Wissen anwenden

Wir unterstützen die Anwendung von Wissen durch die Gründerinitiative SMILE, Wirtschaftskooperationen sowie Erfindungen und Patente.

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Selbstverständnis

Unsere Universität fördert den Transfer von Wissen in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur. Indem sie das in ihrem Namen gewonnene Wissen zugänglich und wirksam macht, wird sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht.

Zudem steht unsere Universität interessierten Akteuren außerhalb der Hochschule als Ansprech- und Kooperationspartnerin zu Verfügung. Als Wissenszentrum möchte die Universität auch Menschen außerhalb der Hochschule zur aktiven Teilnahme am Wissenstransfer motivieren. Sie ist Wegbereiterin für Innovationen und schafft Räume für den Dialog.

Angehörige unserer Universität generieren Wissen zur Bereit- und Sicherstellung öffentlicher Güter, sie bilden Fachkräfte für das Bildungs-, Rechts-  und Gesundheitswesen und anderen wichtigen Bereichen des öffentlichen Lebens aus. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Daseinsvorsorge. 

Transfer-Definition

Als Wissenstransfer oder schlicht Transfer bezeichnen wir die Übertragung und Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus allen Wissenschaftsbereichen in die Gesellschaft, die Kultur, die Wirtschaft oder die Politik. Transferierbares Wissen umfasst dabei Aussagen, Modelle und Theorien sowie Forschungsmethoden und Verfahrenskenntnisse. Unser Transferverständnis umfasst zudem gegenseitige Austauschprozesse, mit dem Ziel, einen Nutzen für alle Beteiligte zu schaffen.

Der Transfer begleitet und ergänzt zudem die universitären Handlungsfelder Forschung und Lehre. In diesem Zusammenhang wird Transfer häufig auch als Dritte Mission oder Third Mission von Hochschulen bezeichnet. An unserer Universität verwenden wir diese Begriffe synonym.

Transfer-Modell

Das Steuerungsmodell des Transfers an unserer Universität identifiziert zentrale Ressourcen, Strukturen, Kanäle und Akteure des Wissenstransfers.

Strategie

Im Gesamtprofil unserer Universität ist der Transfergedanke fest verankert. Hinter zahlreichen Aktivitäten an unserer Hochschule steht der Anspruch, unser Wissen gesellschaftlich wirksam zu machen.

Die transferstrategischen Bemühungen unserer Universität berücksichtigen das Wissen aller Wissenschaftsbereiche. Diese Aktivitäten orientieren sich stark an gesellschaftlichen Bedürfnissen und Herausforderungen. Dadurch erkennen wir früh neue Wissenspotenziale, gehen erfolgreiche Kooperationen ein und optimieren unsere Infrastrukturen im Sinne des Transfers.

Unsere Wissenskommunikation ist zielgruppenorientiert und transparent. Zentrale Anliegen sind, für Notwendigkeiten und Chancen des Transfers zu sensibilisieren, am Transfer Beteiligte zu qualifizieren und Vorhaben im Sinne des Wissenstransfers zu unterstützen.

Struktur

Der Transfer an unserer Universität wird durch drei zentrale Akteure gestaltet: dem Prorektorat für Entwicklung und Transfer, dem Dezernat für Forschungs- und Transferservice sowie dem Sachgebiet Transfer.

Das Prorektorat für Entwicklung und Transfer ist zuständig für alle grundlegenden, strategischen und hochschulpolitischen Fragen des Wissens- und Technologietransfers. Es fördert Kooperationen, nimmt externe Anregungen auf und setzt diese zum Nutzen aller Transfer-Beteiligten um.

Das Dezernat für Forschungs- und Transferservice ist Ansprechpartner für die praktischen Fragen des Wissens- und Technologietransfers.

Das Sachgebiet Transfer berät zu Innovationsprozessen, unterstützt Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaftler beim Schutz und der Verwertung ihres geistigen Eigentums bei Messeauftritten oder Ausgründungsvorhaben und stellt Kontakte zu Unternehmen, Kammern und Verbänden her.

„Wissenstransfer für eine demokratische und offene Gesellschaft“

Professor Dr. Thomas Lenk, Prorektor für Entwicklung und Transfer an der Universität Leipzig (Foto: Swen Reichhold).

Interview mit Professor Dr. Thomas Lenk, Prorektor für Entwicklung und Transfer, über seine Erfahrungen, Wünsche und Ziele für die Universität Leipzig

 

Interview mit Professor Dr. Thomas Lenk, Prorektor für Entwicklung und Transfer, über seine Erfahrungen, Wünsche und Ziele für die Universität Leipzig

Die Fragen stellte Dr. Robert Benjamin Biskop, Geschäftsführer der Vereinigung von Förderern und Freunden der Universität Leipzig e.V.

Herr Prof. Lenk, das Aufgabenfeld Transfer ist für die Universitäten in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Was hat Sie bewogen, die zukunftsweisende Aufgabe als Prorektor für Entwicklung und Transfer im Jahr 2011 anzunehmen?

Mich hat schon immer der Gedanke des Transfers und der Integration von Wissen zwischen verschiedenen Bereichen fasziniert. Ich bin von Haus aus Wirtschaftsingenieur und früh darin ausgebildet, interdisziplinär zu denken. Ich habe immer an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gearbeitet und versucht, wissenschaftliche Arbeit in die konkrete Umsetzung zu transferieren. Es geht mir darum, aus der Wissenschaft heraus positive Impulse für die Wirtschaft und die Gesellschaft zu geben. Mich interessieren ganzheitliche materielle und immaterielle Zusammenhänge und Verteilungsfragen, weil hier die Antworten nicht auf der Hand liegen.

Zudem bin ich als Prorektor auch angetreten, um die strategische Entwicklung der Universität mitzugestalten. 2011 waren die staatlichen Haushaltsmittel in Sachsen knapp, es wurde einschneidend gespart – auch im Hochschulbereich. So musste es von Beginn an unser Ziel sein, möglichst viel Schaden von der Universität abzuwenden. Dass ich mit ähnlichen Aufgaben wie Haushaltsbeschränkungen in öffentlichen Institutionen schon in meiner Professur vielfältige Erfahrungen gesammelt habe, hat mir dabei sehr geholfen. Ich bin überzeugt, dass wir im Rektoratskollegium unter der Leitung von Rektorin Prof. Schücking eine gute Strategie im Umgang mit den restriktiven Haushaltsvorgaben gefunden haben, die das bewahren konnte, was unsere Universität im Kern ausmacht.

Wenn Sie an diese wesentliche Aufgabe der strategischen Entwicklung der Universität denken, welche Werte sind Ihnen selbst dabei besonders wichtig?

Für die Universität war und ist es mir wichtig, so viel wie möglich von jener Vielfalt zu erhalten, für die unsere Universität steht. Mehr noch: diese Vielfalt zu nutzen, um interdisziplinär neue Erkenntnisse zu generieren.

Diese Vielfalt spiegelt sich sicherlich auch in Ihrer alltäglichen Arbeit als Prorektor wider. Welche Aufgaben gefallen Ihnen in Ihrer Funktion besonders?

Ich lerne in meiner Funktion als Prorektor immer wieder neue Aspekte und Facetten unserer Universität kennen. Das begreife ich als ein wirkliches Privileg meines Amtes. Mir gefällt zudem besonders die Zusammenarbeit mit jungen Engagierten. In Lehre, Forschung und universitären Aufgaben schätze ich starke und mitdenkende Charaktere, von denen auch ich etwas lernen kann.

Die Beschäftigung mit Lernen und Lehren sind in Ihrer Laufbahn stets sehr wichtige Begleiter. 2009 wurden Sie sogar mit dem Theodor-Litt-Preis für besonderes Engagement in der Lehre ausgezeichnet. Haben Sie als Prorektor noch Zeit, zu unterrichten?

Mir ist es ein essenzielles Anliegen, neben meinen Aufgaben als Prorektor auch weiterhin in Lehre und Forschung aktiv zu sein. Insbesondere die kontinuierliche Lehre bereitet mir sehr viel Freude und trifft auf positive Resonanz bei den Studierenden. Ich unterrichte seit nunmehr über 35 Jahren. Diese Perspektive im Umgang mit Studierenden möchte ich stets in meine Tätigkeit in der Universitätsleitung einbringen. Obwohl ich auch die Chance hatte, in die Wirtschaft zu geben, habe ich sehr früh angefangen zu lehren, schon als Tutor während meines Studiums. Dabei habe ich mich immer gefragt: Sind die Studierenden bei der Sache? Deshalb habe ich mich über den Theodor-Litt-Preis sehr gefreut.

Neben dieser Auszeichnung wurden Ihnen weitere renommierte Anerkennungen zuteil, beispielsweise Ihre Berufung in den wissenschaftlichen Beirat des Stabilitätsrates.

Von meinen gesellschaftlichen Aufgaben ist meine Mitgliedschaft in dem von Ihnen genannten unabhängigen Sachverständigengremium sicher die wichtigste. Gemäß Artikel 109a Grundgesetz prüft der Stabilitätsrat die Haushalte des Bundes und der Länder. Die Stellungnahmen und Empfehlungen des Beirats bilden eine wichtige Grundlage für die Arbeit des Stabilitätsrates. Thematisch verwandt hierzu bin ich Mitherausgeber des „Jahrbuchs für öffentliche Finanzen“, einer inzwischen sehr wichtigen Reihe im finanzpolitischen Diskurs. Der Kern der Reihe ist die jährlich aktuelle Beschreibung der Haushalte der Bundesländer und ihrer Kommunen, flankiert von Aufsätzen aus den Bereichen Rechts-, Politik- und Finanzwissenschaft.

Ich nehme aber noch viele weitere gesellschaftliche Engagements wahr, beispielsweise bringe ich mich seit über 25 Jahren in die Arbeit der Stiftung Moritzbastei ein, deren Kuratoriumsvorsitzender ich seit Anfang an bin. Was ich an der Moritzbastei so mag, ist, dass sie Menschen aus allen Hintergründen mit dem universitären Leben in Kontakt bringt und durch ihr großes kulturelles Angebot miteinander verbindet. So wird auch ein wichtiger Beitrag für die Stadtkultur geleistet.

Die Moritzbastei ist ja eine eng mit der Universität verbundene Stiftung und ein Beispiel für die Wirkungen der Universität in die Stadt. Was glauben Sie, welche Rolle spielt die Universität Leipzig für die Region insgesamt?

Die Rolle der Universität in der Stadt und der Region ist seit mehr als sechs Jahrhunderten bedeutend, sowohl für den geistigen Austausch in der Stadt, als auch als Wirtschaftsfaktor. Ich habe den Eindruck, dass dieser hohe Wert der Universität manchmal als zu selbstverständlich genommen wird. Wir haben hier einen Schatz, der mit viel Aufmerksamkeit gehegt und gepflegt werden sollte.

Deshalb engagiere ich mich auch seit vielen Jahren als Mitglied der Vereinigung von Förderern und Freunden unserer Universität, da dieser Freundeskreis eine wichtige Mittlerfunktion zwischen Universität sowie Stadt, Region und Gesellschaft wahrnimmt. Die aktuelle Neukonzeption des Freundeskreises begleite ich sehr gern mit, da Universitäten in der ganzen Welt leistungsfähige Fördervereine in ihre strategische Entwicklung mit großem Gewinn mit einbeziehen.

Damit sprechen Sie auch die zukünftigen Aufgaben der Universität an. Sie erarbeiteten mit Ihrem Team für die Universität den neuen Hochschulentwicklungsplan 2025. Welche Rolle hat darin das Thema Transfer?

Transfer wird im nun vorliegenden Hochschulentwicklungsplan als die dialogische Vermittlung und Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik definiert. Es geht mir hier insbesondere auch um partizipative Austauschprozesse. Das umfasst eine große Bandbreite unterschiedlicher Tätigkeiten – von der Verwertung von Patenten über beratende Tätigkeiten bis hin zur öffentlichen Vermittlung von Wissen. Wir unterscheiden grundlegend vier übergeordnete Transferkanäle: „Wissen anwenden“, „Wissen vermitteln“, „Beraten“ und „Wissen kommunizieren“. Wichtig ist mir, dass sich das Handlungsfeld Transfer neben Forschung und Lehre zu einer gleichberechtigten Leistungsdimension an der Universität entwickelt.

Über den wissenschaftlichen Kontext hinaus geht es beim Thema Transfer für die Universität auch darum, in die Gesellschaft hineinzuwirken. Also nicht nur im wissenschaftlichen Transfer, sondern insgesamt im Sinne einer demokratischen und offenen Gesellschaft.

Wie schauen Sie aus dieser Perspektive auf die zukünftige Entwicklung des gesamten Hochschulsystems?

Meiner Ansicht nach könnte man das Hochschulsystem insgesamt noch effizienter gestalten, indem man beispielsweise ausgewählte Forschungsschwerpunkte klug an passenden Standorten konzentriert. Außerdem sollten wir Forschungsprofile stärken und miteinander vernetzen, die rund um das Thema Digitalisierung arbeiten. In diesen wichtigen Forschungsfeldern hat die Universität Leipzig viel zu bieten.“

Von den Herausforderungen zur Mut machenden Vision: wie würden Sie eine Universität der Zukunft beschreiben?

Ich wünsche mir, dass Universitäten auch in Zukunft Orte des gelingenden Forschens und Lehrens sowie des lebendigen Wissens- und Erfahrungsaustauschs mit der Gesellschaft sind.

Für die Studierenden hoffe ich, dass sie wieder mehr Freiheit und Flexibilität erfahren. Aktuell sind die Studiengänge teilweise zu verschult.

Mithilfe der neuen Medien kann Forschen, Lehren und Lernen effizienter, manchmal auch einfacher, zum Beispiel durch die schnelle digitale Beschaffung von Literatur und Lernmaterialien, gestaltet werden. Dennoch bleibt für mich der persönliche zwischenmenschliche Austausch zentral. Als Lehrender verstehe ich mich als Mentor der jungen Menschen, der versucht, sie voranzubringen. Hierzu braucht es die Möglichkeit des direkten Kontaktes.

Für die Zukunft der Universität wünsche ich mir, dass es neben der Spitzenforschung auch eine stärkere fächerübergreifende Zusammenarbeit gibt, weil ich darin die Lösung für viele Zukunftsfragen sehe. Neben den Speziallösungen ist es wichtig, immer auch Gesamtlösungen zu finden, die alle Dimensionen eines Problems berücksichtigen. Mit dem neuen Hochschul­entwicklungsplan haben wir sicherlich eine gute Grundlage für die weitere positive Entwicklung der Universität Leipzig gelegt.

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