Seit dem Wintersemester 2017/18 erweitern die Kulturstudien das vielfältige Bildungsangebot der Wissenschaftlichen Weiterbildung. Im Zentrum der Studien stehen neben dem gemeinsamen Besuch einer Kulturveranstaltung die wissenschaftliche Vorbereitung des Themas sowie ein Blick auf die Praxis des jeweiligen Kulturbetriebs.

Das Foto zeit einen großen Saal von der Bühne aus betrachtet. Die Wänge wirken hölzern verkleidet, an der Decke leuchten viele, helle Lampen. Der Saal gehört zur Oper Leipzig, man sieht ihn aus der Perspektive von Opernsingenden.
Saal der Oper Leipzig, Foto: Kirsten Nijhof / Oper Leipzig

Der Veranstaltungsbesuch ist somit kein einmaliges Event, sondern in die wissenschaftliche und praxisnahe Vorbereitung eingebettet. Die Teilnehmenden erhalten vertiefende Einblicke in die Arbeitswirklichkeit der führenden Leipziger Kulturinstitutionen durch Gespräche mit Akteur:innen.

Die Teilnahme an den Kulturstudien steht allen Interessierten offen, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Einzelbuchungen der jeweiligen Termine sind nicht möglich.

Kulturstudien Sommersemester 2022

Im Sommersemester 2022 erwarten Sie zwei Veranstaltungsreihen in den Bereichen Musiktheater und Kunst. Mit der komischen Oper "Maskarade" von Carl Nielsen können Sie die dänische Nationaloper schlechthin entdecken. In den Kulturstudien Kunst möchten wir Sie gern auf eine Entdeckungsreise zu Werner Tübkes Monumentalgemälde "Die Sixtina des Nordens" nach Bad Frankenhausen mitnehmen.

Maskarade

von Carl Nielsen

Die Oper „Maskarade“ von Carl Nielsen gilt als die Nationaloper Dänemarks. Die komische Oper in drei Aufzügen, mit einem Libretto von Vilhelm Andersen, folgt dem gleichnamigen Schauspiel von Ludvig Holberg. Mit einer Vorlesung von Prof. Dr. Wolfgang Fuhrmann werden Sie musiktheoretisch in diese hierzulande selten gespielte Oper eingeführt. Das Werkstattgespräch findet mit einem an der Produktion Beteiligten und der Dramaturgin Nele Winter statt. Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet der Besuch der Aufführung in der Oper Leipzig.

Vorlesung: Maskenball in Kopenhagen. Carl Nielsens heitere Oper Maskarade

Prof. Dr. Wolfgang Fuhrmann (Universität Leipzig, Goethestraße 3-5)
Dienstag 17.30−19.00 Uhr
03.05.2022

Seminarraum 1.25/1.26, Goethestraße 3−5

Sie gilt als die dänische Nationaloper schlechthin – im restlichen Europa ist sie jedoch kaum bekannt. Dabei ist Carl Nielsens komische Oper Maskarade (1906) ein überaus reizvolles Werk. Entstanden nach einer Komödie des „nordischen Molière“ Ludvig Holberg aus dem 18. Jahrhundert, hält es den Sitten und Beschränktheiten der höheren Gesellschaft mitsamt ihren Liebeshändeln und Heiratssachen in einem ausgelassenen Maskenball den Spiegel vor und entfaltet dabei musikalisch einen schillernden Mikrokosmos aus Rokokoklängen, gelehrten und volkstümlichen Gesängen und Tänzen. Und natürlich findet das Liebespaar zum Schluss zusammen.

Werkstattgespräch

Nele Winter (Oper Leipzig)
Dienstag 17.30−19.00 Uhr
10.05.2022

Oper Leipzig, Konzertfoyer

Die Konzeption einer Operninszenierung bewegt sich an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Aufarbeitung der Historie sowie des geistesgeschichtlichen Kontextes eines Werks und seiner Rezeptionsgeschichte einerseits und seiner praktischen Realisierung auf der Opernbühne andererseits. Dabei versuchen ein Regisseur und sein Team die zentralen Fragen eines Werks zu sezieren und eine szenische Sprache zu fi nden, diese Fragen einem zeitgenössischen Publikum zu vermitteln. In den Werkstattgesprächen wollen wir gemeinsam mit dem betreuenden Produktionsdramaturgen sowie einem Mitwirkenden der jeweiligen Produktion einen Einblick geben in den Prozess der konzeptionellen Annäherung an ein Werk und dessen Umsetzung auf der Bühne.

Aufführung: Die Maskarade von Carl Nielsen

Sonntag 18.00 Uhr
15.05.2022

Oper Leipzig

Kosten:

60 € ohne Opern-Ticket
100 € mit Opern-Ticket (Platzgruppe IV)

Werner Tübkes Monumentalbild − Die Sixtina des Nordens

Werner Tübke war einer der bedeutendsten Maler und Graphiker der DDR und gehört zur sogenannten Leipziger Schule. Sein monumentales Panoramabild über den Bauernkrieg mit den Titel "Frühbürgerliche Revolution" soll Gegenstand dieser Kulturstudien Kunst sein.

Mit einem Vortrag zur Entstehungsgeschichte des Bildes der ausgewiesenen Tübke-Kennerin Dr. Annika Michalski beginnt diese Veranstaltungsreihe. Tübkes ehermaliger Schüler Dietrich Wenzel berichtet in einem Gespräch mit Frau Dr. Michalski über seine Begegnungen mit Tübke und seine Arbeit am Panoramabild. Den Abschluss der Kulturstudien Kunst bildet eine Exkursion nach Bad Frankenhausen. Dort nehmen Sie an einer Führung teil, sehen den Film „Schlacht am Bild“ und erhalten im Tübke-Kabinett weitere Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Bildes. Frau Dr. Michalski und Herr Wenzel werden die Exkursion begleiten.

Vorlesung: Das Panoramagemälde von Werner Tübke in Bad Frankenhausen. Einführung in Entstehungsgeschichte und Bildkosmos

Dr. Annika Michalski
Mittwoch, 16.00−17.30 Uhr
15.06.2022

Seminarraum 1.25/1.26, Goethestraße 3−5

Ab 1976 bis 1987 versenkt sich Werner Tübke in einen besonderen Auftrag, ein beispielloses Kunstwerk der jüngeren Kunstgeschichte: das monumentale Panoramagemälde Frühbürgerliche Revolution in Deutschland, das sich heute in einem Rundbau oberhalb der nordthüringischen Stadt Bad Frankenhausen als Rundbild auf einer Fläche von 1722 m2 präsentiert. Tübke realisierte diesen staatlichen Auftrag über 11 Jahre mit seinen Mitarbeitern mit Gesamtkosten von mindestens 119 Millionen Mark der DDR, dessen Entstehungsgeschichte die Paradoxien des letzten Jahrzehnts der Geschichte des SED-Staates in eindrucksvoller Weise widerspiegelt. Es gelingt dem Künstler, den thematisch eingeschränkten Staatsauftrag zur Heroisierung der Kämpfe der Bauern im Bauernkrieg 1525 in einen autonomen Selbstauftrag und die Rotunde des Panoramagebäudes in ein privates Kunstmuseum mit einem überzeitlichen Sinnbild zu verwandeln. Mit 123 Metern Länge und 14 Metern Höhe entfaltet sich im Panoramagemälde ein komplexes, epochales Sinnbild des 15. und 16. Jahrhunderts, das seine Überzeitlichkeit durch existentielle Allgemeingültigkeit gewinnt. Tübke strebte die metaphorische Interpretation einer ganzen Epoche mit allen religiösen, ökonomischen und geistigen Aspekten der Zeit an sowie der Formulierung von „seingeschichtlichen Fragen“. In fünf aufeinander bezogenen Bildflächen entwickelte Tübke eine inhaltliche Struktur, die sich symbolisch – in einer ewigen Wiederkehr – an den Jahreszeiten orientiert. Es ist paradox, dass schließlich der Panoramabau und das Bild nur wenige Wochen vor dem Niedergang seines staatlichen Auftraggebers als nunmehr privates Kunstmuseum feierlich eingeweiht wurden. Der Vortrag zeichnet die Entstehungsgeschichte und die Auftragsausführung nach und führt in den umfassenden Bildkosmos des Gemäldes ein.

Werkstattgespräch

Dr. Annika Michalski spricht mit Dietrich Wenzel
Donnerstag, 16.00−17.30 Uhr
16.06.2022

Seminarraum 1.25/1.26, Goethestraße 3−5

In einem Gespräch mit der Kunsthistorikerin Dr. Annika Michalski berichtet der Leipziger Zeichner und Maler Dietrich Wenzel (geb. 1943) über seine intensiven Begegnungen mit Werner Tübke, die sein Leben beeinflussen – über Phasen, in denen er dem Meister als Student, als Kollege und Mensch nahe war, zwischen langen Jahren der Entfernung. „Ein einmaliges Projekt“ nennt er seine Reflexionen über die zwei Jahre der Mitarbeit an der Entstehung des Panorama-Bildes in Bad Frankenhausen, das im Anspruch wie in seiner Bewältigung solitär in der Welt sein dürfte. Es geht dabei um Details des alltäglichen Werkstattbetriebes, dessen erster Mitarbeiter (von später 15) Wenzel sein durfte. Es geht um eine Zeit der unvorstellbaren Herausforderungen, des Wachsens durch kollegiales Vertrauen, des Abenteuers mit ungewissem Ausgang, in das er viele eigene Ideen und Erfahrungen einbringen konnte – was er gleichzeitig als Lernender aufnehmen durfte, ist unermesslich. Per Bildprojektionen entsteht ein Einblick in die einzelnen Phasen der Übertragungsarbeit, aber auch in Wenzels eigenes Schaffen, das – wie er selbst sagt – sich erst in den letzten 20 Jahren zu seinem „Eigentlichen entwickelte und selbst in der
Hochburg der Zeichenkunst Leipzig einen besonderen Stellenwert haben dürfte“.

Exkursion nach Bad Frankenhausen

Freitag, 8.00−17.00 Uhr
17.06.2022

Treffpunkt Goethestraße 3−5

Zum Abschluss der Kulturstudien Kunst fahren wir gemeinsam nach Bad Frankenhausen. Wir werden zuerst an einer Führung teilnehmen und uns dann den Dokumentarfilm „Schlacht am Bild“ ansehen. Dieser zeigt in sehr imposanter Weise den Entstehungsprozess des Bildes und lässt die physischen und psychischen Belastungen des Künstlers und seiner Altgesellen deutlich werden. Beeindruckende Aufnahmen der Hängung der 1,1 Tonnen schweren Leinwand und Interviewpassagen
mit Werner Tübke verdeutlichen die Einmaligkeit dieses Projektes. Danach ist Zeit für ein Mittagsessen im Restaurant des Museums. Zuletzt werden wir uns im Tübke-Kabinett die Ausstellung „Werner Tübkes Monumentalwerk – Das Abenteuer
der Bilderfindung“ ansehen.

Kosten:

95 €, zzgl. Mittagessen und Getränke

Anmeldung

Um sich für die Kulturstudien anzumelden, haben Sie folgende Möglichkeiten:

Aufgrund der derzeitigen Zugangsbeschränkungen können Sie uns das Formular nur per Post, Fax oder E-Mail zusenden. Eine persönliche Abgabe im Sachgebiet Wissenschaftliche Weiterbildung ist nicht möglich. Die Online-Anmeldung steht Ihnen ab dem 4. März zur Verfügung.

Anmeldeformular
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