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Anton Graff: C. F. Weiße. 1769,
Öl auf Leinwand, Ausschnitt (Kustodie)
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Die Musen in der Amtsstube
Christian Felix Weiße (1726–1804)
Ein Leipziger Literat der Aufklärung
Eine Ausstellung der Kustodie der Universität
Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Institut für Germanistik
AUSSTELLUNGSZENTRUM
KROCH-HAUS
8. Oktober bis 18. Dezember 2004
Eröffnung am 7. Oktober um 19:00 Uhr
Öffnungszeiten
Di, Do, Fr: 10.00 - 17.00 Uhr
Mittwoch 12.00 - 17.00 Uhr
Samstag 10.00 - 13.00 Uhr
Montag, Sonntag und an Feiertagen geschlossen
| Begleitprogramm | Pressedownload
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Anlässlich des 200. Todestages von Christian
Felix Weiße (1726-1804) präsentiert die Kustodie
der Universität Leipzig zusammen mit dem Institut für
Germanistik eine Ausstellung, die das Schaffen des seinerzeit
überaus populären Autors beleuchten soll. Weiße,
der an der Universität studiert hatte, war eine zentrale
Gestalt des literarischen und gesellschaftlichen Lebens im
Leipzig des späten 18. Jahrhunderts. In der Geschichte
der Aufklärung kommt ihm eine weitreichende Bedeutung
zu: Seine Komödien und Tragödien gehörten zu
den meistgespielten Stücken auf deutschen Bühnen,
seine Libretti dienten als Basis für populäre Singspiele;
er war Herausgeber eines Literatur- und Kunstjournals und
seine Zeitschrift „Der Kinderfreund“ wies der
deutschen Kinder- und Jugendliteratur neue Wege.
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C. B. Schwarz: Pauliner-Kirche von Norden, um 1790, kolorierte
Federzeichnung (Kustodie) |
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Weiße und die Universität
Geboren 1726 im erzgebirgischen Annaberg ging Weiße
1745 nach Leipzig, um Philologie und Theologie zu studieren
und sich für ein Schulamt zu qualifizieren. Die Universität
habe er in „sehr dürftigen Umständen“
bezogen, schreibt er, jedoch halfen einige Familienstipendien
und kostfreie Logis bei einem Schulfreund, die größte
Not zu lindern. Weißes wichtigste Lehrer waren J. A.
Ernesti, Pionier der philologisch-historischen Bibelforschung,
sowie J. F. Christ, der in seine Vorlesungen zur Dichtkunst
als erster deutscher Universitätslehrer die bildlichen
Zeugnisse der Antike mit einbezog. Bei J. C. Gottsched nahm
er an Redeübungen teil. Als Weiße 1750 eine Stelle
als Hofmeister des jungen Grafen Johann Heinrich von Geyersberg
antrat, bedeutete das de facto eine zehnjährige Verlängerung
seiner Studien, da er zusammen mit seinem Zögling die
Collegia besuchte, um dann den Unterrichtsstoff mit ihm zu
repetieren. Der Universität Leipzig blieb Weiße
zeitlebens verbunden, u. a. durch die Familie seiner Frau
Christiana, geb. Platner, seinen Sohn Christian Ernst und
seinen Enkel Christian Hermann, die beide Professoren wurden.
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J. Ch. Reinhart nach A. F. Oeser: Aquarellkopie
des Bühnenvorhangs von 1764 im Schauspielhaus auf der Rannischen
Bastei (Museum für Kunsthandwerk Leipzig) |
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Der Dramenautor
In Leipzig lernte Weiße die damals modernste Form des
Theaters kennen: das regelhafte und texttreu aufgeführte
Theater, das Gottsched etabliert und mit einer dezidiert moraldidaktischen
Funktion versehen hatte. Dieser Form des Schauspiels, modifiziert
durch eine Wirkungsästhetik der Empfindsamkeit, blieb
Weiße zeitlebens verpflichtet, für die junge Autorengeneration
der „Stürmer und Dränger“ hatte er dagegen
wenig Verständnis.
Weiße war seinerzeit einer der meistgespielten Dramatiker
auf deutschen Bühnen. In seiner Studienzeit hatte er
mit dem befreundeten Lessing französische Theaterstücke
ins Deutsche übertragen, dann aber eigene Bühnenwerke
zu schreiben begonnen. Größeres Aufsehen erregte
die Komödie „Die Poeten nach der Mode“ (1756),
die den Streit zwischen Gottsched und dessen Schweizer Kontrahenten
Bodmer und Breitinger über die Rolle der Phantasie in
der Dichtkunst persiflierte. In den 1760er Jahren entstanden
mehr als zwei Dutzend Dramen, die Weiße in den ruhigeren
Morgen- und Nachmittagsstunden in seiner Steuereinnehmerstube
verfasste. Nachdem auf das sehr erfolgreiche Stück „Romeo
und Julie“ des Jahres 1767 eine längere Schaffenspause
gefolgt war, wurde 1780 als letztes Trauerspiel „Der
Fanatismus oder Jean Calas“ publiziert. Die traditionelle
Literaturgeschichtsschreibung, die ein lineares Progressionsmodell
zugrundelegte, hat Autoren wie Weiße lange Zeit marginalisiert.
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J. M. Stock: Vignette zu Weißes „Lieder für
Kinder“, 1769, Kupferstich (Universitätsbibliothek
Leipzig) |
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Der Singspiellibrettist
Leipzig spielt in der Geschichte der deutschen (komischen)
Oper u. a. deshalb eine wichtige Rolle, weil die Singspiele,
die aus der Zusammenarbeit Weißes mit Johann Adam Hiller
hervorgingen, außerordentliche Beliebtheit erlangten.
Angeregt durch den Theaterprinzipal Koch bearbeitete Weiße
1752 eine englische Textvorlage, die – vertont vom Geiger
der Kochschen Truppe – unter dem Titel „Der Teufel
ist los oder die verwandelten Weiber“ mit Erfolg auf
die Bühne gebracht wurde. Nach dem Siebenjährigen
Krieg knüpfte Koch an diese Anfänge an und beauftragte
Hiller, dem von Weiße überarbeiteten Libretto neue
Lieder hinzuzufügen. In der Folge komponierte Hiller
ein Dutzend Singspiele, und Weiße, der ein gutes Gespür
für bühnenwirksame Handlungen und musikalische Belange
besaß, wurde sein wichtigster Librettist. Zu den populärsten
Werken zählten „Die Jagd“, „Lottchen
am Hofe“ sowie „Die Liebe auf dem Lande“.
Angesichts der Eingängigkeit der Hillerschen Kompositionen
erlangten manche Lieder eine geradezu volksliedhafte Bekanntheit
und wurden nicht nur bei den Aufführungen mitgesungen.
Auch Goethe erinnerte sich später gern an Leipziger Theaterabende.
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Titelblätter Weißes mit Titelkupfern von J. M. Stock,
(links: Universitätsbibliothek Leipzig, rechts: Deutsche
Bücherei Leipzig) |
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Der Kinderschriftsteller
Die Kinder- und Jugendschriften Weißes bilden den wirkungsgeschichtlich
wichtigsten Teil seines schriftstellerischen Werkes. Vor dem
Hintergrund eines glücklichen Familienlebens und seiner
Rolle als „zärtlicher“ Ehemann und Vater
begann Weiße zunächst mit dem Dichten von Kinderliedern,
die – vertont von Johann Adolf Scheibe und später
auch von Hiller – den Beginn des Kinderliedes als spezifische
Gattung markieren. Es folgte 1772 das „Neue A, B, C,
Buch“, das als wegweisend kindgerecht galt und bis ins
19. Jahrhundert hinein zahlreiche Neuauflagen erlebte. Geradezu
ein „Bestseller“ wurde Weißes Zeitschrift
„Der Kinderfreund“, erschienen zwischen 1776 und
1782, später fortgesetzt unter dem Titel „Briefwechsel
der Familie des Kinderfreundes“. Mittels Geschichten
um eine fiktive Familie propagierte Weiße ein Modell
der vernünftigen und verständnisvollen Erziehung,
die Kinder als Gesprächspartner ernst nahm. Neben der
moralischen Bildung spielte der Naturkundeunterricht eine
herausragende Rolle. Schauspiele für Kinder, Lieder und
Rätsel dienten der Unterhaltung und der ästhetischen
Erziehung. Weiße gilt daher als einer der Gründerväter
der deutschen Kinder- und Jugendliteratur.
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Der Herausgeber
Leipzig als Zentrum des Buchhandels war maßgeblich
an der Entstehung einer breiten literarischen und publizistischen
Öffentlichkeit zur Zeit der Aufklärung beteiligt.
So wurde auch Weiße auf dem Gebiet der Literatur- und
Kunstjournale tätig, wo er sich mit Geschick behauptete.
Im Jahre 1759 übernahm er die Redaktion der „Bibliothek
der Schönen Wissenschaften und der freyen Künste“,
die ab 1765 mit dem Zusatz „Neue“ Bibliothek erschien
und sich durch eine europäische Perspektive und die Fokussierung
auf die bildenden Künste auszeichnete. Zu den prominentesten
Beiträgern gehörte Johann Joachim Winckelmann, Begründer
der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft. Als Redakteur
korrespondierte Weiße mit zahlreichen führenden
Persönlichkeiten seiner Zeit.
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Christian Schule nach C. M. Berggold: Schreibstube, 1797, Radierung
(Stadtgeschichtliches Museum Leipzig) |
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Der Steuereinnehmer
Mitte dreißig und auf der Suche nach einer Lebensstellung
hatte Weiße das Amt des Kreis-Quatembersteuer-Einnehmers
übernommen – nach einigem Zögern, denn vom
Finanzwesen verstand er nichts. Die Quatembersteuer war eine
Grundstücks- und Gewerbeabgabe an den Kurfürsten.
Weißes Zuständigkeit erstreckte sich auf den Leipziger
Kreis, der ein reichliches Dutzend Ämter umfasste; bald
wurden ihm auch die städtische Weininspektion und Tranksteuereinnahme,
die Kreisinvalidenkasse sowie die Einnahme des Mahlgroschens
übertragen. In Briefen klagt Weiße über die
Schwierigkeit, Brotberuf und Schriftstellerei in Einklang
zu bringen: Er sei in seiner „Zollbude angeheftet“,
sollten die Musen dort nicht „scheu“ werden?
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J. B. Bergmüller und J. A. Roßmaeßler:
Der gewöhnliche Spaziergang zu Leipzig [...], um 1780,
kolorierte Radierung, Guckkastenbild (Kustodie) |
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Urbanität und Landleben
Das Jahrhundert der Aufklärung war eine gesellige Zeit.
Auch in Leipzig vernetzten zahlreiche Sozietäten die
Bildungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftselite der Stadt. Weiße,
der sich selbst als „gesellschaftliches Thier“
beschrieb, war darin fest eingebunden als Gründungsmitglied
der angesehenen „Harmonie“, Mitglied der „Deutschen
Gesellschaft“, der „Journalistischen Gesellschaft“
sowie der „Montagsgesellschaft“. Zum Freundeskreis
Weißes gehörten Adam Friedrich Oeser, Johann Adam
Hiller, die beiden Theologen Georg Joachim Zollikofer und
Johann Georg Rosenmüller sowie der kunstsinnige Bürgermeister
Karl Wilhelm Müller.
Im Jahre 1790 erfüllte sich der lang gehegte Wunsch Weißes
nach finanzieller Unabhängigkeit: das ererbte Stötteritzer
Rittergut bedeutete Wohlstand durch Verpachtung der zugehörigen
Felder und diente als angenehmer Sommeraufenthalt. Auf dem
Sommersitz waren zahlreiche prominente Zeitgenossen zu Gast,
darunter Jean Paul, Wieland, Ramler und Gleim.
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Die Ausstellung
Die Schau zu Christian Felix Weiße beleuchtet eine
überaus facettenreiche Persönlichkeit. Autografen,
Archivalien und Bücher vermitteln einen Eindruck seines
Schaffens in den Bereichen Literatur, Theater und Musik. Eine
Videopräsentation stellt Proben von Weißes Texten
und vertonten Gedichten vor. Zahlreiche Gemälde, Zeichnungen,
Grafiken sowie kleinplastische Werke zeichnen ein lebendiges
Bild von Weiße und seiner Zeit, dem gesellschaftlichen
Leben und der Stadt Leipzig im Zeitalter der Aufklärung.
Besonderer Dank gebührt dem Stadtgeschichtlichen Museum
der Stadt Leipzig für seine großzügigen Leihgaben.
Begleitprogramm:
Sonnabend, 16. Oktober 2004, 10.30 Uhr
Weiße und Zeitgenossen – Führung über
den Alten Johannisfriedhof mit Katrin Löffler
Treffpunkt: Täubchenweg, Pförtchen gegenüber
der Bauer-Brauerei; Teilnahmebeitrag: 1,50 Euro
Donnerstag, 28. Oktober 2004, 19.30 Uhr
Musikalisch-literarische Weiße-Soiree
Thomasius-Consort unter Leitung von Anselm Hartinger
Ort: Schumann-Haus, Inselstraße 18, Eintritt: 6/4 Euro
Mittwoch, 8. Dezember 2004, 19.30 Uhr
Christian Felix Weiße – zentrale Gestalt der Leipziger
Spätaufklärung
Dr. Mark Lehmstedt / Dr. Katrin Löffler
Veranstaltung der Leipziger Goethe-Gesellschaft, Interessenten
sind herzlich eingeladen.
Ort: Kroch-Haus
Sonnabend, 18. Dezember 2004, 11.00 Uhr
Finissage mit Sonderführung durch die Ausstellung
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