rahmen einer ersten Restaurierungsphase wurden zwei durch
die lange provisorische Lagerung stark verschmutze Rahmenfiguren
gereinigt. Der „Posaunenengel“ (Abb. 4) befindet
sich derzeit im halbgereinigten Zustand, während ein
weiterer Engel (Abb. 5) bereits gesäubert, aber im zerbrochenen
Zustand gezeigt wird. In weiteren Arbeitsschritten sollen
die einzelnen Fragmente wieder zusammengefügt werden.
Zu den seit der Renaissance beliebten traditionellen Gemäldeepithapien
zählt das Gedächtnismal des Leipziger Universitätsprofessors
Johannes Hoppe (1616 – 1654). Die hochrechteckige Bildtafel
ist von einer schwarz-gold gehaltenen Architekturrahmung umgeben,
die sowohl frühbarocke als auch spätmanieristische
Elemente aufweist. Hier wird keine biblische, sondern vielmehr
eine emblematisch geprägte Szene gezeigt. In einer parkähnlichen,
arkadisch wirkenden Landschaft schwebt ein Putto herab auf
ein am Fuße eines Kreuzes liegendes geflügeltes
Herz. Dieses ist von Dornenranken umwunden, einer der Flügel
ist gebrochen. Das Gemälde steht als Emblem für
die heilende Kraft des Kreuzes für die Wunden des Herzens
und wirbt für ein seliges Sterben im Vertrauen auf Christus
und die Auferstehung. Das Monument konnte vollständig
geborgen werden, aus konservatorischen Gründen können
in der Ausstellung zunächst aber nur Hauptgeschoss mit
Gemälde und Sockel gezeigt werden. Die Bildtafel ist
durch alte Fraßstellen vom Holzwurm beeinträchtigt
und zeigt einige Ausbrüche und Einlaufrisse, die Malschicht
selbst befindet sich jedoch in einem relativ guten Zustand.
Eine gründliche Reinigung steht noch bevor.
Die Ausstellung schildert die verschiedenen Stationen der
Kunstwerke im Laufe ihrer Geschichte: die Anbringung der Werke
in der Kirche, ihre Auslagerung im zweiten Weltkrieg, den
Ausbau im Vorfeld der Kirchensprengung 1968 sowie ihr weiteres
Schicksal bis heute. Sie ist die erste einer Ausstellungsreihe
mit dem Titel „Restauro“, die den Restaurierungsprozess
begleiten und der Öffentlichkeit einen Einblick in derzeit
laufende und geplante Restaurierungsprojekte geben sowie die
Ergebnisse dem interessierten Publikum zugänglich machen
soll.
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